PRESSESTIMMEN

BLZ
2 Min

Zur Frankfurter Buchmesse, in deren Zentrum Russland steht, schreibt die"Frankfurter Rundschau"Tatsächlich weist das weit gefächerte Programm als entscheidende Lücke die Auseinandersetzung mit der sowjetischen Vergangenheit auf. Russland will sich im Licht der jungen Demokratie zeigen. Totalitarismus und Gulag werden nicht diskutiert, obwohl wichtige Neuerscheinungen in diesem insgesamt sehr reichen Bücherherbst dazu einladen. Dass eine demokratische Kultur sich gerade in der Auseinandersetzung mit den Verbrechen der eigenen Vergangenheit erproben kann, diese Erkenntnis und Erfahrung steht dem bisher größten Gastland der Frankfurter Buchmesse noch bevor.Zur deutschen Sozialreform-Debatte meint die österreichische Tageszeitung "Der Standard"Wenn Gerhard Schröder am Abend des 17. Oktobers nicht zurücktreten muss, dann kann er sich bei der CDU bedanken. Denn das Konzept der größten Oppositionspartei zur Reform der sozialen Sicherungssysteme in Deutschland kommt für ihn gerade rechtzeitig. Jene, die mit Schröders Kurs Probleme hätten, sollten sich genau anschauen, was der politische Gegner vorhabe, heißt es in der SPD. Ein Blick auf die CDU-Pläne dürfte den Kritikern die Zustimmung zu Schröders Reformagenda bei der Abstimmung im Bundestag in neun Tagen tatsächlich erleichtern und die Kanzlermehrheit - nur vier Stimmen mehr als die Opposition - sichern helfen.Die Lage in Nahost kommentiert die"Süddeutsche Zeitung"Der Krieg im Zweistromland führte - bislang jedenfalls - nicht zu Stabilität, sondern ins Chaos. Und statt in Richtung Versöhnung treibt ihr mörderischer Streit Israelis und Palästinenser weiter ins Verderben. Der Plan also ging gründlich schief, nur eines blieb richtig: Es hängt tatsächlich alles zusammen in dieser Region. Deshalb droht aus zwei lodernden Bränden in Bagdad und Jerusalem nun durch heftigen Funkenflug ein Flächenbrand zu werden.Den Moskau-Besuch des französischen Premierministers Jean-Pierre Raffarin kommentiert"Le Monde"Bei seinem Besuch in Moskau, der mit der Wahlfarce in Tschetschenien zusammenfiel, war Jean-Pierre Raffarin wenigstens ehrlich. Frankreich müsse die politischen Fortschritte auf die Geschäfte übertragen, sagte er. In der Tat lässt der russische Markt mit Wachstumsraten zwischen 5 und 7 Prozent französische Konjunkturexperten vor Neid erblassen. Dennoch sollte ausgesprochen werden, dass Frankreich andere Wertvorstellungen hat. Die Zusicherungen Putins über eine politische Lösung in Tschetschenien sollten nicht für bare Münze genommen werden. Verständnis ist fehl am Platz. Die Russen sehen darin keinen Ausdruck von Freundschaft, sondern einen Beweis von Schwäche.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema