Das Quartett der Preis-Kandidatinnen war diesmal sehr stark. Die Jury hat am gestrigen Freitag extrem lange gesessen, es sich also nicht leicht gemacht.
Dann, draußen ist es schon Nacht, bricht die bis dahin knisternde Spannung in der Haupthalle des Museums Hamburger Bahnhof, wo sich Museums- und Film-Leute, die Berliner Kunstszene und viele Protagonisten der internationalen Karawane versammelt haben. Darunter Kulturstaatsministerin Monika Grütters und die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, Iris Berben. Gerade amüsierte man sich bei einem die Wartezeit bis zur Preisverkündung überbrückenden Programm mit Meret Becker.
Dann geht die Jury-Verkündung im Jubel der Fans, der polnischen Community in der Stadt und des Galerieteams von ZAK Branicka Berlin-Kreuzberg unter. Agnieszka Polska, geboren 1985 in Lublin, lange in Warschau Zuhause und Wahlberlinerin seit einigen Jahren, holt den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst 2017. Damit ist der Künstlerin, von deren so originellen wie tiefsinnigen Installationen und Video-Arbeiten schon seit Jahren mit wachsender Anerkennung gesprochen wird, der Weg in die internationale Liga bereitet, zu den Biennalen weltweit, in die großen Museen, zur nächsten Documenta, möglicherweise.
Zwei Preise und eine Ausstellung
Zum neunten Mal wurde vergangene Nacht im Hamburger Bahnhof der Preis der Nationalgalerie für junge Kunst vergeben. Die Gewinnerin ist Agnieszka Polska. Sie bestreitet am Ort 2018 eine große Einzelschau.
Zugleich wurde auch wieder der Förderpreis der Deutschen Filmakademie verliehen, Ihn erhielt Sandra Wollner ausLudwigsburg. Ermöglicher sind der Verein Freunde der Nationalgalerie und BMW.
Die Ausstellung aller Preis-Kandidatinnen und auch der Filmemacher im Hamburger Bahnhof, Invalidenstraße 50-51, ist noch bis zum 14. Januar 2018 zu sehen, Di, Mi, Fr 10-18/ Do 10- 20 Uhr, Sa u. So 11-18 Uhr.
Ihre zwei Videoräume, aber wohl auch die ganze Arbeit der letzten Jahre haben die Juroren überzeugt. In ihrer Animation erweist Polska sich als Mieterin beunruhigender Untertöne. Die Sonne redet mit dem Mond über die Erde. Und die ist im Begriff, sich selber zu zerstören: Waffen, Krieg, Ökologie-Verbrechen, Raubbau, Gier, soziale Kälte. Gleichgültigkeit.
In ihrem scharfsinnigen Werk, so die Jury, behandele Polska einige der dringendsten Fragen unserer Zeit. Sie baue eine poetische und affektbetonte Spannung zwischen den visuellen und akustischen Sprachen unseres digital geprägten Alltags auf. „Dabei bezieht sie sich auf moderne und zeitgenössische Weltentwürfe, wie naturwissenschaftliche Theorien, frühe Animationsfilme und utopische Tendenzen der Avantgarde.
Errang die begehrte Merite: Agnieszka Polska, Wahlberlinerin aus Lublin.
© offenblen.de
Ihre Arbeiten gleichen Untersuchungen zu unterschiedlichen Zeitlichkeiten in unserem Universum, die unsere Vorstellungen von Menschsein und Menschlichkeit in Frage stellen. Ihre Perspektive lässt sich mit einem Satz des Sonnen-Charakters aus ihrem Film beschreiben: „Mein Blick bewegt sich in konstanter Geschwindigkeit und alles wurde unumkehrbar in dem Moment, in dem ich es sah.“
Die Sonne und der Mond werden in Polskas Videos zu hilflosen Zeugen eines Paradoxons und der drohenden Katastrophe – die Menschen können sie noch abwenden.
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