Razzia gegen Schleuserbande

Mutmaßliche Menschenhändler arrangierten Scheinehen

Hunderte Bundespolizisten durchsuchen 47 Wohnungen in Berlin und Brandenburg.

Andreas Kopietz
3 Min
Die Bundespolizei nimmt den vermeintlichen Kopf der Schleuserbande fest.

Die Bundespolizei nimmt den vermeintlichen Kopf der Schleuserbande fest.

© Klaus Oberst

51 Wohnungen durchsuchten die Polizisten, 43 in Berlin, drei in Brandenburg und eine in Nordrhein-Westfalen. Zuvor hatte ein Richter Haftbefehle gegen zwei deutsche Männer im Alter von 51 und 63 Jahren, eine 51-jährige deutsche Frau und einen 40-jährigen Serben erlassen. Sie stehen im Verdacht, über einen Rechtsanwalt in etwa 200 bislang ermittelten Fällen Scheinehen arrangiert zu haben. Der Großeinsatz erfolgte im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin. Die Verhaftungen erfolgten in Reinickendorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Marzahn-Hellersdorf sowie im brandenburgischen Teltow. Der Vorwurf lautet Banden- und gewerbsmäßige Einschleusung von Ausländern. Neben den Wohnungen der Hauptbeschuldigten wurden auch Räume in Charlottenburg-Wilmersdorf, Pankow, Neukölln, Spandau, Mitte und Tempelhof-Schöneberg durchsucht.

Geschleuste in sklavenähnlicher Abhängigkeit

Den Ermittlungen zufolge wollte die Bande durch die vorgetäuschten Eheschließungen vor allem Männern aus Pakistan, Nepal und Albanien einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland ermöglichen.

12.000 bis 16.000 Euro zahlten die illegalen Einwanderer dafür an ihre Schleuser. Viele der Geschleusten gerieten dadurch in sklavenähnliche Abhängigkeit. Denn in den seltensten Fällen konnten sie das Geld direkt bezahlen. Ihre Schulden mussten sie in Deutschland abarbeiten, etwa in gastronomischen Betrieben. Für die Scheinehen sollen die Beschuldigten fingierte Ehepartner vorwiegend aus den EU-Ländern Polen, Griechenland und Ungarn vermittelt haben, um eine EU-Ausländerkarte zu erschleichen. Teilweise seien Heiratsurkunden aber auch komplett gefälscht worden, so der Vorwurf.

Mehr als 200 Menschen nach Europa geschmuggelt

Die Ermittlungen resultieren aus einem kleineren Schleuser-Verfahren, das die Bundespolizei im vergangenen Jahr führte. Im Oktober trennte die Berliner Staatsanwaltschaft die Ermittlungen davon ab, als sich abzeichnete, dass die Ermittler mit einem riesigen Verfahrenskomplex zu tun haben. Seither hörten die Fahnder die Telefone ab und observierten die Verdächtigen. Am Dienstag nun kamen die Ermittlungen aus der verdeckten in die „offene Phase“. Wo nach Aufforderung nicht freiwillig geöffnet wurde, brachen vermummte Polizisten die Wohnungstüren auf. Kistenweise Beweismittel trugen die Beamten aus den Häusern. Sie beschlagnahmten nach Angaben von Thomas Striethörster, Präsident der Bundespolizeidirektion Berlin, auch 170.000 Euro in bar und zwei teure Autos.

Staatsanwaltschaft und Bundespolizei gehen davon aus, dass die Bande noch viel mehr als nur 200 Menschen nach Europa schmuggelten. „Wir erhoffen uns, dass wir bei den Durchsuchungen genügend Beweise finden, um weitere Fälle ermitteln zu können“, sagte Bundespolizeisprecher Jens Schobranski.

Bleibt das Problem mit den illegal Geschleusten: Wer sich den Aufenthalt erschlichen hat, müsste eigentlich abgeschoben werden, wofür die Ausländerbehörden der Bundesländer zuständig sind. Doch diese wissen nicht, wo sich allermeisten von ihnen aufhalten. In den Wohnungen, in denen sie offiziell gemeldet sind, wurden sie nicht angetroffen.

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