Razzia bei Clan-Mitgliedern in Berlin - Nach Überfall auf Geldtransporter

Mehr als drei Monate nach dem Raubüberfall auf einen Geldtransporter nahe dem Alexanderplatz haben Polizisten erneut Wohnungen von Verdächtigen durchsucht. Am Donnerstagmorgen drangen die Beamten in insgesamt vier Wohnungen in Tempelhof, Steglitz und Kreuzberg ein. An dem Einsatz waren 180 Beamte beteiligt, darunter das ...

BLZ
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Berlin - Mehr als drei Monate nach dem Raubüberfall auf einen Geldtransporter nahe dem Alexanderplatz haben Polizisten erneut Wohnungen von Verdächtigen durchsucht. Am Donnerstagmorgen drangen die Beamten in insgesamt vier Wohnungen in Tempelhof, Steglitz und Kreuzberg ein. An dem Einsatz waren 180 Beamte beteiligt, darunter das Spezialeinsatzkommando.

Die Razzia richtete sich gegen zwei Verdächtige im Alter von 25 und 38 Jahren, die in zwei Wohnungen an der Kreuzberger Gneisenaustraße angetroffen wurden. Einer der beiden gehört einer polizeibekannten libanesisch-kurdischen Großfamilie an.

Unverzollter Tabak

Beide wurden zur erkennungsdienstlichen Behandlung mitgenommen: Sie mussten unter anderem ihre Fingerabdrücke abgeben und sich für die Verbrecherkartei fotografieren lassen. Danach kamen sie wieder frei. „Die Männer werden mit der Tat in Verbindung gebracht“, sagte eine Polizeisprecherin. Inwiefern sie an dem Überfall beteiligt gewesen sein könnten, sei Gegenstand der Ermittlungen. „Haftbefehle wurden nicht vollstreckt.“ 

Im Anschluss seien noch drei weitere Objekte durchsucht worden, darunter ein Autohandel in Bohnsdorf und eine Shisha-Bar in Neukölln. Dort stellten die Beamten etliche Kilogramm unverzollten Shisha-Tabak sicher. An allen Orten beschlagnahmten die Polizisten Beweismittel, darunter Telefone und Datenträger. 

Der Überfall auf den Geldtransporter am Morgen des 19. Oktober 2018 wirkte spektakulär: In der Schillingstraße bremste ein BMW den Transporter aus und brachte ihn so zum Stehen. Ein R-Klasse-Mercedes setzte sich direkt dahinter. Ein Vermummter bedrohte die beiden Insassen des Transporters mit einer Kalaschnikow. Währenddessen hebelten die anderen mit Hydraulik-Werkzeug – das zuvor in einer Feuerwache in Brandenburg gestohlen worden war – die Tür des Transporters auf. Die Täter räumten mehrere Geldkisten in den Mercedes und flüchteten dann mit beiden Autos. Die Besatzung eines Streifenwagens, die zufällig in der Nähe war, nahm die Verfolgung auf. Es gab eine wilde Verfolgungsjagd durch Mitte. In der Neuen Grünstraße, nahe Spittelmarkt, wurden die Polizisten aus einem der Fluchtautos beschossen. 

Schwerer Raub und versuchter Mord

Die Täter brachen die Flucht ab. Trotz der professionell anmutenden Aktion blieben sie ohne Beute: Zuerst mussten sie am Tatort eine große Geldkiste zurücklassen, weil diese nicht mehr ins vollgeladene zu kleine Auto passte. Dann platzte am Mercedes, nachdem die Männer die Polizei abgehängt hatten, ein Reifen. Die Täter stiegen in das zweite Auto um und ließen die erbeuteten Geldkisten im kaputten Wagen zurück.

Sechs Wochen später, Anfang Dezember, fassten Polizisten einen der mutmaßlichen Täter. Der 38-Jährige aus Mariendorf sitzt seither in Untersuchungshaft. Dem Libanesen wird schwerer Raub vorgeworfen sowie versuchter Mord wegen der Schüsse auf die Polizisten. Weil ein weiterer Verdächtiger aus dem Umfeld der Täter der Polizei Namen nannte, konnte die Polizei kurz darauf einen weiteren Libanesen verhaften. Der 32-Jährige soll als „Logistiker“ Helfer der Täter gewesen sein. Beide Männer sollen ebenfalls Kontakte zu jenem Clan haben, aus dessen Umfeld die am Dienstag Festgenommenen kommen. 

Drogengeschäfte und Raub

Mitglieder dieser kurdisch-libanesischen Großfamilie fallen immer wieder durch Kriminalität auf: durch Drogengeschäfte, Raub und Einbruch. So stehen derzeit mehrere Angehörige des Clans vor Gericht, weil sie eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze aus dem Bodemuseum gestohlen haben sollen.

Zum Geldtransporter-Überfall sagte Norbert Cioma von der Gewerkschaft der Polizei: „Dass bei dieser Tat bereits nach gut drei Monaten Durchsuchungsbeschlüsse erwirkt werden konnten, zeigt die herausragende Vorarbeit meiner Kollegen.“ Sich in den Wohnungen von Verdächtigen umzuschauen, sei gerade in dem Bereich ein essenzieller Bestandteil der Ermittlungen, da die Polizei innerhalb der Familien und im sozialen Umfeld so gut wie keinerlei Kooperation erwarten könne.

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