Prozess der Woche

Die Fußballtrainer, die Kinder missbraucht haben sollen

Zwei Jugendtrainer des BFC Dynamo müssen sich vor Gericht verantworten.

Katrin Bischoff
4 Min
In dem aktuellen Fall sollen insgesamt fünf Kinder bei einem Fußballturnier missbraucht worden sein. 

In dem aktuellen Fall sollen insgesamt fünf Kinder bei einem Fußballturnier missbraucht worden sein. 

© imago/Pacific Press Agency

Es ist ein ungeheuerlicher Vorwurf: Zwei Jugendtrainer des Fußballvereins BFC Dynamo sollen ihre Schützlinge gedemütigt und sexuell missbraucht haben. Bei den Jungen soll es sich um zehn und elf Jahre alte Kinder handeln. Am Mittwoch müssen sich die Angeklagten Dardan K. und Simon G. vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden 26-jährigen Männern sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen, Beleidigung, gefährliche Körperverletzung und Nötigung vor.

Die Übergriffe auf die insgesamt fünf Kinder sollen sich bei einem Abschlussturnier in Rostock im Sommer vor zwei Jahren ereignet haben. Am 4. Juli 2015 holten sich die Trainer demnach die Jungen in ihr Hotelzimmer, um mit ihnen das Spiel „Wahrheit, Pflicht und Konsum“ zu spielen.

Dabei sollen Dardan K. und Simon G. den Kindern teils entwürdigende Aufgaben gestellt haben, die die Jungen erfüllen mussten. So sollten sie an den Fußzehen und Achselhöhlen ihrer Mitspieler sowie an den Badelatschen der Angeklagten lecken. Zwei Jungen wurden laut Anklage gezwungen, Wasser aus der Toilettenspülung zu trinken.

Machtposition ausgenutzt

Weitere Aufgaben, die die Kinder lösen mussten, sollen einen deutlich sexuellen Bezug gehabt haben. So mussten die Jungen offenbar mit heruntergelassener Hose über dem Gesicht anderer Kinder hocken, auch hätten sie den Penis eines Mitspielers in den Mund nehmen müssen. Die Trainer sollen dabei ihre Machtposition ausgenutzt haben, sodass die kleinen Fußballer aus Angst mitmachten.

Insgesamt hätten Dardan K. und Simon G. ein Klima der Einschüchterung geschaffen. Sie verteilten im Training den Kindern regelmäßig Nackenschläge und machten sie mit Beleidigungen und der Drohung, sie aus der Mannschaft zu werfen, gefügig. Die Anklage wirft Dardan K. zudem vor, bei einem Trainigslager in Güstrow im Oktober 2015 ein Kind beleidigt und es gezwungen zu haben, sich wie ein Hund unter einen Tisch zu hocken. Vier Monate später soll der Jungendtrainer ein Kind auch geschlagen haben.

Entlassung und Platzverbot

Der Fußballverein BFC Dynamo reagierte entsetzt auf die Vorwürfe und sicherte den Ermittlungsbehörden die volle Unterstützung zu. In einer öffentlichen Stellungnahme vom August 2017 ist die Rede, dass man bereits im Mai 2016 von den Vorwürfen Kenntnisse erlangt habe  - durch Eltern. Die beiden Trainer wurden daraufhin entlassen und aus dem Verein ausgeschlossen. „Gleichzeitig wurde zum Schutz der Kinder für das Sportforum Hohenschönhausen - hier trainieren und spielen die Kinder - ein Platzverbot ausgesprochen“, hieß es in der Stellungnahme.

Der Verein berief nach eigenen Angaben nach den Vorfällen einen Kinderschutzbeauftragen als Ansprechpartner für Spieler und Eltern. Neue Trainer würden sich verpflichten, ein „erweitertes und sauberes Führungszeugnis vorzulegen“. Außerdem seien vertrauliche Sprechstunden für Kinder und Eltern organisiert worden.

Für das Verfahren vor dem Amtsgericht ist bisher nur ein Verhandlungstag vorgesehen.

Der öffentliche Prozess beginnt am Mittwoch um 10.45 Uhr im Saal B 235 des Kriminalgerichts Moabit in der Turmstraße 91.

Betrug und Wahlfälschung, Rollerfahrer überfahren: Diese Prozesse sind auch wichtig

Mittwoch

Wegen massiven Betrugs mit Steuergeldern muss sich der ehemalige Brandenburger Landtagsabgeordnete Peer Jürgens (Linke) von Mittwoch an vor dem Landgericht Potsdam verantworten. Der 37-jährige Politiker war bereits im Februar wegen Betrugs mit Fahrtkosten- und Mietzuschüssen in Höhe von knapp 87.000 Euro vom Amtsgericht zu 14 Monaten Bewährungsstrafe verurteilt worden. Da die Staatsanwaltschaft eine höhere Strafe fordert und Jürgens einen weitgehenden Freispruch erreichen will, muss der Prozess wegen der Rechtsmittel beider Seiten komplett neu aufgerollt werden. Bis Anfang Januar sind dafür 13 Verhandlungstage angesetzt.
In dem Betrugsprozess geht es darum, dass Jürgens als Abgeordneter von 2004 bis 2015 dem Landtag falsche Wohnorte angegeben haben soll, um erhöhte Zuschüsse zu kassieren. In einem Fall hat Jürgens falsche Angaben eingeräumt und 7400 Euro an den Landtag zurückgezahlt.

Der Prozess beginnt um 9 Uhr im Saal 2115 des Landgerichts Potsdam in der Jägerallee 10.

Donnerstag

Vor dem Amtsgericht Tiergarten muss sich ein Lkw-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Der 49-Jährige soll am 25. Juli 2014 mit seinem Lkw einen Rollerfahrer auf der Lindauer Allee überfahren und getötet haben. Laut Anklage hatte er vor dem Spurwechsel nicht oder nicht hinreichend sorgfälig in den Seitenspiegel geblickt.

Der öffentliche Prozess beginnt um 9 Uhr im Saal 2115 des Amtsgerichts Tiergarten in der Kirchstraße 6.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema