Eine Depression belastet Partner und Familien von Betroffenen in hohem Maße. In 45 Prozent der Partnerschaften komme es aufgrund einer Depression zur Trennung, lautet ein Ergebnis des zweiten Deutschland-Barometers Depression, das die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und die Deutsche-Bahn-Stiftung am Dienstag in Berlin vorstellten. Insgesamt 5000 Erwachsene zwischen 18 und 69 Jahren wurden im Juni und Juli für diese Studie online befragt.
„Die hohe Zahl der Trennungen zeigt, was für eine tiefgreifende Erkrankung die Depression ist“, sagte Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.
Wissenslücken führen zu Fehlinterpretationen
An Depression erkrankte Menschen verlören den Antrieb, ihr Interesse und fühlten sich innerlich abgestorben, ohne Verbundenheit mit anderen Menschen oder ihrer Umwelt. Sie sähen den Alltag wie durch eine schwarze Brille. All diese krankheitsbedingten Veränderungen hätten massive Auswirkungen auf Partnerschaft und familiäre Beziehungen. „Deshalb ist Depression oft die Ursache und nicht die Folge von Partnerschaftskonflikten“, so Hegerl.
Laut Studie zögen sich 84 Prozent der Erkrankten während der Depression aus sozialen Beziehungen zurück. Fast jeder dritte Angehörige gab an, sich schlecht über die Krankheit informiert zu fühlen. „Wissenslücken bei Angehörigen führen zu Unverständnis und Fehlinterpretationen“, schreiben die Autoren der Studie, „denn Rückzug und Gefühllosigkeit sind krankheitsbedingt.“
Ärztliche Hilfe ist notwendig
Nach Berechnungen der Initiatoren erkranken rund 17 Prozent der erwachsenen Deutschen mindestens einmal im Leben an einer anhaltenden depressiven Störung. Ursache könne neben genetischen Komponenten auch eine Stoffwechselstörung im Gehirn sein.
„Akzeptieren Sie die Depression als Erkrankung, die jeden treffen kann!“, rät Ulrich Hegerl den Angehörigen. Diese sollten sich informieren, denn Rückzug und fehlende Zuwendung des erkrankten Partners seien „keine Lieblosigkeit oder gar böser Wille, sondern Zeichen der Erkrankung“. Wie die Umfrage ergab, entwickelten 73 Prozent der Angehörigen zugleich Schuldgefühle gegenüber ihrem erkrankten Partner – sie fühlten sich verantwortlich für die Genesung. „Sie sind aber nicht für die Behandlung zuständig, sondern der Arzt!“, fassen die Autoren des Depressions-Barometers zusammen.
Sie geben folgende Tipps für Angehörige:
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Info-Telefon Depression: 0800/334 45 33,
Mo, Di, Do 13–17 Uhr, Mi, Fr 8.30–12.30 Uhr.
Austausch mit Betroffenen und Angehörigen:
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(BLZ/dpa)
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