Musical

Promi-Auflauf bei der Premiere von "Der Glöckner von Notre Dame"

Unter anderem waren Marion Kracht und Peter Weck bei der Musical-Vorstellung.

Andreas Kurtz
5 Min

PETER WECK mutet sich mit seinen 86 Jahren (von denen allerdings 20 spurlos an ihm vorübergegangen sind) nicht mehr für jeden Quatsch eine Reise zu. Es war also als Kompliment für die Gastgeber zu verstehen, dass der Schauspieler und Regisseur zur Premiere des Musicals „Der Glöckner von Notre Dame“ am Sonntagabend im Theater des Westens aus Wien angeflogen kam. Dort sah er eine Neuinszenierung der Geschichte um den Glöckner Quasimodo und seine Angebetete Esmeralda. Mit Felix Martin in einer der Hauptrollen. Den kennt er schon: In der Fernsehserie „Ich heirate eine Familie“ spielte Martin den ersten Freund seiner Serientochter. „Und später besuchte er meine Musical-Schule.“

Peter Weck kam für die Premiere extra aus Wien eingeflogen.

Peter Weck kam für die Premiere extra aus Wien eingeflogen.

© Christian Schulz

MARION KRACHT freute sich auf die Vorstellung, die für sie eine echte Premiere war. „Dieses Musical kenne ich noch nicht.“ Ihr Mann, der Architekt Berthold Manns, musste nicht groß gezwungen werden, sie zu begleiten. Er muss sich zu Musicalpremierenbesuchen nicht wegen der Musicals überwinden, sondern wegen des Premierentrubels. Katharine Mehrling hatte den „Glöckner von Notre Dame“ schon 1999 im Theater am Potsdamer Platz gesehen. Ihr blieb vor allem ein gigantisches Bühnenbild in Erinnerung: „Heute stehen ja eher die Darsteller im Fokus. Das finde ich gut. Ich brauche kein Hightech-Bühnenbild.“

Marion Kracht ließ sich von dem Musical überraschen.

Marion Kracht ließ sich von dem Musical überraschen.

© Christian Schulz

JANNIK SCHÜMANN fühlt sich in einem Musicaltheater automatisch zu Hause: „Ich stand mit neun Jahren zum ersten Mal auf einer Bühne, habe später in ,Ich war noch niemals in New York’ gespielt.“ Katja Flint schaut sich gern mal ein Musical an, spürt aber in solchen Momenten keinen Drang auf die Bühne: „Ich habe mich vom Theater verabschiedet, weil ich mich beim Film eher zu Hause fühle. Außerdem habe ich eine Hochachtung für die Leistungen, die die Darsteller eines Musicals bringen müssen. Ich würde das nicht schaffen.“

Schauspielerin Anna Fischer (bekannt aus dem Film „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“) würde gern mal ein Musical schreiben: „Ich bin voller Ideen!“ Schauspieler Georg Preuße kam extra aus seinem Haus in der Nähe vom Zürichsee zur Premiere nach Berlin: „Es ist schön, mal wieder Kollegen auf der Bühne schwitzen zu sehen.“ Diesmal schwitzten besonders die Bühnentechniker: Schon nach einer Minute musste die Vorstellung unterbrochen werden (laut Durchsage wegen „technischer Probleme“). Nach zehn Minuten ging es weiter.

JASMIN TABATABAI scheint ein verwegenes Wesen zu sein. Schließlich hat sie sich einen Job aufgeladen, vor dem viele ihrer Kollegen kreischend davongelaufen wären. Die Schauspielerin wird bei der Verleihung der Deutschen Filmpreise 2017 am 28. April nicht einfach bloß im Publikum sitzen und die auf der Bühne machen lassen, um sie anschließend bei Häppchen und Schampus zu kritisieren. Jasmin Tabatabai stellt sich der Kritik und moderiert den Abend.

