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Vermisstenfall

Noch immer keine Spur: Vor genau fünf Jahren verschwand Rebecca Reusch aus Britz

Am Morgen des 18. Februar 2019 verschwand Rebecca Reusch aus dem Haus ihrer Schwester in Neukölln. Die Polizei vermutet, dass sie getötet wurde, beweisen kann sie es aber nicht.

Team News Kathrin Merz Andreas Kopietz kme/Andreas Kopietz/BLZ/dpa
5 Min
Weiterhin gibt es kein Lebenszeichen der vermissten Rebecca Reusch.

Weiterhin gibt es kein Lebenszeichen der vermissten Rebecca Reusch.

© Polizei Berlin

Seit fünf Jahren wird Rebecca Reusch vermisst. Die damals 15-Jährige verschwand am Morgen des 18. Februar 2019 aus dem Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers im Neuköllner Ortsteil Britz. Ein Lebenszeichen von ihr gibt es bis heute nicht.

Rebecca hatte damals die Nacht bei ihrer Schwester und deren Mann verbracht. Am Morgen ging die Schwester mit ihrer Tochter aus dem Haus, um zur Arbeit zu fahren. Bei der Polizei sagte sie später aus, dass sie nicht noch einmal nach Rebecca gesehen habe. Die Ermittlungen ergaben, dass Rebeccas Handy zuletzt um 7.46 Uhr im WLAN ihrer Schwester eingeloggt war. Dann blieb ihr Telefon aus.

Als die Jugendliche auch am nächsten Tag verschwunden blieb, machten sich Freunde von Rebecca selbstständig auf die Suche nach dem Mädchen. Unter anderem hängten sie an Litfaßsäulen Suchplakate auf.

Ein Suchaufruf: Wo ist Rebecca Reusch?

Ein Suchaufruf: Wo ist Rebecca Reusch?

© Eric Richard

Rebecca Reusch vermisst: Polizei geht von Tötungsdelikt aus

Die Ermittlungen übernahm die 3. Mordkommission des Landeskriminalamtes. Denn die Polizei ging bald davon aus, dass Rebecca getötet wurde. Das vermutet sie auch heute noch. Die Polizei verdächtigt den damals 27-jährigen Ehemann der Schwester, Rebecca umgebracht und die Leiche beseitigt zu haben, nachdem die Schwester zur Arbeit gegangen war. 

Rebeccas Schwager saß zweimal wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft, musste aber wieder entlassen werden. Er bestreitet, etwas mit dem Verschwinden der damals 15-Jährigen zu tun zu haben. Für die Polizei gilt er weiterhin als einziger Verdächtiger. Zwischenzeitlich veröffentlichte die Polizei ein Foto des Mannes mit der Bitte um Zeugenhinweise – bis sie es wieder löschen musste.

Seine Anwältin richtete danach schwere Vorwürfe gegen die ermittelnden Behörden und die Medien. Die Veröffentlichung vieler Ermittlungsdetails und eines Fotos ihres Mandanten habe zu einer Vorverurteilung geführt, sagte die Juristin. Sie kritisierte zudem, die aus ihrer Sicht einseitigen Ermittlungen. Die Polizei sei nur noch mit der Suche nach einer Leiche beschäftigt, die es möglicherweise gar nicht gebe.

Die Familie hatte im vergangenen Jahr gegenüber dem Sender RTL geäußert, dass sie glaube, dass Rebecca noch lebt und von jemandem festgehalten werde. Staatsanwaltschaft und Polizei sind jedoch davon überzeugt, dass das Mädchen tot ist und der Mörder sie irgendwo vergraben hat.

Das Kennzeichenerkennungssystem an der Autobahn A12 erfasste den Renault Twingo, mit dem der Schwager am Vormittag in Richtung Polen unterwegs war. Zum Grund seiner Fahrt machte er keine Angaben. Im Februar 2019 will eine Spaziergängerin in einem Wald nahe Kummersdorf bei Storkow den himbeerroten Twingo, der auf Fahndungsplakaten der Polizei abgebildet war, wiedererkannt haben.

