Pussy Riot-Aktivistinnen verhaftet

Blaue Flecke in Sotschi

Zwei Mitglieder der Punkband Pussy Riot und weitere Aktivisten sind in Sotschi vorübergehend festgenommen worden. Nach mehrstündiger Vernehmung wurden sie freigelassen - und erhoben schwere Vorwürfe.

Christian Esch
3 Min
Maskiert verließen Pussy Riot die Polizeistation.

Maskiert verließen Pussy Riot die Polizeistation.

© ap/Morry Gash Lizenz

Die Polizei von Sotschi hat bewiesen, dass sie dem olympischen Gedanken verpflichtet ist. Nach dem Prinzip des Höher-Schneller-Weiter hat sie eine Aktion der feministischen Gruppe Pussy Riot unterbunden, noch bevor diese überhaupt stattfinden konnte.

Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina waren am Sonntagabend nach Sotschi geflogen und wollten – zusammen mit anderen Mitgliedern der Gruppe Pussy Riot – in der Olympiastadt einen Musik-Clip aufnehmen. „Putin lehrt dich, Russland zu lieben“ sollte der Clip heißen, und er sollte die Aufmerksamkeit der Welt auf die politische Unterdrückung in Russland lenken. Tolokonnikowa und Aljochina sind selbst bekannte Häftlinge, sie saßen fast zwei Jahre im Lager für eine Putin-kritische Aktion in Moskaus Kathedrale.

Das mit dem Clip hat in Sotschi nicht geklappt, das mit der Aufmerksamkeit schon. Fast die gesamte Zeit haben die Pussy-Riot-Frauen nämlich auf Polizeiwachen zugebracht. Erst wurden sie angeblich zwecks Feststellung der Personalien über Stunden festgehalten, dann wegen angeblichen Betretens der Grenzzone zu Abchasien viele Stunden vom Geheimdienst vernommen, am Dienstag schließlich wegen angeblichen Diebstahls einer Handtasche im Hotel festgehalten.

„Seit unserer Ankunft wurden wir ständig von Dutzenden Sicherheitskräften verfolgt“, erzählte Tolokonnikowa am Telefon, während sie in der Polizeiwache in Adler auf ihre Vernehmung wartete. Man habe sie auf der Straße angehalten und mit Gewalt in ein Polizeiauto gesperrt.

Dann musste Tolokonnikowa das Telefongespräch abbrechen. Was anschließend geschah, beschrieb der ebenfalls festgenommene Bürgerrechtler Semjon Simonow so: „Wir sollten ohne Anwalt als Zeugen befragt werden, in einem angeblichen Fall von Diebstahl. Ich weigerte mich und wurde mit Gewalt zum Verhör geschleppt.“

Ebenso ging es den Frauen. „Zur Vernehmung schleppten sie uns die Treppe hoch, alle hatten blaue Flecke“, schrieb Maria Aljochina in ihrem Twitter-Mikroblog. Dann wurden die neun Festgenommenen wieder freigelassen, ohne jede Erklärung.

Ihr Clip sollte jenen Moskauern gewidmet sein, die in diesen Tagen wegen angeblicher „Massenunruhen“ bei Putins Inauguration 2011 abgeurteilt werden, sowie dem Umweltschützer und Olympiakritiker Jewgeni Witischko. Der war jüngst für die Beschädigung eines Zauns zu drei Jahren Lager verurteilt worden. Der Zaun gehört dem Gouverneur der Region Krasnodar, in der die Olympischen Spiele stattfinden.

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