Vor zwei Jahren floh der Kurde aus dem Irak nach Deutschland. „Weil ich für eine amerikanische Ölfirma arbeitete, drohte die Al-Qaida, mich umzubringen“, berichtet er. In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag übernachteten Khalil und die anderen Flüchtlinge erstmals in ihrem neuen Zelt-Camp auf dem Oranienplatz in Kreuzberg.
Nach vier Wochen und fast 600 Kilometern erreichte der "Refugee Protest March" am fünften Oktober Berlin.
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Die Gruppe von fast 70 Asylbewerbern protestiert mit ihrer Aktion gegen die strengen Asylauflagen wie die sogenannte Residenzpflicht.
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Einen Tag zuvor hatte der „Refugee Protest March“ von Potsdam erreicht. Über die Glienicker Brücke ging es am 5. Oktober 2012 weiter nach Berlin.
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Nach Angaben eines Sprechers der „Refugee Tent Action“ versammelten sich insgesamt rund 450 Demonstranten, Flüchtlinge und Unterstützer in der Potsdamer Innenstadt.
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Auch Berliner Vereine und Parteien haben ihre Solidarität mit den Flüchtlingen bekundet. Die Grüne Jugend Berlin rief zur Unterstützung bei der Ankunft des Protestmarsches auf.
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Am Sonnabend (6.10.2012) zog der Protestmarsch nach Kreuzberg.
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Auf dem Oranienplatz hatten Aktivisten ein Zeltlager für die Teilnehmer des Protestmarsches vorbereitet.
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Sie begrüßten die Marschteilnehmer mit einem Willkommen-Schild...
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...und einer warmen Mahlzeit.
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Für den 13. Oktober 2012 ist eine Demonstration vor dem Bundestag geplant.
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Drei Schlafquartiere, jeweils von der Größe eines Partyzelts, sind dort aufgeschlagen. Hinzu kommt ein Zelt für Essensvorräte sowie ein kleines Zirkuszelt, indem eine tägliche Planungsrunde abgehalten wird. Ein weiteres Zelt beherbergt eine Kleidersammlung und mutet fast an, wie ein Second-Hand-Laden. Mäntel und Jacken hängen an einer Stange in Reih- und Glied, in einer Ecke stehen Schuhe und Kleiderberge auf dem Boden sind mit Krepp-Klebestreifen als „Jacken“, „Decken“ oder „Hosen“ deklariert. „Das ist unsere Garderobe“, sagt Unterstützerin Zani. „Viele Menschen kommen vorbei und spenden Kleider, Lebensmittel oder Bargeld.“
Asyl bekommt, wer in seinem Heimatland politisch verfolgt wird.
43.362 Asylentscheidungen wurden im Jahr 2011 in Deutschland gefällt, nur 652 Bewerber erhielten Asyl.
Eine Duldung, also zwar kein Asyl, aber eine vorrübergehende Aussetzung der Abschiebung, erhielten 2 577 Menschen.
12,2 Monate dauerte ein Asylverfahren im Jahr 2011 durchschnittlich.
In Berlin leben aktuell rund 10.000 Flüchtlinge, etwa 4.000 von ihnen wohnen in Gemeinschaftsunterkünften.
Im Info-Zelt am Eingang des Camps hängt eine Liste aus, an welchen Dingen es besonders mangelt: Matratzen, Verlängerungskabel, Sojamilch, Taschenlampen, Autobatterien. Auch das Wort „Sanitär“ steht auf der Tafel, denn die Flüchtlinge haben bisher keine Möglichkeit zum Duschen. „Verschiedene Hausprojekte aus dem Bezirk haben sich gemeldet und uns angeboten, dort zu duschen. Noch steht aber nichts fest“, berichtet Zani. Das Ordnungsamt stellt den Campenden einen Toilettenwagen zur Verfügung. „Als die vorfuhren, dachten wir, sie wollen uns vertreiben. Dabei ist das Camp ja von der Stadt genehmigt“, sagt Zani.
Sie bereitet gerade das Mittagessen für die Gruppe vor, schnippelt Gemüse, gibt Nudeln in einen überdimensionalen Alutopf auf einem genauso großen Gaskocher, stellt Holztische zusammen und dekoriert sie mit Keksen und Blumen, die Anwohner vorbei gebracht haben.
Auf einer Bank sitzt Aziza und stillt ihre sechs Monate alte Tochter. Am Sonnabend ist sie mit zwei verwandten Familien aus einem Asylbewerberheim in Bramsche bei Osnabrück nach Berlin gekommen: sechs Erwachsene und zehn Kinder, die meisten jünger als sechs Jahre. Aziza hat gegen die Residenzpflicht verstoßen, genau wie die anderen Flüchtlinge, die sich aus Würzburg auf den Protest-Marsch begaben. Sie dürfen laut Gesetz nicht in Berlin sein. „Aber wir haben große Angst vor der Abschiebung und wollen ein Zeichen setzen, deswegen sind wir gekommen“, sagt Azizas Freund Adam.
Neben ihm trommeln seine Söhne auf einer Bongo, der kleinste stolpert einem Fußball hinterher. Die Gruppe stammt aus Darfur im Sudan, über Libyen und Italien flohen sie vor Krieg und Armut. Nun droht ihnen die Ausweisung zurück nach Italien. Laut EU-Verordnung müssen Flüchtlinge in dem Land Asyl beantragen, in dem sie erstmals europäischen Boden betreten haben. Vorerst will die Gruppe aber bis zur Großdemo am 13. Oktober vor dem Bundestag im Berliner Camp bleiben. „Nachts ist es kalt, aber wir schmiegen uns eng zusammen“, sagt Aziza. „Während der Flucht haben wir schon wesentlich Schlimmeres durchgestanden.“
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