Preußen-Schlacht in Großbeeren

Wo Napoleons Marsch auf Berlin endete

Zum 206. Mal wird in Großbeeren an eine siegreiche Schlacht erinnert.

Jens Blankennagel
5 Min
Der Bombardier und sein Major: Rolf Marquardt (l.) und Uwe Kober.

Der Bombardier und sein Major: Rolf Marquardt (l.) und Uwe Kober.

© Gerd Engelsmann

Bald ist es wieder soweit. Einmal im Jahr, am 23. August, treffen sich etwa 300 Menschen in Großbeeren und spielen Krieg als wäre es 1813. Und auch 2019 werden wieder Kanonen donnern, Rauch wird aufsteigen, Schlachtrufe und Kampfgeräusche erklingen. Jens Blankennagel erklärt, was und wer hinter dem Spektakel steckt.

Es ist ein sanfter Hügel, der sich da in der Landschaft hinter Großbeeren (Teltow-Fläming) erstreckt. Heute ist es ein abgeerntetes Feld. Aber es ist historischer Boden – ein Schlachtfeld von großer Bedeutung nicht nur für das kleine Großbeeren.

An dieser Stelle trafen 1813 die preußischen Truppen auf die Sachsen, die aufseiten der Franzosen kämpften. An dieser Stelle gewannen die Preußen eine Schlacht und konnten so verhindern, dass Napoleons Truppen Berlin erobern.

Große Dankbarkeit der Berliner

Der 23. August 1813, als 75.000 Kämpfer auf französischer Seite auf 100.000 Preußen trafen, ist ein wichtiges Datum für Berlin. „Damals waren die Berliner sehr dankbar“, erzählt Uwe Kober, der in der Uniform eines preußischen Majors auf dem Hügel steht. „Aus Dankbarkeit kamen die Berliner damals in Scharen raus nach Großbeeren und verpflegten die Soldaten und versorgten die Verletzten“, erzählt der 69-Jährige.

„So etwas war einmalig in der Geschichte. Es war die Geburtsstunde des Siegesfestes von Großbeeren.“

Das soll bald wieder gefeiert werden – ab Freitag der kommenden Woche. Dann werden Truppen preußischer, französischer und sächsischer Soldaten über das Schlachtfeld ziehen, Kanonen werden donnern, Rauch wird aufsteigen, Schlachtrufe und Kampfgeräusche erklingen.

Darsteller auch aus Frankreich, Polen und England

„Insgesamt 300 Leute in Kostümen werden dabei sein, davon etwa 250 Leute in historischen Uniformen“, erzählt Gerd Wiebe von der Agentur Plaided Events aus Kleinbeeren, die die Veranstaltung im Auftrag der Gemeinde Großbeeren organisiert. „Die Darsteller kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus Frankreich, Polen und England.“

Wiebe erzählt, dass die Schlacht damals Teil der Befreiungskriege gegen Napoleon war, dass es nach der Völkerschlacht bei Leipzig die wichtigste auf dem damaligen deutschen Boden war und dass die Schlacht die französische Herrschaft in der Mark beendete. „Wir wollen, dass die Siegesfeier wieder der historischen Bedeutung des Ereignisses entspricht.“

Elf Kanonen gebaut

Kober, der Mann in der Majors-Uniform, ist natürlich kein Major der Preußen – aber seine Uniform ist nach originalem Vorbild gefertigt. Er ist gelernter Schlosser und hat auch elf Kanonen nachgebaut, von denen fünf auch schießen können – eine davon steht sogar im Museum.

Er gehört zu einer Truppe von 40 Leuten, deren Verein den ungewöhnlichen Namen „6-pfündige Fußbatterie Nummer 16 der preußischen Artilleriebrigade 1813“ trägt.

Von Pfauen und Rebhühnern

Ihre Uniformen sehen – wie bei den Preußen üblich – eher schmucklos aus, bestehen aus grauem, grünem und blauem Wollstoff. Selbst der Offiziersrock ist vergleichsweise schlicht. Bei den Darstellern historischer Schlachten gibt es einen Spruch, der die Unterschiede bei den Uniformen verdeutlicht: Die Franzosen sehen aus wie Pfauen, die Preußen sehen aus wie Rebhühner.

Das muss bei einer Schlacht nicht unbedingt von Nachteil sein, weil sich die braunen Rebhühner besser in der Landschaft tarnen als die auffälligen Pfauen. Aber bei den Vorführungen heutzutage wirken die Preußen dann doch etwas unscheinbarer.

Keine Verherrlichung des Militärs

Major Kober versichert, dass die Darstellung der Schlacht keine Verherrlichung des Militärs sein soll oder gar des Tötens. „Unser Ziel ist die Vorführung von historischen Waffen, möglichst authentisch. Wir machen Geschichte zum Anfassen.“

Kober erzählt, dass er zu DDR-Zeiten selbst bei der Armee war, dass er Ausbilder dort war, dann aber aufhörte. „Ich wollte nicht mehr junge Männer für den Krieg ausbilden“, sagt Uwe Kober. Er habe selbst drei Kinder, alles Jungs. „Und keiner von ihnen ist beim Militär.“

Der Blick in die Augen

Der Mann aus Großbeeren beschäftigt sich seit der Kindheit mit dieser Schlacht. Auslöser sei ein Film gewesen, den er in der 7. Klasse sah. „Da springt ein Preuße über einen Graben, sieht hinter einem Busch einen Sachsen. Eigentlich will er ihn mit dem Bajonett töten, dann schauen sie sich in die Augen – und er sticht nicht zu. Ich dachte: Selbst im Krieg gab es also Menschlichkeit.“ Seither beschäftigt sich Kober mit der preußischen Geschichte von 1806 bis 1815 und kennt jedes Detail der Schlacht.

Zu einer Marke entwickeln

Doch es geht nicht nur um Pulverdampf. Die historische Siegesfeier ist vor allem auch ein Volksfest mit historischer Handwerkergasse und Rummel. „Wir wollen uns hier langfristig engagieren“, sagt Gerd Wiebe von der Eventagentur. Zuletzt kamen meist so um die 10.000 Gäste. „Wir kalkulieren mit 30.000 Gästen und wollen das Ganze in den nächsten Jahren zu einer Marke entwickeln, die bundesweit bekannt ist.“


Siegesfest Nr. 206

Das Fest beginnt am Freitag, 23. August 14 Uhr, mit einem Rummel und der Familienwelt. Der Handwerkermarkt beginnt mit dem Fest am Freitag um 10 Uhr.

Die Truppen machen am Sonnabend 12 Uhr Exerziervorführungen. Die Gefechtsdarstellung mit Waffen beginnt um 15 Uhr. Ab 17.30 gibt es Lagerleben im Biwak.

Der Eintritt zum Fest ist frei. Es endet am Sonntag 18 Uhr mit einem Friedensgebet.

Infos im Internet unter:
www.siegesfest.de


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