Programme für Gesundheit

Jan Steeger
3 Min

Informationstechnik ist aus den meisten Lebensbereichen nicht mehr wegzudenken. Auch das Gesundheitswesen bildet hier keine Ausnahme. Doch gerade in diesem Bereich werden besonders hohe Anforderungen an die Zuverlässigkeit von Soft- und Hardware gestellt. Schließlich hängen Menschenleben vom Funktionieren der Computer ab. Das neue Graduiertenkolleg "Soamed", an dem neben der HU und Charité auch die TU und das Hasso-Plattner-Institut für Softwaretechnik der Uni Potsdam beteiligt sind, will am Beispiel des Gesundheitswesens und der Medizintechnik serviceorientierte Software-Methoden erforschen. Die Abkürzung "Soamed" steht für "Serviceorientierte Architekturen zur Integration softwaregestützter Prozesse am Beispiel des Gesundheitswesens und der Medizintechnik". Der HU-Informatiker Wolfgang Reisig ist Sprecher des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts.Herr Professor Reisig, weshalb ist die Medizin für Informatiker ein interessantes Forschungsfeld?Wir wollen uns im Graduiertenkolleg mit Qualitätssoftware befassen. Im Unterschied zu normaler Software muss diese absolut korrekt arbeiten. Wenn eine Telefonsoftware die Verbindung unterbricht, ist das ärgerlich. Wenn aber die Qualitätssoftware eines medizintechnischen Gerätes versagt, kann es sein, dass jemand stirbt. Das macht die technische Herausforderung für den Informatiker aus. Auf der anderen Seite haben wir es im Gesundheitswesen mit organisatorischen Herausforderungen zu tun. Der Kostendruck ist hoch und wir können es uns nicht leisten, dass Krankenschwestern -wie es noch an der Tagesordnung ist -Daten, die aus einem Gerät kommen, per Hand abtippen. Viele medizintechnische Apparate sind nicht vernetzt. Ferndiagnostische Methoden stecken in den Anfängen. Protokolle und Statistiken werden oft nicht automatisch erstellt. Hier gibt es viel zu tun für Informatiker.Was möchten Sie mit dem Graduiertenkolleg "Soamed" erreichen?Wie gesagt, die Medizin braucht Informatiker, da gibt es tolle Jobs. An dem Graduiertenkolleg sollen in den kommenden vier Jahren circa 30 Informatiker promovieren und vielleicht darüber hinaus im medizinischen Bereich arbeiten und forschen. Das ist das praktische Ziel. Wissenschaftlich geht es uns darum, die Entwicklung von Software, die flexibel für verschiedene Aufgaben angepasst sein muss, zu systematisieren. Softwareentwicklung ist kein industrieller Prozess, sondern eher wie Handstricken. Aber ebenso wie es die Autoindustrie geschafft hat, am Band zu fertigen und trotzdem individuelle Produkte anzubieten, wollen wir untersuchen, wie Schematismen in der Softwareentwicklung einzusetzen sind. Und dies am Beispiel der Medizin mit dem Ziel Software mit der Hilfe von Software zu vernetzen.In der Abkürzung "Soamed" ist von "serviceorientierten Architekturen" die Rede. Was bedeutet das?Früher hat man gesagt, eine Software rechnet. Heute spricht man korrekter davon, dass eine Software einen Service bereitstellt. Da moderne Software aus vielen Teilen, einzelnen Services, zusammengesetzt ist, bezeichnen wir sie als Architektur.Wie wird die Zusammenarbeit mit den Medizinern aussehen?Am Kolleg selbst werden nur Informatiker forschen. Diese lernen im ersten halben Jahr die Abteilungen und Arbeitsprozesse der Charité kennen. Zudem werden ihre Doktorarbeiten von Medizinern als Zweitgutachter bewertet. Neben den praxisnahen Arbeiten wird es vor allem um theoretische Forschung gehen -weniger darum, Programme für die Charité zu schreiben.Interview: Jan Steeger------------------------------Foto: Wolfgang Reisig (59) ist seit 1993 Professor am Institut für Informatik der HU und Leiter des Lehrstuhls "Theorie der Programmierung". Er steht als Sprecher dem neuen Graduiertenkolleg "Soamed" vor.

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