Zwischen 18 und 6 Uhr gingen bei der Berliner Polizei 4109 Notrufe ein. Insgesamt 2024 Mal waren Funkwagen im Einsatz. Nach Angaben eines Polizeisprechers gingen 80 Fahrten zu Schlägereien, 35 zu Streitigkeiten, 24 zu verletzten Personen, 105 zu Sachbeschädigungen und 157 wegen unsachgemäßen Umgangs mit Pyrotechnik.
So zündeten Unbekannte gegen 21.20 Uhr in der Föhrer Straße in Wedding einen Knallkörper, durch dessen Detonation mehrere Fensterscheiben von zwei Mehrfamilienhäusern beschädigt und vier Gehwegplatten abgesenkt wurden. Zeugen berichteten den alarmierten Polizisten, dass eine Gruppe von etwa 10 bis 15 Personen sich kurz zuvor an einem der Wohnhäuser aufhielt, sich den Schaden anschaute und dann flüchtete.
In der Große-Leege-Straße in Alt Hohenschönhausen warfen Unbekannte einen Sprengkörper auf den Balkon einer im Hochparterre gelegenen Wohnung. Durch die Detonation wurden sämtliche auf dem Balkon liegenden Gegenstände zerstört, die verschlossenen Balkontür nach innen aufgedrückt und Trümmerteile bis zu elf Meter ins Freie und ins Wohnzimmer geschleudert. Die Mieter der Wohnung wurden nicht verletzt.
Randale in Schöneberg
Gegen Mitternacht alarmierten Anwohner die Polizei zur Potsdamer Straße in Schöneberg. Aus einer Gruppe von 60 bis 80 Personen wurden vorbeifahrende Autos mit Feuerwerkskörpern beschossen und Feuerlöscher aus den umliegenden Wohnhäusern entleert.
In der Potsdamer, Ecke Pallasstraße beschossen die Männer einen eintreffenden Funkwagen mit Feuerwerkskörpern. Nachdem die Polizei den Fahrzeugverkehr in der Potsdamer Straße zwischen der Bülow- und Goebenstraße umgeleitet hatte, konnte die Gruppe mit Unterstützung weiterer Polizisten zunächst abgedrängt werden. Als kurz darauf eine Bushaltestelle in dem Bereich angezündet wurde und mehrere Männer die Feuerwehr bei den Löscharbeiten behinderten, musste der Fahrzeugverkehr wieder umgeleitet werden.
Beamte des Mobilen Einsatzkommandos sowie der 22. Einsatzhundertschaft, die von der Festmeile am Brandenburger Tor abgezogen wurde, nahmen 12 Männer vorübergehend fest und leiteten Verfahren unter anderem wegen Landfriedensbruchs, Missbrauchs von Nothilfemitteln und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte ein. Die Polizei vermutet, dass Randalierer aus dieser Gruppe am U-Bahnhof Bülowstrasse auch den Fahrstuhl gesprengt haben. Eine selbstgebastelte Kugelbombe, die die Gruppe auf der Potsdamer Straße hinterließ, wurde durch Polizisten sichergestellt.
Gegen 0.30 Uhr bewarfen dann Unbekannte am Kreuzberger Bethaniendamm einen Einsatzwagen der Polizei so massiv mit Pflastersteinen, dass die Fenster des Fahrzeuges zum Teil durchschlagen und ein Polizist leicht verletzt wurde. In der Oranien- Ecke Mariannenstraße in Kreuzberg bewarfen Unbekannte gegen 0.40 Uhr einen vorbeifahrenden Einsatzwagen der Polizei mit Steinen und flüchteten anschließend. Die Beamten, die mit Blaulicht unterwegs waren, wurden nicht verletzt.
In der Kastanienallee, Ecke Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg hörten Polizisten eine laute Detonation an ihrem Auto und sahen, dass die hintere Scheibe zerbarst und Glassplitter durch das Auto flogen. Der Wagen geriet wegen des Angriffs kurz in den Gegenverkehr. Der Polizist am Steuer konnte einen Verkehrsunfall verhindern.
Feuerwehrauto mit Flaschen beworfen
Nach Informationen der Berliner Zeitung wurde nach Mitternacht in Neukölln ein Löschfahrzeug der Feuerwehr aus einer Gruppe Jugendlicher mit Flaschen und Böllern beworfen. Das Fahrzeug einer Friedrichshainer Feuerwache war wegen eines Balkonbrandes im Bereich Pannierstraße alarmiert worden. Als das Fahrzeug die Sonnenallee passierte, wurde der Einsatzleitfahrzeug mit Flaschen und Böllern beworfen. Dabei soll auch ein Feuerwehrmann verletzt worden sein, was die Polizei zunächst nicht bestätigen konnte.
Partygäste versuchten Zaun zur Festmeile zu überklettern
Die Silvesterparty am Brandenburger Tor, wo rund 1200 Polizisten im Einsatz waren, verlief nach Angaben der Polizei weitgehend störungsfrei. Wegen des großen Besucherandrangs schloss der Veranstalter gegen 18.20 Uhr die erste Kontrollstelle nördlich des Pariser Platzes. Ab 21 Uhr mussten weitere Kontrollstellen geschlossen werden, so dass ab 21.45 Uhr wegen der Auslastung kein Zugang mehr möglich war. In der Folge versuchten Gäste an verschiedenen Stellen den Absperrzaun zu der Festmeile zu überklettern, was Ordner und Polizisten verhindern konnten.
Weil sich Personen im Tiergartentunnel aufhielten, musste die Polizei gegen 22.15 Uhr den Tunnel komplett sperren. Erst gegen 1.30 Uhr konnte der Tunnel geöffnet werden. Die Polizei nahm nach letzter Zählung vom Neujahrsvormittag zwei Partygäste unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte vorübergehend fest.
Bislang ungeklärt ist der Hintergrund einer Auseinandersetzung mehrerer Personen in der Lennéstraße in Tiergarten. Sie waren gegen 22.40 Uhr in Streit geraten, wobei drei Männer im Alter von 17, 18 und 19 Jahren durch Messerstiche schwer verletzt wurden. Polizisten nahmen einen Tatverdächtigen im Alter von 20 Jahren fest.
Den Trubel um Silvester und den Umstand, dass die Polizei viel zu tun hatte, machten sich derweil Einbrecher zunutze. Kurz vor Mitternacht schlugen Unbekannte in der Weddinger Badstraße die Glastür einer Bankfiliale ein und gelangten so in die Räume. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei konnten die Täter jedoch kein Geld erbeuten. Kurz nach Mitternacht verschafften sich dann Unbekannte Zutritt zu einer Bank in der Schulzendorfer Straße, indem sie die Tür aufhebelten. In den Räumen der Bank brachen sie weitere Türen auf. Anschließend flüchteten sie mit einem Auto. Ob die Einbrecher etwas erbeutet haben, ist noch unklar.
Trotz allem zieht die Polizei zur Silvesternacht eine "überwiegend positive Bilanz".
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