Die Labour-Partei hat bei der Unterhaus-Wahl in Großbritannien die absolute Mehrheit erreicht. Am Freitagmorgen lag die Partei Teilergebnissen zufolge bei mehr als 340 Sitzen – für eine absolute Mehrheit sind mindestens 326 Sitze nötig. Damit gibt es in Großbritannien nach 14 Jahren einen Machtwechsel.
Die 14 Jahre währende Dominanz der konservativen Tories ist zu Ende. Sunak ist der erste amtierende britische Premierminister, der bei einer Parlamentswahl nicht wiedergewählt wurde. Labour-Chef Keir Starmer versprach dem Land eine „nationale Erneuerung“. Mit dem Wahlsieg seiner Partei wird er nun neuer britischer Premierminister. „Heute schlagen wir das nächste Kapitel auf - wir beginnen mit der Arbeit des Wandels, mit der Mission der nationalen Erneuerung und dem Wiederaufbau unseres Landes“, sagte Starmer bei seiner Siegesrede in London
Der bisherige britische Premierminister Rishi Sunak gesteht die Niederlage seiner konservativen Tories bei der Unterhaus-Wahl in Großbritannien ein. Die Labour-Partei habe die Wahl gewonnen, sagte Sunak am Freitag. Die Briten hätten ein klares Urteil gefällt und „ich übernehme die Verantwortung für die Niederlage“. Sunak selbst wurde in seinem Wahlkreis in Richmond im Norden Englands wiedergewählt.
Weniger Begeisterung für Labour als Verdruss über die Tories
Überraschend ist das Ergebnis nicht: Umfragen sagen seit Langem einen deutlichen Sieg der Sozialdemokraten voraus. Im Wahlkampf konnte Sunak, dessen Partei mit Pannen und einem Skandal um illegale Wetten zum Wahltermin zu kämpfen hatte, kaum aufholen.
Verantwortlich für den klaren Ausgang der Wahl ist nach Ansicht des renommierten Meinungsforschers John Curtice von der Universität Strathclyde in Glasgow jedoch nicht in erster Linie Begeisterung für Labour, sondern Verdruss über die bisherige Regierungspartei. Sunak war bereits der dritte Regierungschef seiner Partei in der vergangenen Legislaturperiode, die von wirtschaftlicher Stagnation und stark steigenden Lebenshaltungskosten geprägt war.
Der bisherige britische Premierminister Rishi Sunak dürfte sein Amt schon sehr bald verlassen.
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Schon am Freitag dürfte Starmer als neuer Premier in der Downing Street stehen
Labour-Chef Starmer hatte die Arbeiterpartei in den vergangenen Jahren wieder in die politische Mitte geführt, nachdem sie unter seinem Vorgänger Jeremy Corbyn weit nach links gerückt war. Zudem ging er entschieden gegen antisemitische Tendenzen in den eigenen Reihen vor.
Gleichzeitig blieb der bisherige Oppositionschef in vielen Bereichen eher vage, etwa zu den Plänen für eine mögliche Annäherung mit der Europäischen Union. Kommentatoren verglichen seine behutsame Art mit dem Tragen einer Porzellanvase aus der chinesischen Ming-Dynastie.
Der Regierungswechsel wird in Großbritannien rasch vollzogen. Sobald das amtliche Endergebnis feststeht, kommt es zur Machtübergabe. Schon im Laufe des Freitags dürfte Starmer von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt werden und anschließend bei einer Rede in der Downing Street seine Vision für Großbritannien darlegen.
Wahl in Großbritannien: Das sind die ersten Reaktionen aus Deutschland
Die SPD-Europapolitikerin Katarina Barley hat den Wahlerfolg der Labour-Partei in Großbritannien begrüßt. Der überwältigende Sieg der Sozialdemokraten gebe auch der EU Hoffnung, sagte Barley. „Ich freue mich über die große Chance, dass nach Jahren der Spannungen mit einem Labour-Premier in London nun ein freundlicher und konstruktiverer Ton angeschlagen wird.“ 14 Jahre konservativer Regierung mitsamt Brexit hätten die EU und das Vereinigte Königreich voneinander entfremdet.
Die SPD und die Labour-Partei pflegen enge Beziehungen. Barleys Vater ist Brite. Sie war in der jüngsten Legislaturperiode eine der Vizepräsidentinnen des Europaparlaments und bei der Europawahl die Spitzenkandidatin ihrer Partei.
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Auch die FDP erwartet als Folge der britischen Parlamentswahl eine merkliche Verbesserung der deutsch-britischen Beziehungen. „Nach den vergangenen Irrungen und Wirrungen des Vereinigten Königreichs bin ich überzeugt davon, dass mit Keir Starmer mehr politische Sachlichkeit einkehrt“, teilte der außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Ulrich Lechte, am Donnerstag in Berlin mit. „Der Sieg der Labour-Partei bietet die Chance, die europäische Sicherheitsarchitektur innerhalb der Nato neu zu stärken – schließlich ist UK ein wichtiger europäischer Truppensteller.“
Auch sei davon auszugehen, dass die erfolgreichen deutsch-britischen Verteidigungskooperationen unter Labour weiter ausgebaut würden. „Ich bin zuversichtlich, dass mit Starmer als ehemaligem Menschenrechtsanwalt der Fokus auf der Stärkung der regelbasierten Weltordnung liegen wird; hierbei kann er auf die Unterstützung Deutschlands zählen.“
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