Butterkaramell-Tahiti-Vanille, Weiße Schokolade-Salzbrezel oder Thai Curry-geröstete Erdnuss, was darf es heute sein? André Göbel steht hinter der Theke seines kleinen Ladens. Hinter ihm stapeln sich Kisten, es herrscht kreatives Chaos. Göbel verkauft Popcorn – und nur Popcorn. Richtig, die gepoppten Maiskörner, die man aus dem Kino kennt und bei denen man sich in Deutschland üblicherweise nur zwischen süß und salzig entscheiden kann.
Nicht so im „Knalle“ in Friedrichshain: Hier hat der Käufer die Auswahl zwischen sieben verschiedenen Sorten, manche nur süß, wie Belgische Schokolade-geröstete Mandel oder das Saison-Special Crumble-Walnuss-Orange, andere spielen mit verschiedenen Geschmäckern: Barbecue-Rauchmandel ist so eine Kombination, oder Malabar Pfeffer-Meersalz. Etwas süß schmecken sie alle, sie werden nämlich ausnahmslos karamellisiert, damit sie auch kalt schön knusprig sind.
Malabar Pfeffer-Meersalz ist die anspruchsvollste Sorte, sagt Göbel. Erst schmeckt man das Karamell, einige Sekunden später dringt dann das Salz durch, zuletzt schmeckt man den Pfeffer. „Die Menschen hören gar nicht auf zu kauen.“ Das Popcorn mit Barbecue-Rauchmandel-Geschmack schmeckt wie gebrannte Mandel, die mit Barbecue-Soße überzogen wurde – fluffig und knackig zugleich.
Im Ofen gebacken
Im Laden in der Mühsamstraße wird der Snack nicht nur verkauft, sondern auch hergestellt. Die Luft ist Karamell-schwanger, es dampft aus der Küche, wo eine junge Frau das Popcorn aussiebt. Lucie Krautien läuft zwischen Küche und Verkaufsfläche hin und her, sie ist als Patissière für die Zubereitung der aufgepoppten Maiskörner verantwortlich.
Ihr Mann Göbel erklärt den Herstellungsprozess des Popcorns, in dem auch der Unterschied zum klassischen Kino-Popcorn liegt: Während das Massenprodukt von vorne bis hinten in der Maschine gemacht wird, setzen die Macher von Knalle im Gegensatz zu anderen Herstellern auf den Backofen. Doch zunächst wird auch hier das Popcorn in einer überdimensionalen Popcorn-Maschine gepoppt und anschließend ausgesiebt. Krautien und ihre Küchenhilfen verarbeiten nur die richtig großen Popkörner. Dann wird das Karamell gekocht und mit dem Popcorn vermengt, schließlich backen die aufgepoppten Maiskörner im Ofen, wie lange, ist Göbels und Krautiens Geheimnis.
Die Zutaten, welche die verschiedenen Sorten von Knalle ausmachen, werden entweder ins Karamell gemischt, wie die Belgische Schokolade zum Beispiel, oder beim Backen hinzugefügt, wie die Erdnüsse. Krautien und ihr Team verwenden speziellen Mushroom-Mais aus Südfrankreich, zertifiziert gentechnik-frei. Die Schokolade kommt aus Belgien, die Tahiti-Vanille schmeckt blumiger und weniger penetrant als die klassische Bourbon-Vanille. Die Salzbrezeln werden mit Eiweiß, Zimt und Zucker ummantelt und dann zusätzlich im Ofen gebacken, heraus kommt eine intensive süß-salzig-knusprige Geschmackserfahrung.
Die Idee für ihr Popcorn-Start-up kam von einem Stammkunden des „Zuckerstücks“, das Café, das Krautien und Göbel seit 2012 in Prenzlauer Berg betreiben. Christopher Peters, heute Geschäftsführer von Knalle, war begeistert von den Backwaren, die Krautien dort fertigt, und schrieb den beiden eine SMS – er habe „eine süße kleine Idee“.
Aus der süßen „kleinen Idee“ wurde Knalle. Mittlerweile gibt es neben den vier Gründern – Grafikdesigner Johannes Laue ist auch dabei – vier weitere Mitarbeiter und einen kleinen Pool an Mini-Jobbern. Peters war damals beruflich viel in den USA unterwegs, wo es das Popcorn als Snack schon länger gibt. Dass man das noch besser machen könnte, davon war er überzeugt. Und ein Testlauf auf dem Naschmarkt in der Markthalle neun ergab: Das handgemachte Popcorn ist ein Publikumsliebling. Es folgte die Gründung von Knalle im März 2016, seit September gibt es den kleinen Laden in Friedrichshain.
Und der ist gut besucht: Eine ältere Dame ersteht am Nachmittag zwei große Tüten Butterkaramell-Tahiti-Vanille, der Verkaufsschlager, wie Göbel verrät. Ein junges Paar mit Baby nimmt Crumble-Walnuss-Orange mit nach Hause. Eine Oma kommt mit ihren zwei Enkeln, sie können sich nicht entscheiden und kaufen gleich von jeder Sorte eine Tüte. Vorne auf der Ladentheke stehen große Vorratsgläser, aus denen die Kunden alle Sorten probieren dürfen. Das führt manchmal dazu, dass aus der Entscheidungsnot heraus einfach mehr Tüten als geplant mitgenommen werden. Die gibt es in der 50-Gramm – und der 100-Gramm-Variante und kosten 2,50 beziehungsweise 4,50 Euro. André Göbel schwört übrigens auf Barbecue-Rauchmandel. Lucie Krautien mag lieber Butterkaramell-Tahiti-Vanille.
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