Doch anders als der Knochen ist das Cosmorama ein Wunderwerk der Technik: Der computergesteuerte Projektor der Firma Carl Zeiss in Jena kann tausende Sterne, Planeten und Kometen abbilden – und 69 Diaprojektoren sowie 89 Lautsprecherboxen machen das 360-Grad-Panorama im Kuppelsaal des Zeiss-Großplanetariums an der Prenzlauer Allee zu einem vielsinnigen Erlebnis. 2,5 Millionen Besucher in 25 Jahren können das bezeugen.
Als das Sternentheater oberhalb des Ernst-Thälmann-Parks am 9. Oktober 1987 eröffnet wurde, waren Cosmorama und Planetarium das modernste weltweit. Dementsprechend stolz war die DDR-Führung auf ihr technisches Wunderwerk, und so schwülstig waren auch die Lobpreisungen am Tag der Eröffnung. Das neue Planetarium lege „weithin sichtbares Zeugnis ab für die große sozialökonomische Leistungskraft unseres sozialistischen Arbeiter-und-Bauern-Staates, für die gute Politik, durch friedliche Arbeit alles zu tun für das Wohl des Volkes und das Glück der Menschen“, dichtete Wolfgang Biermann, damals Chef des Planetariums.
Eine neue Welt im Sternentheater
DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker hatte 1984 den Bau des Planetariums angeregt. „Honecker wollte die Technik vom VEB Carl Zeiss weltweit bekannt machen“, sagt Felix Lühning, der das Planetarium seit vier Jahren leitet. Gebaut wurde das Sternentheater auf dem Gelände des früheren Gaswerks, das 1985 gesprengt wurde – was allerdings erst beim zweiten Versuch gelang.
Groß war der Aufwand, mit dem das Planetarium dann betrieben wurde: 80 Mitarbeiter gab es zu DDR-Zeiten, alle Programme, die das Cosmorama zeigte, wurden vor Ort entworfen und in mühevoller Kleinarbeit aus Hunderten Dias zusammengesetzt, es gab einen eigenen Fotografen, eine Grafik-Abteilung, ein Fotolabor, außerdem eine Bibliothek, Konferenzräume, selbst einen durchgehenden Wachdienst – je acht Leute in drei Schichten.
Heute ist davon wenig übriggeblieben: Der Wachschutz ist weg, das Personal auf neun Leute zusammengeschrumpft; das Planetarium gehört jetzt mit der Sternwarte im Treptower Park zum Technikmuseum in Kreuzberg. 80.000 Besucher zählte das Sternentheater 2011, fast die Hälfte waren Kinder. An ihnen liege ihm besonders viel, sagt Planetariums-Chef Lühning. Für viele Kinder eröffne das Sternentheater eine völlig neue Welt, nicht selten seien es vor allem Kinder aus Problemkiezen, die enorm begeistert seien. „Das Planetarium ist die emotionale Hintertür für die Naturwissenschaften“, formuliert es Lühning blumig.
Allerdings ist die Hintertür ordentlich in die Jahre gekommen, und die alte DDR-Technik nach 25 Jahren dringend überholungsbedürftig. 2014 soll das Haus deshalb komplett saniert werden, 12,8 Millionen Euro sind dafür eingeplant. Dann hat auch der alte Knochen, das Cosmorama, ausgedient: Die gesamte Projektionstechnik wird künftig in einem Apparat versteckt, der die Form eines Tee-Eis hat. „Danach können in der Kuppel auch Videos gezeigt werden“, sagt Lühning. Den alten Knochen, sagt er, würde er gern im Haus behalten, „als Ausstellungsstück“.
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