BERLIN. Nach den Pannen im störanfälligen Kernkraftwerk Krümmel haben Nuklearexperten der Bundesregierung nahe gelegt, Kernkraftwerke älterer Bauart schneller vom Netz zu nehmen als geplant. Ältere Meiler seien technisch anfälliger und schlechter gegen Terrorangriffe geschützt, sagte Michael Sailer, Mitglied der Reaktorsicherheitskommission (RSK) der Bundesregierung, der Berliner Zeitung. Mit Blick auf eine Laufzeitverkürzung für alte Anlagen fügte er hinzu: "Viele Fachkollegen, die der Kernenergie zugeneigt sind, vertreten diese Auffassung." Sailer gehört zu den atom-kritischen Mitgliedern des Gremiums, das die Regierung in Fragen der Sicherheit kerntechnischer Anlagen berät."Mit jedem Jahr, in dem ein Kernkraftwerk länger läuft, vergrößert sich das Risiko", stellte Sailer fest. Die Sicherheitssysteme älterer Meiler seien weniger umfangreich, es werde eine ältere Technologie verwendet und der Verschleiß sei größer. Einen Aufprall durch ein Flugzeug würden sie nicht überstehen. Der Experte betonte: "Kein deutsches Kraftwerk erfüllt die modernen Sicherheitsanforderungen, die heute für Neubauten in Europa diskutiert werden." Zu den Alt-Anlagen gehörten neben Krümmel unter anderem die hessischen Meiler Biblis A und B.Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) legte gestern Gesetzentwurfe vor mit dem Ziel, die ältesten sieben Kernkraftwerke in der nächsten Legislaturperiode vom Netz zu nehmen. Im Gegenzug dafür dürften die Kernkraftwerke neuerer Bauart ein paar Jahre länger laufen. Außerdem will Gabriel die Sicherheitsauflagen verschärfen und eine Steuer auf Kernbrennstoffe einführen, mit denen unter anderem die Sanierung der maroden Endlager in Morsleben und in Asse finanziert werden soll.Ob die Gesetze in Kraft treten, hängt allerdings vom Ausgang der Bundestagswahl ab. Denn die Union vertritt bei der Kernenergie eine gegensätzliche Position. Sie will die Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke verlängern. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bekräftigte gestern diese Haltung. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte angekündigt, den Atomausstieg nach der Wahl aufheben zu wollen.Mit Blick auf das wegen eines Kurzschlusses abgeschaltete AKW Krümmel vertraten Merkel und Gabriel ebenfalls unterschiedliche Positionen. Merkel will ein Wiederanfahren nicht ausschließen, sollte der Betreiber Vattenfall das Vertrauen der Bürger wiedergewinnen. Gabriel dagegen will die Schließung durchsetzen, notfalls durch eine Weisung aus Berlin. Vattenfall selbst will Krümmel wieder ans Netz nehmen.Politik Seite 5------------------------------"So lange Kernkraftwerke laufen, gibt es ein Sicherheitsrisiko."Michael Sailer
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