Prozess gegen Silvio S. am 28.Juni 2016: Polizisten und Zeugen sagen aus

Die Ereignisse am Prozesstag 28. Juni 2016 in Potsdam im Newsticker.

BLZ
5 Min

Potsdam - Im Prozess gegen Silvio S., den mutmaßlichen Mörder der beiden Kinder Elias (6) und Mohamed (4), wurden am heutigen Dienstag drei Polizeibeamte gehört. Sie waren am 29. Oktober 2015 als erste am Wohnort des Angeklagten im brandenburgischen Kaltenborn. Die Mutter von Silvio S. hatte die Polizei alarmiert, nachdem sie ihren Sohn auf Fahndungsfotos der Polizei wiedererkannt hatte.

Der Inhaber einer Videothek, in der Silvio S. Hardcore-Videos ausgeliehen haben soll, ist am Dienstag nicht wie vorgesehen als Zeuge vor Gericht erschienen. Er wird zu einem späteren Zeitpunkt erneut geladen.

Der heutige Prozesstag im Newsticker:

13.40 Uhr: Der Prozess gegen Silvio S. wird am kommenden Montag fortgesetzt. Dann sollen fünf Polizeibeamte als Zeugen gehört werden.

+++

13.30 Uhr: Zum Ende des fünften Prozesstages haben die  Anwälte von Mohameds Mutter und Mohameds Schwester  Adhäsionsanträge gestellt. Demnach beantragt der Anwalt der Mutter, Khubaib Ali Mohammed, ein Schmerzensgeld von mindestens 50.000 Euro. Mohamed habe in den letzten Stunden seines Lebens erhebliche Ängste, Schmerzen und Todesangst durchlebt. Seine Mutter sei durch das Bangen um das Leben ihres vierjährigen Sohnes nachvollziehbar traumatisiert, argumentiert der Anwalt. Zudem habe sie nach der Beerdigung ihres Jungen zwei Fehlgeburten erlitten, sie leide noch heute unter Schlaflosigkeit und sei in einer Traumatherapie. Andreas Schulz, Anwalt von Mohameds Schwester Medina, beantragt ebenfalls Schmerzensgeld für das neunjährige Mädchen. Zudem soll Silvio S. für den Fall zahlen, falls Medina wegen des gewaltsamen Todes ihres Bruders zu einem späteren Zeitpunkt psychische Schäden aufweisen sollte.

+++

12.15 Uhr: Nach der Pause sagt Burckhardt P., Ermittler der Mordkommission, aus. Er erzählt vor Gericht, wie Beamte die Leiche des sechsjährigen Elias gefunden haben.

Bei seiner Vernehmung am 29. Oktober 2015 habe Silvio S. eine Skizze von seinem Garten angefertigt. "Den Liegeort des Leichnams hat er mit einem Kreuz versehen", sagt der 54-jährige Kriminalist. Am nächsten Morgen habe man den zugeschütteten Teich im Garten von Silvio S. freigelegt. Zunächst sei man dabei auf Teichfolie gestoßen, darunter war ein Gegenstand sichtbar. "Ein Paket. Wir konnten dann auch schon Verwesungsgeruch wahrnehmen", sagt der Ermittler. Auch Kleidungsstücke seien zum Vorschein gekommen.

Vier Tage lang suchte die Polizei in dem Garten von Silvio S. in der Kolonie Eckbusch in Luckenwalde mit einem Bagger nach weiteren Leichen, auch nach der seit Anfang Mai 2015 vermissten fünfjährigen Inga aus dem sachsen-anhaltinischen Schönebeck. "Es gab aber keine Hinweise auf weitere Leichen", sagt Kriminalist Burckhardt P. Eine Nachbarin habe jedoch erzählt, dass sie Silvio S. einmal mit einer großen Kiste gesehen habe. Zudem habe sie Gerüche "wie von einer toten Ratte" wahrgenommen, das sei kurz nach dem 11. Juli gewesen.

