Der Umgang mit rechtspopulistischen Parteien muss in ganz Europa erlernt werden. In Deutschland ist das Lernen nach der historischen Katastrophe des Nationalsozialismus besonders schwierig. Die Wachsamkeit gegenüber dem „Schoß, der noch fruchtbar ist“ führt zu einer Öffentlichkeit, die überall die Wiederkehr der Nazis wittert. Das war notwendig und richtig, doch heute zeichnet sich ein gefährlicher Umschlag ab, der aus der Wachsamkeit eine reflexartige Überreaktion macht.
Zwei Aspekte sind dabei auffällig: der nachholende Antifaschismus und die parteitaktische Panik. Beide Reflexe gelten als angemessener Umgang mit der AfD. Und seitdem der Verfassungsschutz die Partei in Teilen als „gesichert rechtsextrem“ etikettiert hat, scheint jedes Nachdenken überflüssig. Sucht man nach einer Definition von „rechtsextrem“, wird man überraschenderweise bei der Behörde nicht fündig. Das dunkle Dräuen im Wort „rechtsextrem“ übernimmt die Arbeit, die es als Begriff nicht leistet. So überbieten sich die Schlagzeilen, die unsere Zeit als „5 vor 1933“ bezeichnen, von der Wannseekonferenz 2.0 berichten und Björn Höcke als Wiedergänger von Adolf Hitler beschwören.
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Der Dramaturg und Philosoph Bernd Stegemann mit einer Philippika gegen die illiberalen Verteidiger der Demokratie und gegen die Ressentiments der Gekränkten.
Bernd Stegemann
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Wiederkehr der Faschisten – eine imaginierte Gefahr?
© Fotoillustration: Berliner Zeitung. Fotos via Imago, PA