BERLIN, 29. Mai. Mit Gelassenheit haben Wirtschaftsexperten auf das Nein der Franzosen reagiert. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) wertete das gescheiterte Referendum zwar als ein Misstrauensvotum gegen die EU. "Angesichts des erheblichen politischen und ökonomischen Gewichts Frankreichs in Europa beeinträchtigt diese Entscheidung die Reputation des gemeinsamen Wirtschafts- und Währungsraumes", sagte BDI-Konjunkturexperte Reinhard Kudiß der Berliner Zeitung. Damit werde die Entwicklungsfähigkeit Europas gehemmt. Der BDI-Experte betonte aber zugleich: "Die Entscheidung in Frankreich löst keine schockartigen Entwicklungen auf den Finanzmärkten aus." Langfristig werde Europa zu einer Verfassung kommen, der Rückschlag sei nicht unüberwindbar.Das Nein der Franzosen zeige den Finanzmärkten, "auf welch brüchigem politischen Fundament der Euro steht", sagte Ralph Solveen, Leiter des Economic Research der Commerzbank. Er hält Verluste des Euro-Kurses in den nächsten Tagen für möglich, allerdings nur kurzfristig. "Der Euro hat bereits stark verloren, die Entscheidung dürfte also schon im Kurs enthalten sein." Langfristig dürfte die Entscheidung allerdings keinen Einfluss auf den Euro-Kurs haben. "Die EU bleibt ja auf der Grundlage des Nizza-Vertrages weiter handlungsfähig", so Solveen.Auch der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, Jörg Krämer, glaubt nicht, dass das wirtschaftliche Zusammenwachsen Europas nun zum Stillstand kommt. "Die EU ist erfahren im Umgang mit Krisen", so Krämer. So hätten weder das Nein der Dänen zum Maastricht-Vertrag noch die Währungskrise 1992 oder die Ablehnung des Nizza-Vertrags durch Irland 2001 das EU-Projekt gestoppt. Das Nein der Franzosen oder der Niederländer am 6. Juni ließe sich ebenfalls reparieren. (kau., ml.)
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