US-Präsident Donald Trump hat den südafrikanischen Staatschef Cyril Ramaphosa bei einem Empfang im Weißen Haus mit Vorwürfen eines angeblichen „Völkermords“ an Weißen überzogen. Die Menschen würden in ihrer Heimat „hingerichtet“ und ihr Land werde beschlagnahmt, behauptete Trump und spielte Videoaufnahmen vor, die seine Vorwürfe belegen sollen.
Ramaphosa reagierte besonnen auf Trumps Tirade und entgegnete, die Äußerungen und Aufnahmen entsprächen nicht der offiziellen Regierungspolitik. Ramaphosa hatte die Profigolfspieler Ernie Els und Retief Goosen mit ins Weiße Haus gebracht – möglicherweise ein Versuch, angesichts der Vorwürfe Einigkeit zu demonstrieren und den golfaffinen US-Präsidenten milde zu stimmen.
Doch Goosen selbst sprach im Oval Office über die Gefahren, denen Farmer in Südafrika ausgesetzt seien. Er schilderte die Erfahrungen seiner eigenen Familie beim Versuch, deren Farmland zu schützen. Seine Angehörigen seien wiederholt von Brandanschlägen und Diebstahl betroffen gewesen, sagte Goosen und sprach von einem „ständigen Kampf ums Überleben“. „Es gibt Probleme“, sagte er zu Trump. „Sie leben hinter Elektrozäunen … um nachts einigermaßen sicher zu sein. Aber es ist ständig so, dass etwas passieren könnte, sobald man das Haus verlässt.“ Seine Mutter und seine Brüder seien bereits in ihren Häusern angegriffen worden, fügte er hinzu.
Während Trump bereits mehrfach die umstrittene und unbelegte Behauptung äußerte, weiße Südafrikaner seien Opfer eines „Genozids“, unterstützte Goosen diese Darstellung im Gespräch im Oval Office nicht.
Neben Goosen nahmen auch sein Golfkollege Ernie Els und der südafrikanische Milliardär Johann Rupert an dem Treffen teil. Gemeinsam mit Präsident Ramaphosa wollten sie über Handel und Investitionen sprechen, doch Trump lenkte das Gespräch immer wieder auf Landenteignungen und Gewalt gegen weiße Südafrikaner. Die mitgereisten Sportler lobte er jedoch als „Champions“.
Charmeoffensive des Gastes aus Südafrika
Anfang Februar hatte Trump Hilfen für Südafrika eingefroren, im März wiesen die USA zudem den Botschafter des Landes aus. Kürzlich nahmen die USA eine erste Gruppe weißer Südafrikaner auf und erteilten ihnen Flüchtlingsstatus, obwohl Trumps Regierung die Aufnahme von Flüchtlingen etwa aus Kriegs- und Krisengebieten weitestgehend gestoppt hat.
Die südafrikanische Regierung hatte die Vorwürfe der Amerikaner vor Ramaphosas Besuch entschieden zurückgewiesen und die Übersiedlung scharf kritisiert. Ramaphosa reiste schließlich eigens nach Washington, mit dem Ziel, die Spannungen zwischen beiden Ländern abzubauen.
Er sei gekommen, um einen Neustart im Verhältnis zu den USA zu erreichen, sagte Ramaphosa bei dem Treffen mit Trump. „Wir möchten die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern neu ausrichten.“ Ramaphosa bemühte sich wiederholt, die Lage zu entspannen und betonte, wenn es Probleme gebe, müsse man unter Partnern darüber reden. Er sei bereit, über alles zu reden, ohne das Beisein von Reportern. Der südafrikanische Präsident versuchte auch mehrfach, Trump zu schmeicheln, ihn mit Witzen zum Lachen zu bringen und ihn mit politischen Angeboten – etwa dem Zugang zu südafrikanischen Rohstoffen – milder zu stimmen. (mit AFP, dpa)
Demütigung im Weißen Haus: Trump stellt Südafrikas Präsident vor laufenden Kameras bloß
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de