Chiles Präsident José Antonio Kast ist am Montag in die nördliche Grenzstadt Arica gereist, um den Start des sogenannten „Plan Escudo Fronterizo“ persönlich zu überwachen. Das Programm soll irreguläre Grenzübertritte aus Peru und Bolivien eindämmen, wie die chilenische Regierung auf ihrer offiziellen Website mitteilte.
Der Plan sieht eine Kombination aus physischen Barrieren, verstärkter Militärpräsenz und technologischer Überwachung mit Drohnen und weiterer militärischer Technik vor. Kast räumte vor Ort ein, dass der umstrittene Grenzgraben – die sogenannte „Zanja“ – allein nicht ausreiche, um die irreguläre Einwanderung zu stoppen, wie Radio Universidad de Chile berichtete.
Chile brauche ein geordnetes Migrationssystem, das legale Einwanderung ermögliche und gleichzeitig unkontrollierte Grenzübertritte unterbinde, erklärte der Präsident laut der Regierungsmitteilung. Auch eine engere Zusammenarbeit mit den Nachbarländern und schärfere Kontrollen an offiziellen Übergängen gehören demnach zum Programm.
Frente Amplio spricht von Populismus
Politisch stößt der Plan auf geteilte Reaktionen. Berichten zufolge signalisierten Teile des Mitte-links-Bündnisses Socialismo Democrático Zustimmung, während das weiter links stehende Bündnis Frente Amplio das Vorhaben scharf kritisiert.
Wie Radio Universidad de Chile am 13. März berichtete, bezeichnete die Frente-Amplio-Fraktionschefin Lorena Fries die geplante Zanja als populistisch und bezweifelte ihre Wirksamkeit. Physische Barrieren wie Gräben würden Migrationsrouten lediglich verlagern, statt das Problem zu lösen, argumentierte sie. Nötig sei stattdessen eine Migrationspolitik, die auch die Ursachen der Wanderungsbewegungen in den Blick nehme.
Der Regierungsblock stellte sich geschlossen hinter Kast. Chile erlebt seit mehreren Jahren einen starken Anstieg irregulärer Migration, vor allem aus Venezuela, Haiti und Kolumbien. Die nördlichen Regionen um Arica und Tarapacá gelten als wichtigste Eintrittspunkte über Land. Kast hatte eine harte Migrationspolitik bereits im Wahlkampf zu einem seiner zentralen Themen gemacht.
Symbol für einen scharfen Rechtsruck in Chile
José Antonio Kast steht erst seit einer Woche an der Spitze der chilenischen Regierung. Der Sohn eines aus Deutschland eingewanderten Unternehmers war vor seiner Präsidentschaft lange als Rechtsanwalt und Politiker tätig. Mit seinem Wahlsieg Ende 2025 steht er für einen deutlichen politischen Kurswechsel nach dem Mitte-links-Lager seines Vorgängers Gabriel Boric.
Politisch verkörpert Kast einen ultrakonservativen, stark auf Ordnung, Sicherheit und Abschottung ausgerichteten Kurs. Im Zentrum seines Profils stehen eine harte Linie gegen irreguläre Migration und Kriminalität, ein betont nationalkonservatives Staatsverständnis. Kast gilt als Strömungen der internationalen Rechten um Donald Trump nahestehend. In Chile gilt er deshalb als Symbol eines markanten Rechtsrucks, Kritiker verbinden ihn zudem mit dem politischen Erbe der Pinochet-Zeit.
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