Große Suche nach Rebecca Reusch bleibt erfolglos

Was folgte, waren große Suchaktionen in den kommenden Monaten. Hundertschaften der Berliner Polizei durchsuchten Waldstücke bei Storkow. Leichenspürhunde schnüffelten im Unterholz und an Seeufern, Mantrailer-Hunde wurden an der Autobahn entlanggeführt, Taucher suchten Seen ab – alles vergeblich. Tausende Hinweise von Bürgern gingen bei der Polizei ein. Selbst ein Wahrsager meldete sich bei der Mordkommission und bei Zeitungsredaktionen. Er glaubte zu wissen, wo die Leiche vergraben ist. Andere wollen Rebecca im Ausland, darunter in Polen, wiedererkannt haben. 

Einsatzkräfte mit ihrem Spürhund bei der Suche nach Rebecca.

Einsatzkräfte mit ihrem Spürhund bei der Suche nach Rebecca.

© xcitepress/Imago

Bisher fehlt der Polizei die entscheidende Spur – Kriminalist Axel Petermann ist jedoch optimistisch, dass der Fall noch aufgeklärt werden kann: „Ich halte die Chancen für eine späte Aufklärung immer für gegeben“, sagte Petermann der Deutschen Presse-Agentur. „Ich bin optimistisch und denke, man muss es weiter probieren. Da braucht man auch Glück und bestimmte Voraussetzungen“, sagte der Profiler, der lange die Bremer Mordkommission leitete.

Auch Axel Petermann geht davon aus, dass Rebecca das Haus ihrer Schwester nicht lebend verließ. „Es ist dem Täter offensichtlich gelungen, recht schnell und sehr strukturiert vorzugehen, als es darum ging, Rebecca aus dem Haus zu schaffen und das Mädchen zu verbergen, sodass sie bis heute nicht gefunden wird“, sagte Petermann. Dass der Täter nach wie vor alles für sich bewahrt, sei auch ein Zeichen von „viel Durchhaltevermögen, Kaltschnäuzigkeit und Abgebrühtheit“, so der Profiler.

Zudem ist es laut Petermann wichtig, „erst einmal zu schauen, welche Menschen bis zum Tode Kontakt mit Rebecca hatten“. Es könne auch im Vorfeld etwas passiert sein, als die Schwester der 15-Jährigen noch im Haus war, „deswegen würde ich immer versuchen, all diejenigen, die noch infrage kommen, nicht auszuschließen“, erklärt der Kriminalist.

Kriminalist zum Vermisstenfall Rebecca: „Man darf nicht nachlassen“

Ob Ermittlungen bei derartigen „Cold Cases“ erfolgreich sind, hängt laut Petermann von mehreren Faktoren ab. So käme es etwa auf die Intensität der weiteren Ermittlungen und neu aufkommende Spuren an, sagte der Experte. Doch auch alte Indizien können laut dem Kriminalisten durch moderne technische Möglichkeiten neue Brisanz erhalten. Auch ein „gewisses Glück“ spiele eine Rolle. Die Kriminalistik sei jedoch „so reich an positiven Beispielen“, dass man auch viele Jahre danach eine Aufklärung herbeiführen könne. „Deswegen darf man da einfach nicht nachlassen“, sagt Petermann.

Vor einem Jahr veröffentlichte die Berliner Polizei erneut einen Suchaufruf und Fotos von Rebeccas Bekleidung. Rebecca Reusch trug bei ihrem Verschwinden eine rosafarbene Plüschjacke, einen weißen Kapuzenpullover mit Aufschrift „RAP MONSTER“ und blaue Jeans mit zerrissenen Knien. Sie hatte schwarz-weiße Sportschuhe der Marke „VANS“, an sowie eine große beige-rosafarbene Handtasche und einen roten Rucksack dabei.

Rebecca Reusch (15) verschwand auf dem Schulweg. Die Polizei veröffentlichte Bilder ihres Rucksacks und ihrer Kleidung. 

Rebecca Reusch (15) verschwand auf dem Schulweg. Die Polizei veröffentlichte Bilder ihres Rucksacks und ihrer Kleidung. 

© Polizei/Collage: BLZ

Hinweise nimmt die Berliner Polizei unter der Tel. 030/4664-911333 entgegen oder per E-Mail an lka113-hinweis@polizei.berlin.de.

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