Hyperpop

Einsam im Berghain: Radoux besingt auf seiner EP „Éphémère“ Berlins Psycho-Abgründe

Radoux singt von Berlin. Auf Französisch! Sein Hyperpop klingt, als würden Charles Aznavour und Charli xcx gemeinsam im Techno-Club feiern. Eine Party, die böse eskaliert.

7 Min
„Bevor ich nach Berlin kam, habe ich Feiern gehasst“: Radoux

„Bevor ich nach Berlin kam, habe ich Feiern gehasst“: Radoux

© Charlotte Alpert

Victor Fricke hat Berlin verlassen. Seit Oktober 2024 wohnt er wieder bei den Eltern in der Heilwasserstadt Wiesbaden. Wo einst Elvis Presley die Liebe und Dostojewski das Glücksspiel fand. „Eigentlich wollte ich nur ein paar Monate bleiben“, erzählt Fricke uns am Telefon, „um meinen Führerschein zu machen“.

Aber nun zieht sich das Ganze in die Länge. „Teils wegen mir, teils wegen der Fahrschule.“ Inzwischen hat er sich ans entschleunigte Leben außerhalb der Hauptstadt gewöhnt. „Ich habe keine Fomo mehr“, sagt er. Also keine Angst mehr, „alles“ ständig zu verpassen. Berlin hat ihn gelehrt, dass man coole Zeiten und Partys auch noch mit 40 haben kann. „Deshalb finde ich es nicht schlimm, in meinen 20ern gerade eine ruhigere Phase zu haben.“ Spoiler: Er hat sie sich teuer verdient.

Victor Fricke ist 27. Und seine Berliner Jahre müssen eskaliert sein. Zumindest gewinnt man diesen Eindruck, wenn man seinen Liedern lauscht, die er unter dem Pseudonym Radoux herausbringt – auch auf seiner neuen, hyperpoppigen und großteils frankofonen Berlin-EP „Éphémère“, zu deutsch: vergänglich, flüchtig, momenthaft, unstet.

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