Wenn man so will war diese Szene ein Zeichen der internationalen Völkerverständigung: Denn Team Friedrich und Team Kripps fuhren nach vier Läufen die genau gleiche Zeit: 3:16,86. Schon im Zweierbob gab es also vier Goldmedaillengewinner. Friedrich sagte: „Es ist die pure Freude. Jedes Jahr kämpfen wir gegeneinander, jetzt sind wir beide Olympiasieger. Verrückt.“ Margis machte sich gar Sorgen um die Zeremonie am Dienstag. „Ich hoffe, sie haben vier goldene“, sagte er.
Bei diesem Gruppenkuscheln der wuchtigen Männer fehlten auch die anderen beiden deutschen Teams nicht: Die Piloten Nico Walther und Johannes Lochner hatten mit Christian Poser und Christopher Weber aber nicht ganz so viel Spaß bei der Sause im Zielraum. Beide Crews durften sich vor dem letzten Lauf noch Hoffnungen auf eine Medaille machen, musste wegen zu vieler Fahrfehler aber dem lettischen Duo Oskars Melbardis/Janis Strenga den Vortritt lassen. Bundestrainer René Spies sollte recht behalten mit seiner Prognose, „dass fünf bis sechs Schlitten um den Sieg fahren, im Vierer dann sogar zehn.“
Keine Medaillen in Sotschi
Ganz anders als vor vier Jahren in Sotschi, wo die deutschen Bobs zum ersten Mal seit 50 Jahren ohne Medaillen geblieben waren und die Crews das Gefühl hatten im Stau zu stehen, während die Konkurrenz freie Fahrt hatte, rasten sie jetzt mit schnellen Kufen durch die Eisrinne des Alpensia Sliding Centre. „Für die gesamte Mannschaft nach den Jahren ist das eine unglaubliche Sache heute“, sagte Spies. Zwei „wirklich anstrengende Jahre“ finden nun ein glückliches Ende.
Für Friedrich waren vor allem diese vier olympischen Rennen das pure emotionale Chaos. Wieder einmal schob er zusammen mit Margis den Bob zu absoluten Traumzeiten am Start. Diesen Vorteil konnte er zunächst aber nicht nutzen. Viermal in Serie gewann der Sachse Gold bei Weltmeisterschaften. Nach dem Debakel von Sotschi mit Platz acht war der Druck groß, seine Dominanz nun auch endlich in einen Olympiasieg umzumünzen. Doch dieser Druck führte zu etlichen Unkonzentriertheiten. Nach der Halbzeit lag er nur auf Rang fünf, mit fast drei Zehnteln Rückstand auf Platz eins.
Streckenrekord im dritten Lauf
Über Nacht machte er sich Gedanken, wie er die Fehler reduzieren kann und tüftelte am Set-up des Schlittens. „Das war richtig stressig, wir haben nur drei Stunden geschlafen.“ Doch offensichtlich haben Friedrich und Margis die richtigen Gedanken gefasst. Im dritten Lauf zauberte er dann einen Traumlauf mit Streckenrekord in die Rinne, der Platz zwei bedeutete. Es war einmal mehr der Beweis, warum der Regent dieser Disziplin „Friedrich, der Große“ gerufen wird. „Wir haben uns zurückgekämpft, das ist unsere Stärke“, sagte er, „aber wir haben auch Schwein gehabt.“ Im packenden Finaldurchgang mit Hundertstelvorsprüngen waren dann alle mitgerissen, die im Zielbereich den spannenden Zweikampf verfolgten. Dieses Kräftemessen der Hightech-Boliden sorgte für olympiareife Stimmung.
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