Public Viewing im Schwuz

Lang lebe der Damenbart

Gemeinsam guckt es doch am schönsten: Vor allem, wenn die Favoritin des Abends dann auch noch überraschend den Sieg holt. Und eine Presswurst mit Vollbart den Zuschauern Käseigel serviert.

Maike Schultz
2 Min

In der Neuköllner Rollbergstraße ist die Sache klar: Auf dem Plakat „Unser Schwuz für Elaiza“ hat jemand „Elaiza“ durchgestrichen und „Die Wurst“ hingekritzelt. Seit feststeht, dass ein schwuler Österreicher im Glitzerfummel im Finale steht, interessiert sich hier kaum noch jemand für die drei Berlinerinnen, die für Deutschland singen.

Das wird den Clubgästen spätestens klar, als die Moderatorinnen auf die Bühne kommen: Party-Transe Camelia Light hat sich spontan in „Cornelia Presswurst“ umbenannt und erscheint mit Conchita-Vollbart. Das Berliner SchwulenZentrum hat traditionell zur Live-Übertragung geladen, und obwohl es der erste ESC nach dem Umzug von Kreuzberg in die viel größeren Hallen ist, platzt der Club aus allen Nähten.

Mit grünen und roten Pappkarten zeigen die Zuschauer an, ob ihnen einen Auftritt gefällt. Dazu gibt es Wurstbrote und Sekt. Für Elaiza gibt es jede Menge grüne Karten - aber so richtige Feierstimmung vermag ihr Lied "Is It Right" nicht aufbringen. Die anrüchige Wascheinlage der Polinnen erntet viel Gelächter („Was vermittelt das: Putzfrauen und Nutten?“), Russland wird gnadenlos ausgebuht.

Doch dann kommt Conchita Wurst und im Schwuz hält es niemanden mehr auf seinem Sitz. Ohrenbetäubender Jubel für Österreich. Obwohl hier alle einig sind, wer gewinnen soll - das eindeutige Ergebnis bei der Abstimmung verschlägt dann doch vielen die Sprache.

„We are unstoppable!“ ruft die Heldin des Abends von der Leinwand, bevor sie nach ihrem Sieg erneut die James-Bond-würdige Ballade "Rise Like A Phoenix" schmettern darf. Zwei junge Männer tanzen dazu auf der Bühne, als wäre es ein Disco-Hit. Und Cornelia Presswurst wischt sich heimlich eine Träne aus dem Bart.

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