Deutschland steht vor einer industriellen Bewährungsprobe, deren Ernst von vielen lange unterschätzt wurde. Was manchen zunächst als konjunkturelle Schwäche erschien, hat sich zu einem strukturellen Problem verdichtet. Industrielle Wertschöpfung geht verloren, Arbeitsplätze verschwinden, Investitionen werden verschoben, Insolvenzen nehmen zu. Besonders sichtbar ist diese Entwicklung in der Automobilindustrie, jenem Sektor, der über Jahrzehnte wie kaum ein anderer für die Leistungsfähigkeit des deutschen Wirtschaftsmodells stand. Die Zahlen sind eindeutig.
Nach einer Auswertung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY sind in Deutschland seit 2019 um die 341.500 Industriearbeitsplätze verloren gegangen, rund 125.800 davon in der Automobil- und Automobilzulieferindustrie. Ende des ersten Quartals 2026 beschäftigte die deutsche Industrie 127.300 Menschen weniger als ein Jahr zuvor. Hinzu kommt eine weiter angespannte Insolvenzlage: 2025 registrierten deutsche Amtsgerichte den höchsten Stand an Unternehmensinsolvenzen seit 2014, und Besserung ist nicht in Sicht. Das Gespenst der Deindustrialisierung geht inzwischen um im politischen Berlin.
Industrialisierung
Warum wir China für Deutschlands Reindustrialisierung brauchen
Deindustrialisierung, Stellenabbau und schwache Investitionen setzen unseren Industriestandort unter Druck. Warum China für den wirtschaftlichen Neustart wichtiger werden könnte. Ein Gastbeitrag.
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Ende Mai 2026 traf Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche den chinesischen Vizeminister Zhou Haibing zu Gesprächen in Peking.
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