Lange Zeit war die Kastanienallee eine ruhige Straße. Das hat sich längst geändert. „Schwerlastverkehr in Wohngebieten ist Ausnahmezustand“, klagen Anlieger. Dieser Ausnahmezustand bestünde bei ihnen täglich. „Schwerlastverkehr ab drei Uhr morgens bedeutet, dass die Menschen nicht schlafen können, weil die Schränke im Schlafzimmer vibrieren“, so der Verein. Es bedeute auch, dass „Kinder und ältere Menschen die Straßen in ihrem Wohngebiet aus Angst vor rasenden 40-Tonnern nicht mehr nutzen können.“ Weil der Lkw-Verkehr der Straße zusetzt, gilt bereits teilweise Tempo 10.
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Doch die Anwohner Ingo Baenisch, Thomas Zoller sowie die anderen Mitglieder des Vereins fordern nicht nur eine Einschränkung des Schwerlastverkehrs. Sie verlangen auch einen Neubeginn der Planung für den weiteren Ausbau der Kastanienallee. Was für das 1,2 Kilometer lange Teilstück zwischen der Friedrich-Engels-Straße und der Dietzgenstraße projektiert worden sei, stoße bei vielen auf Ablehnung. Rund 3600 Menschen haben die Petition für ein neues Verkehrskonzept im Norden von Pankow und gegen Schwerlastverkehr unterschrieben.
Sitzstreik legt Hauptstraße lahm: Im Senat kann man den Bürgerprotest verstehen
Auf dem Abschnitt, der an der Einmündung der Eschenallee endet, soll der Umbau im kommenden Jahr beginnen, teilte Nicole Holtz vom Bezirksamt Pankow mit. „Vorgesehen sind zwei Fahrstreifen, jeweils 3,25 Meter breit“, sagte sie. Anders als heute wird es auf beiden Straßenseiten Fahrspuren für Radfahrer geben: laut Senat je nach Querschnitt Schutzstreifen, die von Autos überfahren werden dürfen, oder Radfahrstreifen, die für Kraftfahrzeuge tabu sind. Breite: maximal zwei Meter.
Bei den Anwohnern stoßen vor allem zwei Bestandteile der Planung auf heftige Kritik. Zum einen sollen zwischen Eschenallee und Dietzgenstraße Parkplätze wegfallen – was unter anderem an den vorgesehenen Radfahrstreifen liegt, für die Platz geschaffen werden muss. Zum anderen ist geplant, zahlreiche Straßenbäume zu fällen – Kastanien, Linden, Robinien und Weiden. „Statt Bäume zu schützen, sollen Alleen in Wohngebieten abgeholzt werden“, heißt es in der Erklärung des Vereins. Zu Rot-Rot-Grün passe das einfach nicht.
Auch Kinder demonstrierten mit.
© Sabine Gudath
Im Senat kann man den Bürgerprotest verstehen. „Doch die Bäume sind geschädigt, und wir gehen davon aus, dass sie bei den geplanten Kanal- und Leitungsarbeiten weitere Schäden davontragen werden“, sagte Dorothee Winden, Sprecherin der Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne). 90 Bäume seien für das Fällen vorgesehen, es werde aber Ersatz geschaffen: „Es ist geplant, im Zuge der Neubaumaßnahme vor Ort 47 Kastanien neu zu pflanzen. Weitere Ersatzpflanzungen werden an anderen Orten stattfinden müssen.“ Zuständig ist der Bezirk Pankow.
Und was passiert mit den Parkplätzen? Zwischen Friedrich-Engels-Straße und Eschenallee soll die Zahl sogar steigen, weil auf beiden Seiten Schrägparkplätze markiert werden. Die Anwohner fragen sich aber, ob das reicht – denn auch in ihrem Wohngebiet wird gebaut, und die Zahl der Haushalte nimmt weiter zu.
Sitzstreik auf der Kastanienallee wegen Lautstärke: Nach Umbau sei keine Überschreitung der Lärmrichtwerte zu erwarten
„Der Straßenumbau führt zu mehr Verkehrssicherheit“, sagte Winden. Nicht nur die Radfahrstreifen tragen dazu bei: Mittelinseln sollen es Fußgängern erleichtern, über die Fahrbahn zu gehen. „Allein im Kreuzungsbereich der Kastanienallee mit der Schönhauser Straße ist der Bau von drei Mittelinseln vorgesehen, da hier Kinder die Straße auf ihrem Schulweg queren müssen.“
Der Umbau werde auch dazu führen, dass es leiser wird, wie ein Lärmgutachten zeige. Zum einen werde der Mittelstreifen entfernt und die Fahrbahn dorthin verlegt – in die Mitte, weg von den Gebäuden. Zum anderen werde „lärmoptimierter Asphalt“ verbaut, der einigen Krach schluckt.
Damit falle ein möglicher Grund weg, die Kastanienallee nach dem Ausbau zu einem Tempo-30-Bereich zu erklären. Es sei keine Überschreitung der Lärmrichtwerte zu erwarten. Die Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf Hauptverkehrsstraßen sei an „strenge Kriterien“ gebunden, so Winden. Doch die seien in diesem Fall nicht gegeben. Daher könne den Anwohnern kein Tempo 30 in Aussicht gestellt werden.
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