Ukraine-Krieg

„Die Büchse der Pandora geöffnet“: Putin droht Kiew mit militärischer Eskalation

Nach ukrainischen Drohnenangriffen auf russische Raffinerien kündigt der Kremlchef harte Vergeltung an. Zugleich brennt in Sankt Petersburg eine riesige Lagerhalle.

3 Min
Kremlchef Wladimir Putin hat der Ukraine nach den jüngsten Drohnenangriffen mit härteren Gegenschlägen gedroht.

Kremlchef Wladimir Putin hat der Ukraine nach den jüngsten Drohnenangriffen mit härteren Gegenschlägen gedroht.

© Gavriil Grigorov/imago

Kremlchef Wladimir Putin hat der Ukraine als Reaktion auf die jüngsten Drohnenangriffe auf russische Raffinerien und Logistikzentren scharfe Gegenschläge gegen die „empfindlichsten“ Bereiche der ukrainischen Wirtschaft angekündigt. Kiew habe mit den Attacken „die Büchse der Pandora“ geöffnet, sagte Putin in einem am Samstag im Staatsfernsehen ausgestrahlten Interview.

„Die Gegenmaßnahmen werden nicht lange auf sich warten lassen“, sagte Putin an die Adresse Kiews. Das Vorgehen der russischen Armee werde „noch deutlich spürbarer und zerstörerischer ausfallen“.

Es war Putins erste ausführliche Äußerung seit Beginn der massiven ukrainischen Drohnenangriffe auf Raffinerien, Exportterminals und Lagerhäuser im russischen Hinterland vor einigen Wochen. Russland werde nun gezielt „die empfindlichsten Bereiche“ der ukrainischen Wirtschaft ins Visier nehmen, die ohnehin am Abgrund stehe, sagte er. Kiew hänge vom Export seiner Agrarprodukte ab, die wesentliche Einnahmen für den Staatshaushalt brächten.

Die Ukraine gehört zu den weltweit bedeutenden Getreideexporteuren. Putin erklärte, Russland habe nach guter Ernte selbst großes Exportpotenzial und werde den Weltmarkt bedienen. Eine globale Versorgungslücke werde es nicht geben.

Gescheiterter „40-Tage-Plan“

Der Kremlchef räumte Schäden durch die ukrainischen Angriffe ein, sprach aber zugleich von einem Fehlschlag der ukrainischen Strategie. Der vom Westen gestützte „40-Tage-Plan“ zur Zerstörung der russischen Wirtschaft sei gescheitert, auch der Zusammenhalt der Bevölkerung sei nicht gebrochen worden. An der Front habe Kiew mit den Angriffen nichts erreicht.

Zu einer Friedenslösung erklärte Putin, ein Dialog sei nur auf Grundlage der tatsächlichen Lage an der Front möglich. „Exotische Vorschläge“, die die Ukraine zuletzt über Vermittler übermittelt habe, wies er ohne Nennung von Details zurück.

Großbrand in Sankt Petersburg

Parallel zu Putins Äußerungen meldeten russische Behörden mehrere Zwischenfälle im eigenen Land. Im Puschkin-Bezirk von Sankt Petersburg breitete sich nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums ein Feuer in einer großen Lagerhalle aus.

Wie die Wirtschaftszeitung Wedomosti und die Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die Behörde berichteten, wurde der Brand in der Nacht zum Sonntag auf Alarmstufe vier hochgestuft. Verletzte oder Tote wurden nicht gemeldet. Zur Brandursache machten die Behörden zunächst keine Angaben.

In der Region Orenburg im Uralgebiet wurde nach Berichten lokaler Medien am Sonntagmorgen Drohnenalarm gegeben. An den Flughäfen Orenburg und Orsk wurde der Notfallplan „Teppich“ zur Sperrung des Luftraums ausgelöst.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema