Wer ist in seiner Jugend gern gewandert? Es gibt wohl nur wenige, die diese Frage mit einem klaren Ja beantworten können. „Die meisten laufen mit den Eltern durch die Berge, sind aber nicht so begeistert“, sagt Frank Meyer. Er selbst war da keine Ausnahme. „Wir liefen im Urlaub die typischen Touren, beispielsweise durch die Alpen. Und als die Pubertät kam, hatte auch ich keine Lust mehr.“ Doch die Zeiten ändern sich, keiner weiß das besser als er: Der Berliner ist heute 50 Jahre alt, gehört zu den größten Wander-Profis der Region, hat Berlin und Brandenburg zu Fuß erkundet.
Schon zehn Jahre ist es her, dass er die Lust am Wandern neu entdeckte. Damals suchte er eine Sportart – als Ausgleich zum stressigen Alltag, aber ohne großen Aufwand. Zudem war er als Medienprogrammierer und Webentwickler beruflich sehr eingespannt, brauchte ein Projekt für die Freizeit. Also begann er, in Etappen den Berliner Mauerweg abzulaufen. „Die Strecke ist für Radfahrer gedacht, aber sie ist historisch sehr interessant. Und man wird von der Langzeitmotivation angetrieben, irgendwann alle Etappen zu vollenden.“ Mittlerweile sei das Wandern eine „ausgeprägte Passion“, sagt er. 150 Touren absolviert Meyer in Berlin und Brandenburg – jedes Jahr.
Das Smartphone ist wichtig bei der Wandertour.
© Volkmar Otto
Laufen gehörte schon immer zu seinem Leben. Über längere Zeit joggte er, aber mit der eigenen Leistung war er nie zufrieden. „Ich bin die Strecken zu schnell angegangen, war zu schnell ausgepowert, fand nie einen Kompromiss zwischen eigenem Anspruch und Leistungsfähigkeit.“ Beim Wandern sei das aber optimal gegeben: „Ich weiß genau, was ich leisten kann, wie viele Reserven ich habe.“ Abgesehen davon habe man bei einer Tour im Wander-Tempo bessere Gelegenheiten, die Natur auf sich wirken zu lassen. „Man kommt immer wieder mal an einem schönen See vorbei, an einem Bachlauf – und staunt, wenn man tolle Ecken entdeckt, die gar nicht so im Bewusstsein verankert sind.“
Für seine Touren hat Meyer ganz eigene Regeln – zum Beispiel, wenn es um die Ausrüstung geht. „Es ist wichtig, dass man viel zum Trinken mitnimmt, gerade in den verlassenen Regionen in Brandenburg gibt es oft keine Möglichkeit, einzukehren. Grundsätzlich esse ich beim Wandern aber nichts.“ Ebenfalls immer dabei: Mückenspray. „Auch wenn es nicht so schlimm erscheint, gibt es Phasen, an denen die Mücken plötzlich sehr aktiv werden.“
Der Profi-Wanderer Frank Meyer dokumentiert alle Touren auf seinem Blog
Seine Touren plant er mit der Touren-App „Komoot“, wandert deshalb immer mit dem Handy. An der modernen Technik, meint er, liege es auch, dass Wandern in den vergangenen Jahren zum Trend geworden ist: Auch junge Leute erkunden inzwischen gern wieder Wald und Heide. „Aber es gibt auch den ewigen Konflikt zwischen moderneren und älteren Wanderern – die, die noch das Handwerk der Navigation mit Karte und Kompass gelernt haben, mögen die moderne Technik nicht. Aber ich habe mich damit noch nie verlaufen.“ Ganz wichtig ein Akku zum Nachladen des Handys. „Mir ist es einmal passiert, dass der Strom leer war. Ich stand im Niemandsland, aber zum Glück auf einem markierten Wanderweg.“ Gerade in ländlichen Regionen könne so etwas gefährlich werden, denn Wegmarkierungen werden oft von ehrenamtlichen Helfern angebracht, verwittern im Laufe der Zeit.
Seine Wanderungen plant Meyer mit der Touren-App „Komoot“.
© Volkmar Otto
Für ihn sei der 66-Seen-Weg einer der schönsten Wanderwege, sagt er. Erdacht wurde die Strecke von Wander-Papst Manfred Reschke, Meyers Mentor. „Er ist West-Berliner, kam Ende der 70er-Jahre immer mit Tagesvisum in die DDR und ließ sich von den Grenzern Wander-Tipps geben. Jeden Tag erkundete er ein neues Stück der Wanderwege – über die Jahre baute er daraus einen Weg, rund 400 Kilometer lang.“
Jeder kann sich auf Meyers Spuren bewegen, denn der Profi-Wanderer dokumentiert alle Touren auf einem eigenen Blog. Er habe auch vor, bald eine offizielle Ausbildung zum Wanderführer zu absolvieren. Den großen Teil seiner Strecken erwandert er dennoch allein. „Es ist schön, mit anderen gemeinsam zu laufen, aber die Wanderungen sind für mich auch ein sehr wichtiger Ruhepol.“
Mehr Informationen und vor allem Routen unter wandern-berlin-brandenburg.de
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