PRESSESTIMMEN

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Zum Mauergedenkkonzept des Berliner Senats schreibt Jens Bisky in"Süddeutsche Zeitung"Die Vorschläge der Historiker und Arbeitsgruppen zielen naturgemäß auf Aufklärung und Reflexion anhand authentischer Objekte. Der unsinnige, unbegründete Vorwurf, hier werde verharmlost oder "DDR light" geboten, verbirgt ein anderes, berechtigtes Motiv: den Wunsch nach einem Denkmal in der Tradition des 19. Jahrhunderts, der ja noch das Holocaust-Mahnmal verpflichtet ist. Die East Side Gallery, der bemalte Mauerstreifen, wird an einigen Stellen durchbrochen, um freien Blick auf die Spree zu gewinnen. Demnächst muss auch wieder restauriert werden. Hier wird der Authentizitätswahn der Gegenwart wohl übertrieben. Ein momentaner Ausdruck der Befreiung - farbige Bilder auf grauem Beton - wird für die Ewigkeit konserviert. Das ist eher für Tourismusmanager als geschichtspolitisch sinnvoll. Wie aber der Erfolg des von Alexandra Hildebrandt initiierten Freiheitsmahnmals im vergangenen Jahr gezeigt hat, als Dutzende Holzkreuze am Checkpoint Charlie Schrecken und Trauer vergegenwärtigten, vermag kein noch so vernünftiges Konzept dezentraler Erinnerung das Bedürfnis nach dem einen, in der Sprache der Gegenwart gestalteten Gedenkort zu ersetzen.Der Professor für Medizinische Mikrobiologie in Halle Alexander S.Kekulé schreibt in"Der Tagesspiegel"Das deutsche Gesundheitssystem ist das drittteuerste der Welt, bei den Qualitätsrankings liegt es jedoch nur auf den Plätzen 20 bis 25. Mindestens ein Drittel aller Leistungen ist medizinisch überflüssig oder sogar schädlich. Eine wirksame Reform muss deshalb mit Strukturänderungen und Einsparungen beginnen, nicht mit zusätzlichen Ausgaben. Auch die häufig zitierte Formel, wonach Alterung der Bevölkerung und wissenschaftlicher Fortschritt zwangsläufig mehr Kosten produzieren, ist falsch. Die Zahl der medizinischen Fortschritte, die tatsächlich das Leben von Patienten verlängern oder Leiden mindern, ist vergleichsweise klein. Viele medizinische Weiterentwicklungen führen sogar zu Einsparungen, etwa Impfungen oder endoskopische OP-Techniken. Auch die steigende Lebenserwartung bedeutet nicht automatisch höhere Gesundheitskosten. Jeder Mensch verursacht in den Monaten vor seinem Tod die höchsten Kosten, unabhängig vom Sterbealter. Dabei ist die Zunahme der Lebenserwartung nicht etwa auf die Medizin, sondern in erster Linie auf gute Ernährung und Hygiene zurückzuführen: Ländervergleichende Studien zeigen, dass die medizinische Versorgung nur mit etwa zehn Prozent zur Gesundheit einer Bevölkerung beiträgt. Etwa die Hälfte aller Krankheiten können überdies durch gesunde Lebensführung und Prävention vermieden werden. Am Anfang einer wirksamen Reform steht also auch die Einsicht, dass mehr Medizin nicht mehr Gesundheit bedeutet. Der Nutzen der Hilfsmittel sollte wissenschaftlich nachgewiesen sein. Damit fällt rund ein Drittel aller Leistungen aus dem Katalog. Sinnlose Medizin weiter zu bezahlen ist nicht solidarisch, sondern dumm.

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