PRESSESTIMMEN

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Albrecht Müller, Leiter der Planungsabteilung im Kanzleramt unter Willy Brandt und Helmut Schmidt, geht mit seiner Partei, der SPD, hart ins Gericht im"Tagespiegel"Immer wenn die Politik nachgibt, sorgt sie dafür, dass die Kosten der Exporteure sinken, während für die Inlandsproduzenten die Nachfrage weg bricht. Drei Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung stagniert. Weil die Leute immer weniger kaufen können und auch der Staat immer weniger Geld für Investitionen hat, geht es seit Jahren abwärts. Das fängt an bei den sinkenden Umsätzen in der Gastronomie und beim Einzelhandel und hört auf beim Verfall der Infrastruktur: Straßen, Schienen, Schulen. Der Chef von Bertelsmann, Reinhard Mohn, meinte einmal, es sei ein Segen, "dass uns das Geld ausgeht. Anders kriegen wir das notwendige Umdenken nicht in Gang." Die regierenden Politiker nehmen diese Spekulation auf die Krise hin, statt dagegenzuhalten. Nehmen Sie nur die für nächstes Jahr beschlossene Erhöhung der Mehrwertsteuer. Absurder geht's nicht! Das wird vermutlich den zarten Aufschwung wieder ersticken. Den Nutzen hat die Exportwirtschaft. Exportwaren sind schließlich Mehrwertsteuerfrei.Der holländische Medientheoretiker, Internetaktivist und Gründer des Institute of Network Cultures in Amsterdam, Geert Lovink, betrachtet Blogs als Arbeitskampfmittel in"Lettre International"Gehen Blogger Risiken ein? Natürlich unterscheidet sich die Blog-Kultur vom Kult des unternehmerischen Risikos. Ganz im Sinne von Ulrich Becks Risikodefinition jedoch, bewältigen Blogger Risiken und Unsicherheiten, die von immer neuen Modernisierungswellen verursacht werden. Was gebloggt wird, ist die unbarmherzige Unsicherheit des Alltags. Während Unternehmer, angetrieben von kollektiven Halluzinationen, die Zukunft kolonisieren, beleuchten Blogger das Heute. Bloggen ist eine Antwort auf die "Individualisierung sozialer Ungleichheit". Blogger schlagen zurück, nicht so sehr durch kollektive Aktion, sondern mit dem massiven hyperindividuellen Verlinken von Artikeln. Eben das ist das Netzwerk-Paradox: Konstruktion und Destruktion des Sozialen gehen zusammen. Ängstliche Verinnerlichung endet hier und wird in radikale Offenbarung übersetzt.Keine andere Website hat dieses Phänomen deutlicher vorweggenommen als www.fuckedcompany.com, eine Vorläuferin der Blog-Kultur, auf deren Seiten Angestellte von New-Economy-Unternehmen anonym Gerüchte, Beschwerden und, noch interessanter, interne Vermerke und Mitteilungen veröffentlichten. Blogger spalten demnach die Spalter. Sie setzen das dauernde Gerede über "Veränderung" außer Kraft. Es ist bemerkenswert einfach, ein postmodernes Unternehmen zu attackieren, weil seine Existenz ausschließlich von einem hohlen Image abhängt, das von externen Beratern entworfen wurde. Online-Tagebücher, Meckereien und böse Kommentare sabotieren so leicht die künstliche Harmonie, auf welche die Techniken der Herstellung und Steuerung von Konsumenten-Gemeinden abzielen.

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