Radio auf Ultrakurzwelle UKW

Welle der Freude

Vor 65 Jahren revolutionierte die Ultrakurzwelle das Radio. Der Siegeszug der UKW war aus der Not geboren.

BLZ
3 Min
Radio mit Frau in den Fünfzigern.

Radio mit Frau in den Fünfzigern.

© Imago/United Archives International Lizenz

Der 28. Februar 1949 bedeutete eine Revolution für das Radio in Deutschland. Damals startete der erste UKW-Sender Europas in München. Der Bayerische Rundfunk schickte sein Programm als erster per Ultrakurzwelle zum Hörer, einen Tag später gab der Nordwestdeutsche Rundfunk den Startschuss für einen UKW-Sender in Hannover. Eigentlich sollten beide Sender nach Absprache zwischen BR und Nordwestdeutschem Rundfunk zeitgleich starten – die Bayern hielten sich aber nicht daran und können sich das Jubiläum darum heute allein auf die Fahnen schreiben.

Es folgten weitere Sender in Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, Kassel, Nürnberg, Würzburg und Köln. Schon Ende April 1950 hatten nach Angaben der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GfU) rund 40 Prozent der Rundfunk-Hörer die Möglichkeit, UKW-Sender zu empfangen.

Dabei war der Siegeszug der UKW eher aus der Not geboren. Die Grundlage für den Wiederaufbau des Rundfunks in Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bildete der Kopenhagener Wellenplan von 1948. „Darin wurden Deutschland bisherige Senderrechte zum Großteil aberkannt“, sagt Jan Höltje vom historischen Archiv des Bayerischen Rundfunks.

„Für die vier Besatzungszonen waren nur acht Mittelwellen und keine Langwellen vorgesehen“, heißt es in dem Buch „Der deutsche Rundfunk – Faszination einer technischen Entwicklung“. Bei der Verteilung der Mittelwellen bekamen die Deutschen dann auch noch ungünstige Frequenzen. Der deutsche Rundfunk brauchte also eine neue Sender-Infrastruktur.

Frequenzmodulation für weniger Störungen

Und die fand er mit Hilfe der Ultrakurzwellen, Wellen von einem bis zehn Metern. Schon Ende der 1920er-Jahre war erstmals der Vorschlag aufgekommen, UKW für den Rundfunk zu nutzen, der Rundfunkpionier Hans Bredow schlug die UKW-Nutzung 1930 in Wien auf einer deutsch-österreichischen Rundfunktagung auch konkret vor. Es sollte allerdings noch fast 20 Jahre dauern, bis der erste UKW-Sender in Deutschland startete. Zwischen 1950 und 1956 begannen die Rundfunkanstalten mit dem Aufbau weiterer UKW-Sender, schon am 20. Dezember 1953 konnte der 100. Sender in Betrieb genommen werden.

Von einer „Welle der Freude“ war die Rede. Denn die UKW-Übertragung verwendet die sogenannte Frequenzmodulation (FM) und konnte Radiosignale mit weniger Störungen und besserem Frequenzgang verbreiten. „Der Vorteil war die höhere Tonqualität“, sagt Höltje vom BR. Und das weckte das Interesse der Hörer. Auf der ersten Funkausstellung nach dem Krieg, 1950 in Düsseldorf, gab es UKW-Geräte für 19,50 D-Mark zu kaufen.

Im August 1963 dann der nächste Qualitätssprung: Erstmals gab es in der Bundesrepublik Radiosendungen in Stereo mit zwei getrennten Tonkanälen. Offiziell eingeführt wurde der Stereoton beim UKW-Radio zur Funkausstellung in Berlin.

Zum 65. Jahrestag des ersten UKW-Senderstarts ist die digitale Revolution drauf und dran, die Rundfunkrevolution von einst abzulösen. Das digitale, auch online zu hörende Radio wird immer beliebter. Sender aus aller Welt zu empfangen, ist kein Problem mehr. Die GfU urteilt: „Trotz aller technischen Weiterentwicklung ist die analoge UKW-Übertragung ein Auslaufmodell.“ (dpa)

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