Prozess um dubiosen Unfall

Hat der Taxifahrer den Mann überfahren oder mitgeschleift?

Die Beteiligten beschuldigen sich gegenseitig, Zeugen helfen nicht weiter.

Katrin Bischoff
3 Min
Ein Taxi in Berlin (Symbolbild).

Ein Taxi in Berlin (Symbolbild).

© imago/imagebroker

43 Jahre hatte Götz G. den Führerschein. Seit fünf Monaten muss er laufen. Sein Führerschein wurde eingezogen. Für Götz G. ist das besonders bitter: Der 60-Jährige ist Taxifahrer.

Der Richter hat es schwer

Ursache ist ein Geschehen, das, trifft es so zu, durchaus an Rambo-Manieren erinnert. Götz G. soll am 2. Juli 2016 mit seinem Taxi unsachgemäß in den Verkehr der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain eingeschert und dabei einen Unfall verursacht haben. Doch statt anzuhalten, soll er den Unfallgegner beschimpft, angefahren und auf der Motorhaube mitgeschleift haben.

Es wird nicht einfach werden für Amtsrichter André Muhmood, Recht zu sprechen. Nachdem der Angeklagte, der Unfallgegner und zwei Frauen, die als Fahrgäste im Taxi saßen, den Vorfall geschildert haben, muss Muhmood irritiert feststellen: „Wir haben jetzt vier unterschiedliche Versionen gehört.“

Verschiedene Versionen

G. bestreitet. Er sagt, er habe damals vier Frauen aus Frankreich auf dem Mittelstreifen aufgenommen, plötzlich habe der Fahrer eines BMW wie wild an sein Fenster geklopft. Der Mann sei aggressiv geworden und schließlich völlig ausgetickt. Die Frauen im Auto hätten ihn auf englisch gebeten, schnell wegzufahren von diesem „crazy guy“. Er habe weder Mann noch Auto berührt. Er müsse ja verrückt sein, mit Zeugen im Taxi so etwas zu veranstalten.

Mike D., der Unfallgegner, erzählt, er habe seine Frau und die vier und elf Jahre alten Kinder im Auto gehabt, als es zu dem Zusammenstoß mit dem Taxi kam. Er habe mit seinem Handy ein Foto machen wollen, um die Polizei zu holen. Damit Götz G. nicht davonfahren konnte, habe er sich vor das Taxi gestellt. Doch G. habe einfach Gas gegeben. 30 Meter wurde Mike D. nach eigenen Worten mitgeschleift, dann schlug er auf den Asphalt auf. Der 35-Jährige erlitt Schürfwunden und Stauchungen.

Richter will Autos begutachten lassen

Zwei Taxi-Fahrgäste von einst hat das Gericht zum Prozess einfliegen lassen. Die jungen Frauen berichten noch etwas anderes. Sie sagen aber, der BMW-Fahrer sei der aggressive gewesen. Einen Unfall haben beide nicht bemerkt. Zumindest eine aber erzählt, dass sich Mike D. zumindest vier Sekunden lang an dem anfahrenden Taxi festgehalten habe.

Der Richter will nun die Autos begutachten lassen. An dem BMW soll durch den Unfall ein Schaden von rund 3000 Euro entstanden sein. Mit einem Urteil wird Ende April gerechnet.

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