Radtour von Berlin-Schöneberg zum Schloss Schönhausen in Pankow

Für Kinder nur bedingt geeignet: 17 Kilometer lange Radtour quer durch Berlin. Durch ruhige Parks und entlang lauter Straßen geht es zum Schloss Schönhausen

BLZ
5 Min

Kein Zweifel, Berlin ist eine Radlerstadt. Aber wie lange braucht man eigentlich, um einmal quer durch die Stadt zu fahren? Von Süd nach Nord zum Beispiel, von Schöneberg zum Schloss Schönhausen in Pankow. Wir haben es ausprobiert – und wollten dazu noch wissen, ob so eine Tour noch mehr zu bieten hat als einfach nur ein Fahrgefühl. Ein bisschen Stadtgeschichte etwa.

Vom S-Bahnhof Priesterweg zum Südkreuz

Los geht’s am S-Bahnhof Priesterweg entlang der Bahntrasse gen Norden. Hinter uns liegt der Insulaner, der grüne Trümmerberg, vor uns das Schöneberger Südgelände mit einem Park, der nach Hans Baluschek benannt wurde – und schon erfährt der Radler ein Stück Stadtgeschichte: Ende der 1920er-Jahre hatte der Illustrator von „Peterchens Mondfahrt“ unweit dieses Ortes gewohnt. Der pragmatisch angelegte Park mit dem etwa vier Meter breiten Asphaltband verläuft parallel zu den S-Bahn-Gleisen. Der Asphalt ist so glatt, dass dort sogar Speed-Skater ihre Rennen austragen. Die Radlerin ist begeistert: Premium-Radeln bis zum Südkreuz.

Vom Südkreuz zum Potsdamer Platz

Dort quert man den Hildegard-Knef-Platz, fährt rechts auf die Wilhelm-Kabus-Straße, um sich hinter der Bahnbrücke rechts zu halten, bis man auf das nächste, an den Gleisen entlangführende Asphaltband trifft: die Schöneberger Schleife. Nichts kriegt man dort mit vom lauten Verkehr – und radelt entspannt bis fast an die Yorckstraße.

Schon wartet der Park am Gleisdreieck, wenn man die einzige der vielen Yorckbrücken benutzt, die für Fußgänger und Radfahrer ausgebaut wurde. Sie gibt es seit zwei Jahren, sie ist ein wahrer Segen: Entsprechend voll ist es dort. Vom Park am Gleisdreieck geht’s zum Potsdamer Platz – auf dem letzten autofreien Teilstück dieser Tour. Etwa 20 Minuten hat die Fahrt bis dorthin gedauert. Sie führt weiter in nordöstlicher Richtung bis zur Ebertstraße, die mit einem breiten Radweg versehen ist.

Vom Potsdamer Platz zur Kastanienallee

Weiter geht es am Stelenfeld vorbei, dem Denkmal der ermordeten Juden, und am Brandenburger Tor, über die Dorotheenstraße, die vielbefahrene Friedrichstraße über die Weidendammer Brücke. Die Brücke also, die das alte Berlin mit der Spandauer Vorstadt verband und auf dessen Vorgängerbau sich der Dichter Theodor Fontane im Dezember 1845 mit seiner späteren Frau verlobte: „Es war wenige Schritte vor der Weidendammer Brücke, dass mir dieser glücklichste Gedanke meines Lebens kam, und als ich die Brücke wieder um ebenso viele Schritte hinter mir hatte, war ich dann verlobt“, schilderte der Dichter diese Anekdote.

Von der Dorotheenstraße bis zur Oranienburger Straße muss man also ein knapp einen Kilometer langes, radwegloses Stück passieren. Erst in der seit 2008 zur Fahrradstraße umgestalteten Linienstraße kann man aufatmen, es wird etwas gemütlicher. Dort haben Radfahrer Vorfahrt.

Über den Rosenthaler Platz geht es dann hinauf auf den Weinbergsweg, einem von Mönchen im 12. Jahrhundert für die Produktion ihres Messweins erwählten Standort. Rosskastanien wiederum gaben Anfang des 19. Jahrhunderts der mit einem neuen Radweg versehenen Kastanienallee ihren Namen. Der Kabarettist Rainald Grebe veränderte ihn in „Castingallee“, auf der die „Irgendwas mit Medien“-Generation flaniert: „Wir alle sitzen auf der Castingallee. Ich sitze hier mit meinem Käsefrühstück, ich frühstücke bis um vier. Ich bewege mich wenig, also eigentlich gar nicht, ich bewerbe mich hier.“

Auf der Schönhauser Allee...

Am nördlichen Ende der Kastanienallee erstellten die Gebrüder Emil und Max Skladanowsky 1895 die ersten, in Deutschland gedrehten Filmaufnahmen. Ein auf dem Fußgängerweg eingelassenes Mosaik, ein Namenszug auf einem stilisierten Film, erinnert an die beiden Bastler.

An dieser Stelle beginnt die Schönhauser Allee. Ihren Namen verdankt sie dem Ziel dieser Tour, dem Barockschloss Schönhausen. Dort verbrachte im 18. Jahrhundert – stets getrennt von ihrem Gatten König Friedrich II. – Elisabeth Christine die Sommermonate, in denen die Königin auch von Staatsbesuchern und Diplomaten besucht wurde. So erhielt die Schönhauser Allee die Funktion einer mit Linden bepflanzten Protokollstrecke: Johann Wolfgang von Goethe nahm diesen Weg 1778 in seiner Funktion als Berater des Herzogs Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach.

...bis zum Schloss Schönhausen 

Protokollstrecke war die Schönhauser auch zu DDR-Zeiten, als Partei- und Staatsführung sich auf ihrem Weg vom Regierungsviertel zum Pankower Majakowskiring bewegten, und als Staatsgäste im Schloss Schönhausen einquartiert wurden – Umstände, die sich positiv auf den Zustand der Berliner Allee auswirkten. Der Radweg hingegen ist schmal und bereits am Nachmittag hoch frequentiert, dass man sehr achtsam sein muss. Seit Jahren wird eine Verbreiterung gefordert.

Auf der Berliner Allee dünnt sich der Radverkehr etwas aus, die zum Schloss führende Ossietzkystraße verfügt zwar über keinen Radweg, ist aber in der Mitte asphaltiert und wenig befahren. Einer der letzten DDR-Staatsgäste im Schloss war übrigens im Oktober 1989 Michail Gorbatschow, bis März 1990 nutzte der „Runde Tisch“ dessen opulente Räumlichkeiten. Seit 2009 ist es ein Museum mit dem Café „Sommerlust“ im Schlossgarten. Endstation unserer Tour quer durch die Stadt.

Fazit: Gut eine Stunde dauerte die Fahrt auf der rund 17 Kilometer langen Strecke: Auf dem ersten Drittel boten sich dem Radler nahezu paradiesische Bedingungen, in Berlins Mitte fuhr es sich sehr unangenehm, und zum Ende war höchste Konzentration erforderlich, um unfallfrei ans Ziel zu gelangen.

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