Eine Zeit lang hatte ProSieben nicht viel Glück mit neuen Formaten. Sendungen wie "Verrückt nach Clara" und "Lotta in Love" floppten, US-Serien wie "Taken" trafen ebenfalls nicht den Geschmack der Zuschauer. Doch nicht zuletzt dank Heidi Klums Model-Show steht der Sender heute wieder besser da. Der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen stieg im Vergleich zum Vorjahr um über einen Punkt auf 12,2 Prozent. Programmplaner Jürgen Hörner erklärt, warum Erfolg manchmal planbar ist.Herr Hörner, Angebote wie Youtube und MyVideo werden immer beliebter. Gerade junge Leute wollen selbst bestimmen, was sie wann, wo und mit wem anschauen. Haben Sie - trotz aktuellen Erfolgs - manchmal Angst um Ihren Job?Ich glaube zwar stark an das Web 2.0, aber nicht an das damit einhergehende Ende des Fernsehens und an den Zuschauer als alleinigen Programmdirektor. Es wird immer das Bedürfnis geben, abgeholt zu werden. Fernsehen erfüllt ein urmenschliches Bedürfnis, eine "Lagerfeuer-Funktion": sich zurücklehnen und es sich gemütlich machen.Die Formate wechseln allerdings schnell. Was heute läuft, geht morgen schon nicht mehr. Gibt es noch so etwas wie ein Erfolgsrezept?Natürlich, das hat ProSieben gerade in den letzten Monaten bewiesen: Das Erfolgsrezept heißt Verlässlichkeit und Markentreue mit Programmen wie "Germany's Next Topmodel" und "Popstars".Womit erklären Sie sich denn den Erfolg von "Gülcans Hochzeit", das derzeit einen Marktanteil von mehr als 26 Prozent bei den Unter-Dreißigjährigen erreicht?Gülcan ist für diese Zielgruppe wichtig, ein Teil ihrer Lebens- und TV-Welt. Deshalb interessieren sie sich natürlich stark dafür, wie "ihre" Gülcan den schönsten Tag ihres Lebens vorbereitet und schließlich zum Altar schreiten wird.Das Topmodel lief ebenfalls bestens. Wird ProSieben der neue Frauensender?Es gibt Sendungen, die sprechen eher Frauen an, andere Programme eher Männer. Ausschlaggebend ist am Ende das Gesamtangebot und da steht die Geschlechterverteilung bei den ProSieben-Zuschauern 50/50 mit einer leichten Tendenz zu den Männern. Wir haben nicht vor, an dieser Positionierung etwas zu ändern.Bei ProSieben gibt es seit kurzem die Abteilung "Strategische Programmplanung". Was verbirgt sich dahinter?Die neue Abteilung ist ganzheitlicher angelegt, sie bündelt die Bereiche Programmschema-, Serien- und Spielfilmplanung unter einem Dach. Damit wollen wir unter anderem unsere Markenzeichen wie den "Mystery Montag" oder das Blockbuster-Double-Feature am Sonntag optimieren und ausbauen.Woher wissen Sie, dass der Zuschauer einen formatierten Abend will?Ein Programm-Abend über mehrere Stunden wird vom Zuschauer eher wahrgenommen als einzelne Sendungen. Der Erinnerungswert ist viel höher, wenn Sie einen klar profilierten Sendetag haben.Machen formatierte Abende die Programmplanung nicht unflexibel?Eine Primetime zu bestücken, sieben Tage die Woche, mindestens drei Stunden lang, ist immer eine Herausforderung.Worin besteht die denn, wenn man heute ein Programm plant?Es gibt immer das Risiko eines Flops. Nehmen Sie "Germany's Next Topmodel". Da gab es vor der ersten Staffel sicher im Werbemarkt Zweifel, ob die Show einschlagen wird. In diesem Fall hat es glänzend funktioniert. Insgesamt ist die größte Herausforderung das richtige Programm auf dem richtigen Sendeplatz zu zeigen. Ganz wichtig ist, wie eine Sendung beworben wird - die Kampagne muss stimmen. Das letzte Wort spricht aber der Zuschauer.Wie sehr haben Sie bei der Planung die Konkurrenz im Blick?Konkurrenzbeobachtung gehört zu unserem Tagesgeschäft. In der Spielfilmplanung haben wir als Spielfilmsender Nummer eins etwas mehr Freiheit. Ganz anders bei Serien: Deren Programmplanung ist sehr viel langfristiger angelegt. Bei einer amerikanischen Serie mit 22 Folgen kann die Konkurrenz mittendrin reagieren und etwas dagegensetzen. Das Schwierige ist, dass es niemals die gleiche Konkurrenz-Situation zweimal gibt, dafür ist unsere Fernsehlandschaft zu vielfältig. Wir Programmplaner treten immer wieder neu an.Nach welchen Kriterien platzieren Sie eine neue Sendung?Wir verlassen uns da auf die klassische Zuschauerforschung, lassen vorab Serien oder Show-Formate an "Testguckern" ausprobieren. Wir haben im Haus zuständige Formatredakteure, die jeden Aspekt einer Sendung kennen und deren Urteil maßgeblich in die Entscheidung einfließt. Und natürlich gibt es Sendungen, deren Ruf ihnen schon voraus eilt. Etwa "Sex and the City", das einen internationalen Erfolg vorweisen konnte. Das hat die Entscheidung für die Primetime-Position erleichtert.Wie viel Zeit sollte man Ihnen geben, bis Sie sich beim Publikum etabliert haben?Wenn Sie einen Richtwert hören wollen, muss ich Sie leider enttäuschen. Jedes Format braucht unterschiedlich viel Zeit. Wenn Sie etwa ein tägliches Format an den Start schicken, müssen Sie mehr Geduld haben, damit es in den täglichen Sehgewohnheiten der Zuschauer Platz findet. Aber auch wöchentliche Serien sind Quoten-Schwankungen ausgesetzt: "Desperate Housewives" etwa pendelt zwischen 15 und 18 Prozent. Da kann eine Schnellschuss-Entscheidung manchmal schädlich sein.Wie würden Sie den deutschen Fernsehzuschauer beschreiben?Er ist offen, schaut sich viele Programme aus verschiedenen Ländern an. Von den Fernsehgewohnheiten her ist er also eher multikulti statt national eingestellt. Aber er ist auch im positiven Sinne ein Gewohnheitstier und mag klare Angebote. Letztlich bleibt der Zuschauer immer das unbekannte Wesen.Das Interview führte Annett Meiritz.------------------------------Foto (2) :Mit Formaten wie "Popstars" und "Gülcans Traumhochzeit" kommt ProSieben gerade bei jüngeren Zuschauern derzeit gut an.Jürgen Hörner leitet seit Januar 2006 die Programmplanung bei ProSieben.
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