Naschen Sie momentan auch so viel? Haben Sie gerade irgendwie fast immer Lust auf Schokolade, Kekse und Kuchen? Mehr als sonst? Nun, damit sind Sie nicht alleine. Und auch wenn das kein Freifahrtschein zum hemmungslosen Süßigkeitenverzehr sein soll, so sei doch gesagt: Das hat die Natur so eingerichtet.
Natürlich wissen wir alle, dass Nascherei ungesund ist und dick macht, dass das wiederum potenzielle Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Probleme nach sich ziehen kann, dass Süßes den Darm belastet und damit auch unser dort sitzendes Immunsystem träge macht.
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Ja, ja, der böse Zucker. Und dennoch: Er macht uns glücklich. „Zucker kurbelt die Serotoninproduktion an. Das ist ein Glückshormon, das Zufriedenheit auslöst“, sagt Diplom-Oecotrophologin Veronika Albers von der App-begleiteten Ernährungsberatung Oviva.
Serotonin ist ein Neurotransmitter. Das heißt, es ist eine chemische Substanz, die Erregung über die Nervenbahnen weiterleitet. Unser Körper kann Serotonin selbst herstellen, braucht dazu aber die Aminosäure Tryptophan, die unter anderem in Milchprodukten, Eiern, Geflügel, Fisch, Nüssen und Samen steckt.
Warum macht Zucker glücklich?
Zucker hingegen, ein einfaches Kohlenhydrat, ist schnell verfügbare Energie im Gegensatz zu komplexen Kohlenhydraten. Deshalb springt unser körpereigenes Belohnungssystem sofort an und flutet uns mit dem Wohlfühlhormon: Gut gemacht!
„Im Sommer sorgt das Sonnenlicht dafür, dass unser Körper Serotonin ausschüttet“, sagt Veronika Albers. „Das UV-Licht mit seinem hohen Blaulichtanteil trifft auf das Auge, wodurch im Gehirn eine Kettenreaktion ausgelöst wird, die die Serotoninproduktion in Gang setzt. So entsteht in uns ein sehr angenehmes Gefühl.“
Im Winter jedoch, wenn tagelang die Sonne nicht scheint und sowieso die Lichtintensität nicht optimal ist, können wir übers Draußensein nicht unbedingt ausreichend Glückshormone produzieren. „Das kann auf die Stimmung drücken“, weiß die zertifizierte Ernährungsberaterin. „Wir werden antriebslos und matt.“
Unser Körper sehnt sich nach dem blauen UV-Licht. Und weil das im Winter eben nicht so recht möglich ist, greifen wir zum Zucker als Alternative. „So kommen wir schnell ans Serotonin, aber zugleich gelangen wir in einen Teufelskreis“, warnt die Oviva-Expertin. Weil wir nämlich von dem Glücksgefühl niemals genug bekommen können, greifen wir immer wieder zu.
Daher rät Veronika Albers: „Wann immer die Sonne rauskommt und es Ihnen möglich ist: Gehen Sie raus, wenigstens für ein paar Minuten. Tanken Sie das Licht, damit Sie etwas weniger naschen.“ Denn zur Wahrheit gehört auch, dass unser Körper so viel Energie weder braucht noch verstoffwechseln kann. Stattdessen lagert er es in Fettpölsterchen ein, häufig am Bauch.
Das Abnehmen fällt nachher umso schwerer. Vielleicht kennen Sie das: Im Frühjahr stellen Sie fest, dass Sie ein paar Kilo zugenommen haben, und suchen dann hektisch nach einer effektiven, aber nicht zu strengen Diät, möglichst ohne Jo-Jo-Effekt.
Alternative zu Süßigkeiten: Cashews naschen
Nun gehört ein bisschen Naschen auch zur Vorweihnachtszeit dazu. In Maßen ist das auch in Ordnung. Wenn Sie jedoch merken, dass Sie kaum aufhören können, sollten Sie vielleicht darüber nachdenken, wie Sie gegensteuern können.
