Ratgeber

Warum ist die aktuelle Grippewelle so gefährlich?

Torsten Harmsen
4 Min
Gesundheit! An einem grippalen Infekt erkrankte Frau (Symbolbild). 

Gesundheit! An einem grippalen Infekt erkrankte Frau (Symbolbild). 

© dpa/Maurizio Gambrini

Eine Grippewelle rollt über Deutschland. Bisher sind Zehntausende Menschen erkrankt. Bei jedem zweiten Patienten mit Grippesymptomen werde auch wirklich eine echte Influenza diagnostiziert, teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) mit. Ein großes Problem: In dieser Saison ist ein Virustyp verbreitet, der nicht auf den gängigen Dreifachimpfstoff reagiert, der auch von den Kassen bezahlt wird. Wer ist besonders durch eine Erkrankung gefährdet – und was kann man dagegen tun? Wir geben die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie unterscheidet man eine echte Influenza von einer „normalen“ Erkältung?

Wichtiges Merkmal ist ein plötzlicher Ausbruch, während ein grippaler Infekt oft mit Halskratzen, Schnupfen, Husten beginnt und sich über mehrere Tage entwickelt. Bei der Influenza treten innerhalb weniger Stunden heftige Beschwerden auf: Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, hohes Fieber, Abgeschlagenheit, auch Atemnot. Man fühlt sich elend und will eigentlich nur noch ins Bett.

Wie lange dauert eine Grippe-Erkrankung?

Eine echte Grippe dauert mindestens fünf bis sieben Tage, aber mitunter auch einige Wochen. Bei Kindern und Älteren kann sie hartnäckiger sein. Aus einer Grippe können sich auch bakterielle Folge-Infektionen entwickeln, zum Beispiel eine Lungenentzündung, vor allem, wenn man sich nicht schont und weiter zur Arbeit geht oder Sport treibt.

Wie schlimm ist die gegenwärtige Grippewelle und wie lange wird sie anhalten?

„Wir befinden uns mittendrin“, sagt Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI). Registriert würden unter anderem die Arztbesuche, die wegen Influenza-Beschwerden erfolgten. Hier lägen die Zahlen bundesweit noch unter der schweren Grippewelle des vergangenen Winters, aber über der moderateren Welle von vor zwei Jahren. Außerdem würden die labordiagnostisch bestätigten Fälle erfasst. Das seien in der 6. Kalenderwoche bundesweit gut 20.000 und in der 7. Kalenderwoche 14.000 gewesen – bis zum vergangenen Freitag. „In Berlin und Brandenburg wurden in der 5. Woche rund 1350 und in der 6. Woche etwa 1200 Fälle gemeldet.“

Gibt es Todesfälle?

„Bundesweit gibt es 102 labordiagnostisch bestätigte Todesfälle“, sagt die RKI-Sprecherin. „Im vergangenen Winter mit einer schweren Grippewelle wurden mehr als 700 Todesfälle bundesweit bestätigt.“ Diese Zahl sage aber nur teilweise etwas über die tatsächliche Zahl der Verstorbenen aus, weil die meisten Betroffenen an bakteriellen Folge-Infektionen sterben würden, bei denen das Influenzavirus nicht mehr nachweisbar sei.

Wie lange wird die Welle anhalten?

„Insgesamt haben wir den Eindruck, dass die Grippewelle sich abzuschwächen beginnt“, sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Die Zahl der Arztbesuche wegen Grippe sei in der vorletzten Woche nur noch geringfügig gestiegen. „Für gewöhnlich dauert eine solche Welle drei bis vier Monate. Die laufende begann Mitte Dezember.“

Um welchen Erreger handelt es sich, und wie wirkungsvoll ist der Impfstoff?

„Zurzeit kursieren unter anderem Viren vom Typ A, H1N1. Diese verursachten 2009 die Schweinegrippe“, so die RKI-Sprecherin. „Besonders stark verbreitet sind allerdings Viren des Typs B der Untergruppe Yamagata. Sie lösen etwa drei Viertel aller aktuellen Krankheitsfälle aus.“ Die Besonderheit sei, dass die Yamagata-Linie nicht im gängigen Dreifachimpfstoff vertreten sei, der normalerweise von den Kassen bezahlt werde.

Erste Auswertungen der Impfeffektivität zeigten aber, dass der Dreifachimpfstoff trotzdem einen gewissen Schutz gegen die Yamagata-Viren verleihe. „Woher die aktuellen Viren nach Deutschland gekommen sind, kann man nicht sagen“, sagt Susanne Glasmacher. „Denn die Grippeviren zirkulieren weltweit gesehen ständig.“

Sollte man sich jetzt noch impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeschutzimpfung vor allem für chronisch Kranke, Schwangere, Über-60-Jährige und medizinisches Personal. „Vor allem chronisch kranke und behinderte Kinder sollten nun noch so schnell wie möglich mit dem Vierfachimpfstoff geimpft werden“, rät Josef Kahl, Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte.

Dieser Impfstoff enthält auch eine Komponente gegen die kursierenden B-Viren der Yamagata-Linie. Falls dieser Impfstoff nicht verfügbar ist oder die Kasse die Kosten nicht übernimmt, kann laut RKI auch der Dreifachimpfstoff eingesetzt werden. „Allerdings ist die Frage, ob eine Impfung jetzt noch sinnvoll ist“, sagt die RKI-Sprecherin. „Immerhin dauert es 10 bis 14 Tage, bis der Impfschutz voll aufgebaut ist. Und es ist zu erwarten, dass die Grippe-Aktivität in zwei bis drei Wochen zurückgeht.“ Dennoch werde dann die Welle nicht sofort vorbei sein. Also könne sich eine Impfung im Einzelfall noch lohnen.

Wie kann man sich vor Ansteckung schützen?

Übertragen wird die Grippe durch Tröpfcheninfektion – beim Husten, Niesen, Sprechen oder Händeschütteln. Viele Betroffene weisen allerdings gar keine Symptome auf, obwohl sie bereits erkrankt sind, ergab eine Studie von 2014. So kann man bereits einen Tag vor Auftreten der Symptome ansteckend sein. Akut Erkrankte sollten nicht zur Arbeit und in die Öffentlichkeit gehen. Zur Prophylaxe gehört, sich regelmäßig und gründlich die Hände zu waschen – mit ausreichend Seife und mindesten 30 Sekunden unter dem Wasserstrahl. Und wer niesen muss – bitte in die Armbeuge.

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