Am Rande des traditionellen Nominiertenabends der Deutschen Filmakademie am Sonnabend bei BMW am Kudamm erzählte sie, dass sie schon mitten in den Vorbereitungen stecke. Sie bereut ihre Courage nicht: „Das ist kein Terrain, auf dem ich zu Hause bin.“ Sie wolle auch gar nicht versuchen, eine perfekte Moderatorin zu sein, denn eine Moderatorin sei sie ja gar nicht: „Das ist eine große Ehre. Und ich nehme mir fest vor, den Abend zu genießen.“ Als sie später das Mikrofon in die Hand bekam, wandte sie sich an die versammelten Nominierten: „Leute, es ist mir eine Ehre. Und was immer in drei Wochen passiert: Ich liebe euch alle!“

Jasmin Tabatabai moderiert den Deutschen Filmpreis.

Jasmin Tabatabai moderiert den Deutschen Filmpreis.

© Christian Schulz

SIMON VERHOEVEN freut sich über den Zuspruch für seinen Film „Willkommen bei den Hartmanns“, der auch in der Königsdisziplin „Programmfüllender Spielfilm“ eine Nominierung erhielt. Verhoeven ist skeptisch. „Wir sind geehrt von der Nominierung, aber ich glaube nicht, dass unser Film gewinnt. Beim Filmpreis stehen ja doch eher die Arthouse-Filme im Mittelpunkt und nicht solche, die so viel Geld gemacht haben und so gut beim Publikum ankamen.“ Er werde jedenfalls keine extra Dankesrede vorbereiten. Was den Filmpreisabend für ihn trotzdem so angenehm macht:

„Da wir die Lola in der Kategorie Besucherstärkster Film sicher haben, gehe ich da ganz entspannt hin.“ Wenn es nach Verhoeven ginge, wäre auch schon klar, welcher Mitnominierte bei den programmfüllenden Spielfilmen gewinnt: „Toni Erdmann“ von Maren Ade. „Ich bin ihr großer Fan seit ihrem ersten Film ,Wald vor lauter Bäumen’.“ Simon Verhoeven hat selbst schon die Erfahrung gemacht: „Man kann auch einen sehr guten Film machen, den niemand sieht. Ich weiß das seit meinem Film ,100 pro’, den vielleicht 9 000 Leute gesehen haben. Er ist trotzdem mein Lieblingsfilm von mir.“ (Wer herausfinden will, warum, der kann den Film gerade legal und gratis in voller Länge auf Youtube anschauen.)

FRITZI HABERLANDT ist für ihr Spiel im Film „Nebel im August“ in der Kategorie Beste weibliche Hauptrolle nominiert. Knapp drei Wochen vor der Preisverleihung erzählte sie beim Nominiertenabend: „Jetzt ist die schönste Zeit. Alle dürfen sich geehrt fühlen. Der Preis wäre natürlich das i-Tüpfelchen.“ Sie ist sich durchaus bewusst, dass im Moment der Verkündung der Gewinnerin in ihrer Kategorie auf jede Nominierte eine Kamera gerichtet ist: „Voriges Mal habe ich mich gefreut, obwohl ich gar nicht gewonnen hatte. Das mache ich wieder so.“

Für Fritzi Haberlandt wäre der Filmpreis „das i-Tüpfelchen“.

Für Fritzi Haberlandt wäre der Filmpreis „das i-Tüpfelchen“.

© Christian Schulz

MARKUS GOLLER wandte sich in seiner Funktion als Künstlerischer Leiter der Filmpreisverleihung 2017 an die anwesenden Nominierten: „Solltet ihr gewinnen, bereitet vor, was ihr sagen wollt. Freut euch, lasst die Sau raus!“ Vielleicht hätte er noch dazu sagen sollen: Schaut während der Filmpreisgala keine Fußballübertragungen. Er hätte mit dieser Aufforderung allerdings unglaubwürdig gewirkt, denn den Nominiertenabend verbrachte Goller mit der Übertragung des FC-Bayern-Spiels auf seinem Taschentelefon.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Textes haben wir die Premiere am Potsdamer Platz verortet. Das ist falsch - sie fand im Theater des Westens statt. 

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