Veronika Albers hat einen konkreten Tipp: „Essen Sie Cashews“, sagt sie. „Sie enthalten einen hohen Anteil an Tryptophan und sättigen, ohne anzusetzen. Und sie kurbeln sehr gut die Serotoninproduktion an.“
Das mag am Anfang ungewohnt sein. Aber tatsächlich hat unsere Ernährung – generell, aber auch im speziellen Fall und im Hinblick aufs Naschen – viel mit Gewohnheit zu tun. Und diese kann man ändern, wenn man es denn will.
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© Sabine Gudath
„Unsere Geschmacksknospen sind trainierbar. Wenn sie stark an Süßigkeiten gewohnt sind, verlangt unser Körper immer häufiger danach. Deshalb gilt auch umgekehrt: Wer es gewohnt ist, selten Süßes zu essen, verspürt den Drang danach nicht so oft“, fasst die Ernährungsberaterin zusammen.
Das hängt auch mit der körpereigenen Regulation zusammen. Wie bereits oben geschrieben sorgt Zucker für einen schnellen Energiekick. „Das liegt daran, dass Kohlenhydrate, allen voran die einfachen, für einen rapiden Anstieg des Blutzuckerspiegels sorgen“, so Veronika Albers.
Da das aber – vereinfacht ausgedrückt – zu viel des Guten ist, bildet der Körper das Hormon Insulin und schickt es in die Blutbahn. Das Insulin sorgt für einen schnellen Abbau beziehungsweise räumt die überschüssige Energie in die Fettdepots.
Allerdings provoziert ein schneller Blutzuckeranstieg auch eine hohe Menge an Insulin. Davon wird meistens nicht alles benötigt, sodass nach dem Regulieren immer noch einiges an Insulin im Blut unterwegs ist. Auch das mag unser Körper nicht, weshalb er förmlich nach Zucker schreit, um dem Insulin etwas entgegenzusetzen zu haben. Ein Teufelskreis, wie die Expertin zuvor schon sagte.
Um da rauszukommen, muss man bewusste Entscheidungen treffen. Cashews, aber auch andere Nüsse und Samen sind eine Möglichkeit, weil Eiweiß zu keinem schnellen Anstieg des Blutzuckers führt, weshalb die Regulation auch nicht so rasant abläuft. Ebenso könnten Sie versuchen, mindestens einmal am Tag einen längeren Spaziergang im Freien zu machen, möglichst mittags, wenn die Sonne am höchsten steht.
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Und ansonsten gilt, fast schon banal: Lenken Sie sich ab und tun Sie sich was Gutes. „Treffen Sie sich mit Freunden und lachen Sie. Sowohl das Lachen als auch das Zusammensein mit lieben Menschen sorgt für reichlich Glückshormone“, so die Expertin.
Auch Musikhören und tanzen können sehr glücklich machen. Ebenso Sport, der darüber hinaus noch eine stärkende Wirkung fürs Immunsystem hat. „Durch die Muskeltätigkeit werden Glückshormone ausgeschüttet, man ist danach deutlich zufriedener“, weiß Veronika Albers.
Also: Bei Heißhunger auf Süßes sollten Sie versuchen sich abzulenken – entweder durch Sport, einen Spaziergang oder ein paar Nüsse. Und wenn Sie es sich gar nicht verkneifen können, probieren Sie es mit einem Taschenspielertrick: Lassen Sie ein Stück Schokolade auf der Zunge zergehen. In der Zeit, in der Sie sonst drei, vier, fünf Stückchen essen würden, genießen Sie das eine ganz bewusst.
Und währenddessen kann Ihr Körper das Serotonin ausschütten. Sie überbrücken gewissermaßen die Zeit vom ersten Genuss bis zum Glücksgefühl, indem Sie die Schokolade im Mund schmelzen lassen, anstatt sie einfach so wegzufuttern.
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