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Literaturbetrieb

Proteste gegen Auftritt von Alice Schwarzer beim Literarischen Herbst

33 Autorinnen und Autoren fordern in einem offenen Brief den Literarischen Herbst in Leipzig auf, eine Veranstaltung mit Alice Schwarzer aus dem Programm zu nehmen.

Ulrich Seidler Ulrich Seidler/dpa
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Die Publizistin Alice Schwarzer

Die Publizistin Alice Schwarzer

© Rolf Vennenbernd/dpa

In einem am Dienstag verschickten offenen Brief fordern 33 Autoren und Künstler eine Woche vor Beginn des Literarischen Herbsts in Leipzig die Veranstalter dazu auf, eine Lesung mit Alice Schwarzer aus dem Programm zu nehmen. Die 80-jährige Feministin und Emma-Gründerin falle laut dem Brief „immer wieder durch transfeindliche, rassistische und misogyne Aussagen und Publikationen“ auf. „Wir wünschen uns einen Literarischen Herbst ohne Hetze gegen marginalisierte Gruppen. Deshalb fordern wir den Literarischen Herbst auf, Alice Schwarzer keine Bühne für ihre problematischen Aussagen zu geben und die Veranstaltung aus dem Programm zu nehmen.“

Schon Anfang Oktober hatten die Magazine Edit, Hot Topic! und weitere Kooperationspartner aus Protest gegen die Teilnahme von Alice Schwarzer am Literarischen Herbst ihre Lesungen aus dem Programm genommen, woraufhin sich die städtischen Veranstalter zu einer Stellungnahme veranlasst sahen. Man sei sich bewusst, dass mit Schwarzer eine „umstrittene, durch provokante, manchmal auch für uns problematische Äußerungen, polarisierende Autorin“ ein Podium erhalte. Dennoch stünden die Errungenschaften der Publizistin außer Frage, die sich seit Jahrzehnten für Feminismus weltweit eingesetzt habe.

Die Unterzeichnenden fragen, was sich Kuratoren von der Veranstaltung anderes als „Lobhudelei“ erwarten, wenn der Verleger Helge Malchow die Autorin zu ihrem biografischen Werk „Mein Leben“ befragen wolle. Dass kein „produktiver Dialog entstehen“ werde, sei schon dem Veranstaltungstext zu entnehmen, ebenso wie den Geburtstagsglückwünschen von Malchow zu Schwarzers 80. Geburtstag. Diese hatte der Verleger, der seit über 30 Jahren mit der Autorin zusammenarbeitet, auf der Homepage des Verlags Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht.

Die protestierenden Autoren sind einer deutlich jüngeren Generation als Alice Schwarzer und Helge Malchow zuzurechnen. Zu ihnen gehören neben den beiden Initiatoren Tobias Siebert und Cécil Joyce Röski unter anderem Hengameh Yaghoobifarah, Rebekka Endler, Bettina Wilpert, Verena Güntner und Franziska Gänsler.

Schwarzer wies die Vorwürfe inzwischen zurück. „Diese Behauptungen sind diffamierend und geradezu absurd“, sagte die Frauenrechtlerin der dpa. „Ich habe mich nachweislich schon vor 40 Jahren mit als erste öffentliche Person für die Rechte von Transmenschen eingesetzt und gegen ihre damalige Diskriminierung Stellung bezogen.“

Noch nie habe sie Transsexuelle angegriffen. „Was ich allerdings kritisch sehe, ist die neue Transideologie, die das Recht auf den Personenstandswechsel ab dem 14. Lebensjahr und auf gefährliche Hormonbehandlungen und Operationen für alle fordert.“ Es müsse doch wohl möglich sein, diese Meinung zu vertreten, ohne gleich aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen zu werden. Alles andere sei „Cancel Culture in Reinform“.

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