Die Polizei ist da - Verkehrsteilnehmer verhalten sich plötzlich vorbildlich
Zehn Frauen und Männer hatten sich im Kiez postiert, die einen auffälig, die anderen nicht ganz so. Es war ein so ungewöhnliches Bild in unserer Gegend, dass schnell die Aufmerksamkeit der Anwohner geweckt war. Einige wünschten den Verkehrsrowdys nichts Gutes und verbargen ihre Schadenfreude nicht.
Die Nachricht verbreitete sich sehr schnell in Kiez. Denn plötzlich fuhren Radfahrer vorbildlich auf der Straße und nicht mehr auf dem Gehweg. Roller waren gleich gar nicht zu sehen. Geparkt wurde nun auch nach Vorschrift. Autofahrer hielten sich vorschriftsmäßig an Tempo 30.
Kostenlos per E-Mail
Mit den Newslettern der Berliner Zeitung verpassen Sie nichts mehr. Ob Event-Tipps aus unserem Freizeit-Newsletter oder aktuelle News aus den Ressorts, wir halten Sie per E-Mail auf dem Laufenden.
KOSTENLOS ANMELDEN
Die Frauen und Männer in ihren blauen Uniformen sahen äußerlich nicht so aus, als ließen sie sich von jedermann anpöbeln. Die Schuhe waren geputzt, die Hemden gebügelt und die Hosen saßen ohne Falten. Ihr Auftreten war korrekt, nicht schnippisch und vorlaut und auch nicht so herrschsüchtig wie manch anderer Uniformträger. Mehrere Mieter aus der Straße blieben stehen und wünschten sich mehr Polizeikontrollen. Irgendwie war es ungewohnt.
Ist die Polizei weg, geht der Egoismus im Verkehr weiter
Alles war friedlich und entspannt. Die Welt in Ordnung – wenn auch nur für kurze Zeit. Der Besuch der Blaumänner- und frauen dauerte zwei Stunden. Kaum waren sie weg, tauchten wieder die Leute mit weißen Hemden oder Blusen sowie dunklen Hosen auf. Gemeint sind die Zettelverteiler vom Ordnungsamt. Die wenden bei uns den Gehwegen generell den Rücken zu, weil sie bürgernahes Verhalten offenbar ablehnen. Zugegeben: Es ist auch nicht immer einfach für die Kontrolleure, Sünder zur Kasse zu bitten. Da hat es ein Polizist sicherlich leichter.
Also die Kontrolleure waren wieder da. Eines ihrer ersten Opfer war ein Taxifahrer. Der wartete auf eine Frau, die am Stock geht. In dieser Situation dauert das Einsteigen in eine Limousine eben etwas länger, als bei gesunden Menschen. Das ist nicht unbekannt. Dennoch kam die Kontrolleurin auf den Fahrer zu und herrschte ihn an mit den Worten: „Mach hinne!“ Der Fahrer reagierte nicht. Ihm war die Kundin wichtiger. Mittlerweile warteten hinter dem Taxi drei Autos, die von zwei Frauen und einem Mann gesteuert wurden. Die Frauen hatten es offenbar eilig oder sie waren im Stress oder unglücklich verliebt oder oder. Irgendetwas brachte sie dazu, das Taxi anzuhupen – und das mehrfach.
Manchmal wünscht man sich die Polizei zurück
Verkehrsexperten der Polizei sagen, es seien fehlende Toleranz und Egoismus, die Kraftfahrer dazu bringen, ihren Willen auf der Straße in dieser Art und Weise durchzusetzen.
Die Kontrolleure vom Ordnungsamt waren längst weitergezogen. Ihnen war wohl die Luft zu dick.
Mir ist da die Polizei wirklich lieber. Und vielleicht bleiben sie das nächste Mal etwas länger.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de