OBERSCHÖNEWEIDE. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) war beeindruckt: "Meist werden Bürgerinitiativen gegründet, um etwas zu verhindern, aber hier geht es darum, etwas zu schaffen", sagte er gestern bei einem Besuch in Oberschöneweide. Die Bürgerplattform "Organizing Schöneweide - Bürger verändern ihren Kiez" hatte ihn eingeladen. Das Bündnis vereinigt 17 Gruppen Ehrenamtlicher, unter anderem von Kleingartenanlagen, Kirchengemeinden und Schulen. Alle wollen den Stadtteil wirtschaftlich voranbringen. In Oberschöneweide gingen nach der Wende 25 000 Arbeitsplätze verloren, riesige Brachen warten auf Investoren, ein Verkehrskonzept fehlt. Die Bürgerplattform will Politiker dazu bringen, sich zu Problemen zu positionieren. Wowereit reagierte prompt, er benannte gestern einen Mitarbeiter der Senatskanzlei als Verbindungsmann zur Plattform und versprach regelmäßige Kontakte. Im Kontext zum neuen Flughafen gebe es gute Chancen, aber: "Neue Konzepte für neue Arbeitsplätze dauern lange."Das Plattform-Prinzip ist laut Wowereit in Berlin einmalig: "Politiker müssen lernen, dass Engagement ihnen nutzt und nicht schadet." Dies war ein Seitenhieb auf das Bezirksamt Treptow-Köpenick, das gestern erneut trotz Einladung einer Bündnis-Veranstaltung fern blieb. Wowereit: "Ich habe wenig Verständnis dafür, dass ein solches Potenzial, das es in keiner Verwaltung gibt, nicht genutzt wird." Laut Bürgermeisterin Gabriele Schöttler (SPD) kam die Einladung erst am Montag und damit zu spät. Sie räumte Probleme mit dem Bündnis ein, das "offensichtlich nicht an Zusammenarbeit interessiert" sei.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de