Poelchau-Schule

Raus aus der Asbest-Falle

Endlich raus aus dem Asbest-Bau: Eine Eliteschule des Sports findet bald eine neue Bleibe im Olympiapark. Die knapp 500 Schüler sollen in das "Haus des Deutschen Sports" umziehen.

Martin Klesmann
3 Min
Achtung Asbest: Zwar ist Asbest in Deutschland seit 1993 verboten, doch noch immer findet sich der Schadstoff laut Stiftung Warentest in alten Wohnungen und Häusern.

Achtung Asbest: Zwar ist Asbest in Deutschland seit 1993 verboten, doch noch immer findet sich der Schadstoff laut Stiftung Warentest in alten Wohnungen und Häusern.

© dpa Lizenz

Jahrelang hatten Eltern, Lehrer und Schüler gegen die umfangreiche Asbestbelastung der Poelchau-Schule in Charlottenburg-Nord protestiert. Die Türen in dem Bau aus den 1970er-Jahren mussten besonders sanft geschlossen und Jalousien durften gar nicht mehr benutzt werden, damit ja keine Fasern des krebserregenden Asbests freigesetzt werden. Schließlich stellten Eltern Strafanzeige wegen Körperverletzung.

Jetzt tut sich endlich etwas: Zum Schuljahr 2015/16 sollen die knapp 500 Schüler umziehen in das „Haus des Deutschen Sports“ im Olympiapark. Für die nötigen Umbauten des in der NS-Zeit gebauten Gebäudekomplexes stellt Berlin insgesamt 12,6 Millionen Euro zur Verfügung. Am Montagabend sollte der Grundstein gelegt werden. „Es entsteht ein Areal mit Campus-Charakter und kurzen Wegen für die Schüler“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Die Poelchau-Schule ist eine von drei Eliteschulen des Sports in Berlin. Dort trainieren Leistungssportler intensiv für Modernen Fünfkampf, Schwimmwettkämpfe oder Wasserball . In der verbleibenden Zeit lernen sie in deutlich kleineren Gruppen als sonst üblich den Schulstoff. Auch die Boateng-Brüder besuchten die Poelchau-Schule.

Bisher werden jährlich allein 60 000 Euro für den Bus-Transfer fällig zwischen dem Sportforum im Olympiapark mit seiner Schwimmhalle und den Unterrichtsräumen am Halemweg in Charlottenburg-Nord. Im Deutschen Sportforum hatten die Briten nach dem Zweiten Weltkrieg ihr Hauptquartier. Die historische Turnhalle, die nun auch wieder saniert werden soll, diente ihnen als Kfz-Werkstatt. Nach dem Abzug der Briten zogen Sportverbände, Firmen und auch das Sportmuseum in das Areal, viele Gebäudeteile blieben aber ungenutzt.

„Wir müssen das Gebäude statisch ertüchtigen, wollen die Substanz des Baus aber weitgehend schonen“, sagt Klaus Pawlitzki vom für die Umbauten beauftragten Architekturbüro Müller/Reimann. Zudem müsse man die Klassenräume so gestalten, dass sie die vorgeschrieben Raumgrößen erfüllen.

Kooperation mit Hertha BSC

Die beiden anderen Eliteschulen sind das Sport- und Leistungszentrum in Hohenschönhausen, das mit etwa 800 Kindern und Jugendlichen die meisten Schüler von allen hat, und die Flatow-Oberschule in Köpenick, die vor allem Ruderer, Kanuten, Segler und Fußballer fördert. An der Poelchau-Schule hatten einige Eltern zu Zeiten des bis 2011 regierenden rot-roten Senats behauptet, dass insbesondere die Linke die Standorte in den östlichen Bezirken besonders protegieren würde.

Jetzt allerdings ist in der Senatsinnenverwaltung Andreas Statzkowski (CDU) der zuständige Staatssekretär für Sport. Der Charlottenburger war lange Jahre Mitglied der Schulkonferenz an der Poelchau-Oberschule. Die Schule wird in den nächsten Wochen den Kooperationsvertrag mit dem Fußballbundesligisten Hertha BSC erneuern. Diesen Vertrag hatte die Poelchau-Schule vor einiger Zeit gekündigt. Es gab Vorwürfe, dass der Fußballverein seine Zusagen nicht mehr einhalte.

Was allerdings ab 2015 mit dem asbestverseuchten Standort am Halemweg passieren soll, ist ungeklärt. Eine Asbestsanierung wäre zwingend notwendig. Auch wenn die Bildungsverwaltung betont, dass die umfangreiche Asbestbelastung nicht gesundheitsgefährdend ist, da nichts freigesetzt werde. Die SPD im Bezirk will, dass auf dem Areal Wohnungen entstehen. Die Bildungsverwaltung kann sich hier eine Nutzung durch das benachbarte Oberstufenzentrum Anna Freud vorstellen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema