Zum Mindestlohn schreibenFTDDie Postkonkurrenten - große wie kleine - wollen Arbeitsplätze streichen oder Investitionen in neue Stellen einfrieren. Zum Teil mögen dies Trotzreaktionen sein, doch in der Bilanz bleibt: Der Kompromiss kostet Jobs und schadet obendrein dem Wettbewerb. Die Entscheidung für einen Mindestlohn in der vorgesehenen Höhe ist ökonomisch falsch, weil dadurch einer Reihe kleinerer und deutlich schwächerer Postkonkurrenten der Zugang zum Markt verbaut wird. Die Post holt sich den Staat zu Hilfe, um sich gegen ihre aufstrebenden Konkurrenten abzuschotten, auch mit der Drohung, selbst Stellen zu streichen, sollte der Mindestlohn nicht kommen. Die Politik steht unter wachsendem Handlungsdruck, weil viele Menschen mit geringem Einkommen nicht vom wirtschaftlichen Wachstum und vom Aufschwung profitieren, weil bei vielen die Angst wächst, von ihrer Arbeit nicht mehr leben zu können. Die Antwort darauf kann allerdings nicht sein, ein Wirrwarr von Mindestlöhnen heranwachsen zu lassen und den Markt schrittweise abzuwürgen. Das kleinere Übel wäre ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn, der deutlich geringer sein müsste als jener für die Postbranche.Märkische AllgemeineDie Koalitionäre sollten noch einmal ernsthaft über einen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn nachdenken, der in anderen Ländern ja funktioniert. Niemand kann ernsthaft Stundenlöhne von zwei oder drei Euro verteidigen. Ein Mindestlohn müsste dabei so hoch angesetzt sein, dass er Menschen, die eine Vollzeitstelle haben, ein auskömmliches Einkommen sichert, aber so niedrig, dass nicht alle niedrig bezahlten Dienstleistungen von Ungelernten vom Markt gedrängt werden. Einer solchen Lösung steht kurzfristig die Parteitaktik von SPD und Union entgegen. Dabei hat inzwischen selbst das unternehmernahe Institut der deutschen Wirtschaft die Fronten gewechselt und plädiert nun für einen gesetzlichen Mindestlohn von etwa fünf Euro.Nach der Entscheidung über die Mindestlöhne hat Klaus Zumwinkel, Chef der Post AG, mit Hilfe von Aktienoptionen 2,2 Millionen Euro verdient. Das missbilligt dieSüddeutsche ZeitungBei Ackermann, der sich später dafür entschuldigt hat, galt damals, was heute für Zumwinkel gilt: Es ist nicht verboten, aber es ist verwerflich. Man tut so etwas nicht, jedenfalls dann nicht, wenn man ein Gefühl dafür hat, was man nicht tun darf. Das Fehlen dieses Gefühls hat auch zu der Debatte über Arroganz und Maßlosigkeit einer kleinen Gruppe von Spitzenmanagern geführt. Viele Großchefs können nur schwer zuhören, wohl auch weil sie gewohnt sind, dass alle in der Firma schweigen, wenn sie sprechen. Hätte Klaus Zumwinkel etwas mehr zugehört bei der Auseinandersetzung über Gerechtigkeit und Managerarroganz, dann hätte er den Millionendeal nicht jetzt gemacht. Er hat damit dem Ansehen seines Berufsstandes und letztlich auch seiner Firma geschadet.
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