Nach vier Spielen nimmt allerdings schon der Eindruck zu, dass sich die Eisbären nicht nur überraschend achtbar schlagen in diesem Traditionsduell. Sondern dass sie ein ernsthafter Anwärter auf ein Halbfinale gegen München sind. Dass sie einmal auswärts gewinnen müssen, ist natürlich eine Bürde. Keiner der beiden Mannschaften ist das in dieser Saison in einem der bislang acht Duelle gelungen. Dennoch waren die Eisbären bislang deutlich dichter dran am Auswärtssieg. Laurin Braun sagt: „Wir müssen auswärts spielen wie zu Hause. Dass wir es auch dort können, haben wir ja gezeigt.“ Vor allem im ersten Spiel, in dem 3,5 Sekunden vor dem Ende aus dem Sieg erst eine Verlängerung, dann eine Niederlage wurde. Braun ergänzt: „Das fünfte Spiel zu gewinnen, wäre mir lieber als das siebte. Denn da ist ja immer noch die Sache mit den Nerven.“
Wer mit dem Druck des Gewinnenmüssens am Ende besser klarkommt, lässt sich natürlich schwer vorhersehen. Aber es ist doch offensichtlich, dass den Eisbären ihre Außenseiterrolle durchaus gefällt. Die Hauptrunde mit Platz acht ist längst abgehakt. Alles, was jetzt kommt, ist Bonus. Das verkörpert gerade auch Laurin Braun.
Neuer Geschwindigkeitsrekord
Dass er schon länger mit der Düsseldorfer EG in Verbindung gebracht wird, liegt an seiner stockenden Entwicklung. Zwar wird Lolle, wie sie ihn alle nur nennen, geschätzt für seinen Einsatz. Vier Tore und sieben Vorlagen nach der Hauptrunde waren aber doch ein bisschen wenig. Immer wieder versemmelte er beste Einschussgelegenheiten.
Beim 6:1 am Mittwochabend war genau das Gegenteil der Fall. „Da hat alles gepasst“, sagt Braun. Erst „war der Pass von André super“. Die haargenaue Vorlage Rankels, verwertete er zum 4:1. Wenig später schoss er auch das 5:1, mit dem er einen persönlichen Rekord knackte: „Es ist zwar die Frage, ob die Anzeige so stimmt. Aber auf 139 km/h kam ich noch nie. Das war bis jetzt mein härtester Schuss. Das nehme ich natürlich gerne mit.“
Die Metamorphose vom schlaffen Hauptrunden- zum spritzigen Playoffteam hat viele Ursachen. Eine wesentliche Rolle spielt natürlich, dass Krupp derzeit auf fast alle Spieler zurückgreifen kann. Nur Sven Ziegler fehlt dauerhaft, zudem müssen pro Spiel ein Verteidiger sowie zwei ausländische Spieler auf die Tribüne, weil eben nur 21 im Line-up stehen dürfen.
Noch ist nichts gewonnen
Hinzu kommt das Phänomen früherer Jahre, dass jeder Spieler zu den Playoffs auch wirklich in Bestform ist. Laurin Braun, 26, erklärt: „Ich versuche einfach, noch einen Tacken mehr zu geben.“ Zu spüren ist das besonders beim Dauerdruck auf das gegnerische Tor, gepaart mit Hochgeschwindigkeitseishockey. „Wir haben Mannheim ausgekontert und den Schuss gesucht. Wenn der nicht direkt reingeht, gibt es immer noch die Chance auf den Rebound.“
Und nicht zuletzt ist da noch das Gefühl, dass die Berliner ihren Kontrollzwang etwas abgelegt haben. Ein bisschen erinnert der Stil an vergangene Tage, als ein Angriff nach dem anderen aufs gegnerische Tor rollte. Weil die Defensive immer noch nicht ganz stabil wirkt, muss die Offensive den Unterschied machen. Laurin Braun hielt es sehr vage mit der Erklärung für diesen Hurra-Stil. „Wir sehen unsere Chance und geben deshalb alles.“ Ohne dabei fahrlässig in Euphorie auszubrechen. Noch ist schließlich nichts gewonnen.
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