+++

11.30 Uhr: Das Gericht macht eine kurze Pause. Danach soll der Besitzer einer Videothek, in der sich Silvio S. Hardcore-Videos ausgeliehen haben soll, aussagen.

+++

11.00 Uhr: Weitere Polizeibeamte sagen aus. Die zweite Zeugin an diesem Dienstag, die 47-jährige Polizistin Grit H., beschreibt grauenhafte Funde, die in der Wohnung von Silvio S. gemacht wurden. So entdeckten die Ermittler zahlreiche Zeitungsschnipsel: "Massen von ausgeschnittenen Babyköpfen, Mädchenköpfen und Jungenköpfen", so die Beamtin. Die Schnipsel lagen in der Kammer, in der Silvio S. eine zeitlang auch die Leiche des vierjährigen Mohamed gelagert haben soll. Viele ausgeschnittene Schnipsel waren in einem Album eingeklebt.

Außerdem entdeckten die Ermittler gefüllte und leere Kondome, einen aufblasbaren Fesselstuhl, SM-Utensilien, Kinderkleidung und - in einer Tüte - ein neues Mädchenkleid, vakuumverpackte Kinderslips, originalverpackte Einweghandschuhe und Paketschnürband. Eine Kaufquittung aus dem Mai 2012 lag dabei. "Für mich war klar, dass sich Silvio S. schon lange mit dem Thema beschäftigt hat", sagt die  Polizeibeamtin. Man habe nicht ausschließen können, dass der Inhalt der Tüte zur Vorbereitung einer Kindesentführung gedacht gewesen sei.

+++

10.30 Uhr: Die erste Zeugin am Dienstag, dem fünften Verhandlungstag gegen den mutmaßlichen Mörder der Kinder Elias (6) und Mohamed (4, ist eine Polizeibeamtin.

Die Ermittlerin Anika D. aus Potsdam hat sichergestellte Unterlagen aus der Wohnung des angeklagten Silvio S. ausgewertet. Darunter seien auch Notizzettel gewesen, die unter gelben Plastiksäcken in einer Kammer gefunden wurden, sagt die 36-Jährige vor Gericht. Auf einem der Zettel standen Worte wie: "Mädchen", "Junge", "Kind besoffen machen" und "Mund zukleben". Dies sei den Beamzen wie eine Phantasieanleitung für Wünsche erschienen, die man umsetzen wolle.  Sie spiegelten offenbar die Interessen des Angeklagten wieder.

Auch Mädchen- und  Jungenkleidung wurde gefunden, ebenso ein Flyer, mit denen im Wohngebiet Potsdam-Schlaatz nach dem vermissten Jungen Elias gesucht worden war. Der Flyer war einen Tag nach dem Verschwinden in dem Wohngebiet aufgehängt worden. Elias verschwand am 8. Juli 2015 von einem Spielplatz. Silvio S. soll das Kind in sein Auto gelockt und dort versucht haben, es sexuell zu missbrauchen. Dann soll der 33-Jährige das Kind erdrosselt haben.

Zudem überprüften Ermittlungsbeamte die ebay-Käufe des Angeklagten. Die Auswertungen ergaben, dass Silvio S. in der Zeit vom 1. Januar 2013 bis 30. November 2015 folgendes gekauft hat: acht Prinzessinnenkleidchen, zahlreiche Puppen, eine Teddykamera, eine Überwachungskamera, ein Nachtsichtgerät, Fesselriemen, Handschellen, Latexmasken und Mundknebel. Eine Vielzahl der Artikel seien bei der Durchsuchung der Wohnung von Silvio S. sichergestellt worden, so die Ermittlerin.

+++

Silvio S. wird in dem Verfahren am Landgericht Potsdam vorgeworfen, im vergangenen Jahr erst den sechsjährigen Elias aus Potsdam und dann das Berliner Flüchtlingskind Mohamed entführt und ermordet zu haben. Der Angeklagte hat bei der Polizei ein Geständnis abgelegt, jedoch im Prozess zu den Vorwürfen bislang geschwiegen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de