Vermisste Rebecca

Wut-Brief von Chefermittler an Hellseher

Dem Leiter der zuständigen Mordkommission platzt der Kragen.

Philippe Debionne_richtig
3 Min
Weiß angeblich, wo Rebecca ist: Hellseher Michael Schneider (oben). Glaubt nicht daran: Chefermittler Michael Hoffmann.

Weiß angeblich, wo Rebecca ist: Hellseher Michael Schneider (oben). Glaubt nicht daran: Chefermittler Michael Hoffmann.

© dpa/Erhard Paul/ZDF/Collage:BLZ

Michael Hoffmann, der Leiter der für Rebecca zuständigen Mordkommission, die nach wie vor ermittelt, findet nun deutliche Worte, mit denen er Schneider direkt konfrontiert.

Vermisste Rebecca aus Berlin: Hellseher gab keine Ruhe

Michael Hoffmann, Leiter der Mordkommission im Fall Rebecca.

Michael Hoffmann, Leiter der Mordkommission im Fall Rebecca.

© ZDF

„Sehr geehrter Herr Schneider, ich habe festgestellt, dass auch ich ein Seher bin“, beginnt die E-Mail (liegt der Berliner Zeitung vor), die der Chef-Ermittler vor wenigen Tagen an den vermeintlichen Hellseher geschrieben hat. „Ich habe vorhergesehen, dass Sie trotz meiner Bitte keine Ruhe geben!“ Offenbar hatte Hoffmann Schneider mehrfach zu verstehen gegeben, dass er sich bitte nicht in die Ermittlungen einmischen möge.

Was den Hellseher aber nicht davon abhielt, immer neue E-Mails mit angeblichen Hinweisen an die Polizei zu schicken. So lange, bis Michael Hoffmann, der als hartnäckiger und erfahrener Ermittler gilt, nun die Geduld verlor.

Auch Rebeccas Familie von Hellseher kontaktiert

Michael Schneider ist überzeugt, dass er hellseherische Fähigkeiten hat. 

Michael Schneider ist überzeugt, dass er hellseherische Fähigkeiten hat. 

© Erhard Paul

So schreibt er: „Jetzt noch einmal – die Berliner Polizei geht keinen Hinweisen von Sehern, Geisterkontaktlern, Kartenlegern, Pendelschwingern, Kaffeesatzlesern, Wahrträumern, Wünschelrutengängern, remote Viewern, Astralwahrnehmern, Computerfrequenzauslesern usw. nach.“

Doch nicht nur die Polizei, auch mehrere Zeitungsredaktionen sowie Opferorganisationen und sogar die Familie selbst hatte Schneider kontaktiert. So hatte er nach eigener Aussage „kurz nach Beginn des Verschwindens von Rebecca kurz Kontakt zu Frau Reusch und sie höflich und zurückhaltend am Telefon gefragt, ob sie meine Sehung zu Rebecca wollte“. Laut Schneider habe sie ihm geantwortet, dass „ich ihr meine Sehung per Mail zukommen lassen möge“. Was der Hellseher auch tat – doch die angebliche Fundstelle, ein kleiner Wald in Großziethen, stellte sich als falsch heraus.

Schneider gibt weiterhin Tipps zu möglichen Fundorten von Rebecca

Zwar kontaktierte Schneider Rebeccas Familie anschließend nicht mehr, die Berliner Polizei erhielt jedoch weiterhin regelmäßig Koordinaten möglicher Fundorte Rebeccas sowie Kontaktdaten zu angeblichen Zeugen. Damit soll nun endlich Schluss sein. Das hofft zumindest Mordkommissions-Leiter Michael Hoffmann. Das schreibt er auch dem Hellseher in sarkastischen Worten: „Weitere Kontaktversuche, das sollten Sie eigentlich vorhersehen können, sind somit für Sie nicht zielführend“.

Polizisten bei der Suche nach Rebecca, hier in einem Waldstück bei Kummersdorf.

Polizisten bei der Suche nach Rebecca, hier in einem Waldstück bei Kummersdorf.

© dpa

In einer Antwort auf die Mail des Kriminalhauptkommissars schreibt Michael Schneider zwar, dass er „kein Stalker“ sei und „Ihr Nichtwollen selbstverständlich“ akzeptieren würde. Nach mehreren Sätzen, in denen sich Schneider von anderen Hellsehern abgrenzt, wünscht er schließlich noch „viel Erfolg bei der Lösung des Falles“. Um hinter einem PS dann doch noch hinzuzufügen: „Bei allen Stellen südlich der A12 werden Sie nicht fündig werden, da Rebecca eindeutig nördlich der A12 liegt“.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema