Re:publica-Chef in Afrika

Ghana zeigt großes Interesse an digitalen Themen

Andreas Gebhard: "Es wird Zeit, die Accra-Magie dem Rest der Welt zu zeigen".

Jörg Hunke
5 Min
Gerade in Ghana gibt es ein großes Interesse an digitalen Themen. Warum? Weil die Bevölkerung in dem afrikanischen Land deutlich jünger ist als in Deutschland.

Gerade in Ghana gibt es ein großes Interesse an digitalen Themen. Warum? Weil die Bevölkerung in dem afrikanischen Land deutlich jünger ist als in Deutschland.

© imago

So ganz will sich Andreas Gebhard an diesem Abend noch nicht festlegen. Der Chef der Gesellschaftskonferenz Re:publica ist nach einer mehrtägigen Reise, die ihn nach Beirut und Accra führte, gerade wieder nach Berlin zurückgekehrt, schwärmt von den Eindrücken und berichtet von vielen digitalen Themen, die Europa und Afrika verbinden.

Das war auch das Ziel der Reise: Gebhard wollte herausfinden, ob die Re:publica mit ihren kritischen Themen auch für einen anderen Kontinent interessant sein könnte, nachdem es bisher Experimente in Griechenland und Irland gegeben hatte. „Wir werten die Reise aus“, sagt Gebhard zunächst diplomatisch, um dann aber zu ergänzen: „Die Zeichen stehen gut.“

„Wir kochen da etwas“

Und wer die Kommentare bei Twitter aus Accra, der Hauptstadt Ghanas, liest, bekommt den Eindruck, dass das was werden könnte mit einer Kooperation. „Wir kochen da etwas“, schreibt Will Senyo, Mitbegründer und Chef von Impact Hub Accra, und nennt im Netz auch als Ziel, eine gemeinsame Veranstaltung im Laufe des Jahres zu konzipieren.

Es könnte eine größere Sache werden, denn auf Senyos Twitter-Account ist ein Foto zu sehen, dass ihn gemeinsam mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron bei einem Besuch des Hubs in Ghana zeigt. Also einem zentralen Ort, an dem in der Hauptstadt junge Entwickler und Start-ups gefördert werden. „Es wird Zeit, die Accra-Magie dem Rest der Welt zu zeigen“, schreibt Senyo schon voller Vorfreude.

Andreas Gebhard, Chef der Gesellschaftskonferenz Re:publica.

Andreas Gebhard, Chef der Gesellschaftskonferenz Re:publica.

© Seth Owusu Appiah

Seit nunmehr elf Jahren gibt es die Re:publica, angefangen hat sie als Konferenz für Blogger mit 700 Besuchern in der Kalkscheune, inzwischen ist sie ein dreitägiges Event mit rund 10.000 Besuchern geworden, das von Stammgästen gerne als digitales Klassentreffen bezeichnet wird. Doch die Re:publica ist längst mehr als nur die Bespaßung der Nerds, Entwickler und Programmierer. Es geht vor allem darum, sich in dem Dschungel von Überwachung, Datensicherheit, Bürgerrechten und Fortschritt zurechtzufinden.

Politiker, Wirtschaftsbosse, Intellektuelle und tägliche Praktiker reden sich hier die Köpfe heiß. Und das wird in Zeiten von künstlicher Intelligenz, die ja nur funktioniert, wenn die Nutzer viele ihrer Daten freiwillig zur Verfügung stellen, nicht anders sein. Ganz zu schweigen von der Blockchain-Bewegung, die bisher nur wenige durchschauen.


Über Re:publica

Die Re:publica wird von ihren
Machern als eine Gesellschaftskonferenz für die digitalen Themen bezeichnet. Mit einer Blogger-Konferenz ging es in der Kalkscheune los, vom 2. bis 4. Mai 2018 trifft sich die Netzgemeinde zum elften Mal in der Hauptstadt, das Motto
diesmal „Pop“.

Bisher war die Re:publica außer in Berlin auch in Dublin (Irland) und in Thessaloniki aktiv. Der Re:publica-Geschäftsführer reiste jetzt nach Beirut (Libanon) und Accra (Ghana).  


Gebhard hat bei den Gesprächen während seiner Reise festgestellt, dass es gerade in Ghana ein großes Interesse an digitalen Themen gibt. Seine Begründung ist einfach: Die Bevölkerung in dem afrikanischen Land ist deutlich jünger als in Deutschland, die Zahl der Menschen, die also mit dem Smartphone und sozialen Medien aufwächst, weit größer als auf dem alten Kontinent. Eine Vitalität hat er doch festgestellt, die er in Deutschland, wo vieles sehr langsam gehe, vermisst.

Und diese jungen Menschen sind auf der Suche nach Antworten auf Fragen, die auch in Deutschland gestellt werden. Wie also umgehen mit der Macht von Google, Facebook, Microsoft und Amazon? Welche Gesetze sind notwendig und wo wird die Freiheit der Bürger zu sehr eingeschränkt? Diese Themen sind bei der Re:publica immer schon diskutiert worden.

Größe Elektroschrott-Müllkippe

Dadurch unterscheidet sich die Konferenz aus Berlin auch von der internationalen Konkurrenz. South by Southwest ist das große Festival jedes Jahr in Texas, wo es vor allem um technische Innovationen geht. In Las Vegas treffen sich die Hacker, kurz nach Weihnachten auch in Deutschland und viele große Geschäfte werden für den europäischen Markt in Lissabon gemacht. Die Re:publica unterscheidet sich da durch ihren politischen Anspruch.

Gebhard erzählt auch von ökologischen Folgen der Digitalisierung, die Afrika und Europa verbindet. In der Nähe des Zentrums von Ghanas Hauptstadt kommen die Computer, Notebooks, Handys und Bildschirme an, die in Europa keiner mehr haben will, in Accra befindet sich eine der größten Elektroschrott-Müllkippen Afrikas. Nur ein Beispiel aus der Wirtschaft, das zeige, dass auch hier nach gemeinsamen Lösungen gesucht werden könne. 

Internationale Abteilung 

Die ökonomische Entwicklung der einzelnen Länder hänge auch davon ab, wie auf die digitalen Veränderungen reagiert wird. Welche Aufgaben werden in Zukunft Roboter übernehmen, wie verändern Sprach-Erkennung, Augmented Reality und Cloud-Computing die Arbeitsprozesse?

Ende Februar, sagt Gebhard am Ende des Gesprächs, werde es auch weitere Veränderungen im Team der Re:publica in Berlin geben, neue Kräfte sollen dazukommen. Er kündigte an, dass eine internationale Abteilung aufgebaut werde, vier bis sechs Personen sollen dazugehören.

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