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Was hilft bei Reise- und Flugangst? Psychologin gibt Tipps

Warum hat man Angst vor dem Verreisen oder dem Fliegen? Und was hilft dagegen? Eine Expertin klärt auf und gibt Tipps.

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Die Angst vor dem Reisen und Fliegen kann so groß sein, dass schon der Gedanke daran Panik aufkommen lässt.

Die Angst vor dem Reisen und Fliegen kann so groß sein, dass schon der Gedanke daran Panik aufkommen lässt.

© Fotoillustration: Roshanak Amini für Berliner Zeitung am Wochenende. Bilder: Imago

Furcht vor weiten Reisen, Panik beim Gedanken ans Fliegen, Vermeiden von Auto- und Bahnfahrten: Wer unter Reise- oder Flugangst leidet, ist in seinem Bewegungsradius stark eingeschränkt, streng genommen sogar in seiner Lebensqualität, denn ein richtiger Urlaub ist fast unmöglich.

Im diagnostischen Sinne sind Reise- und Flugangst eine Angststörung, so Psychologin Sophie Schürmann von Peers, einer Plattform, die online Unterstützung bei psychischen Problemen bietet – als Ergänzung zur Psychotherapie, aber ebenso als Vor- oder Nachsorge. Einige Krankenkassen übernehmen sogar die Kosten oder bezuschussen die Kurse.

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Auch über Panikattacken kann man sich bei Peers mit anderen Betroffenen austauschen. Das als lebensbedrohlich empfundene Phänomen kennen viele, die von Reise- und Flugangst betroffen sind: Gefühle der Ohnmacht, des Ausgeliefertseins und des Nicht-Wegkönnens.

Nicht jede Reise- und Flugangst geht mit Panikattacken einher, aber sie können ein Symptom sein. Je nachdem, wie stark die Angst ausgeprägt ist, variieren die Anzeichen. Selbst von Mensch zu Mensch und auch von Situation zu Situation kann sich die Angst auf verschiedene Weisen zeigen.

Was ist der Unterschied zwischen Reise- und Flugangst?

Schweißnasse Hände, Herzklopfen, trockener Mund, Unwohlsein, Übelkeit, Atembeschwerden, Schwindel – die Liste der Symptome von Reise- und Flugangst ist lang und weitgehend identisch.

„Reiseangst ist eine allgemeine Angst vor dem Reisen, die sich auf die Transportmittel richtet und zum Beispiel auch die Angst vor dem Unbekannten meint“, sagt Psychologin Sophie Schürmann.

Sophie Schürmann von Peers

Sophie Schürmann von Peers

© David Wilms/Styler Photography

Wer Angst hat, weit weg zu sein oder an einem Ort mit unbekannten Fluchtmöglichkeiten, leidet unter Platzangst (Agoraphobie). Umgangssprachlich wird diese oft fälschlicherweise Klaustrophobie genannt, doch diese umschreibt das Phänomen, es in kleinen Räumen, vielleicht noch in Kombination mit vielen Menschen, nicht aushalten zu können. Beide Ängste können auch kombiniert auftreten.

Die Flugangst (Aviophobie) hingegen bezieht sich, wie der Name schon verrät, auf die Angst vor dem Fliegen. „Und da reicht es teilweise schon, dass man nur daran denkt, in einem Flugzeug zu sitzen, um die Angstgefühle auszulösen“, so die Expertin.

Menschen mit Flugangst können häufig auf andere Transportmittel ausweichen; jene mit Reiseangst sind teilweise gar nicht in der Lage zu verreisen. Die Angst vor dem Autofahren wird Amaxophobie genannt und kann stark lebenseinschränkend sein, weil die Furcht vor Unfällen zum Beispiel riesig ist.

Wie entstehen Reise- und Flugangst?

Woher diese Ängste kommen, ist nicht ganz klar beziehungsweise individuell verschieden. Möglicherweise gab es mal negative Erfahrungen. „Aber man kann auch Ängste aufgrund von schlechten Nachrichten und Katastrophen entwickeln“, weiß Sophie Schürmann.

Wenn man also von abstürzenden Flugzeugen liest, entgleiste Züge sieht und immer wieder von Autounfällen hört, kann einem das Angst machen – und zwar so sehr, dass man das Verreisen lieber ganz vermeidet, als ein Risiko einzugehen. Es geht folglich um das eigene Gefühl in Bezug auf eine drohende Katastrophe, nicht um das tatsächliche, statistisch relevante Risiko.

Nicht selten spielt aber auch die Angst vor der Enge eine Rolle, die Klaustrophobie: Man ist quasi eingesperrt, fühlt sich eingepfercht. „Das geht einher mit einem enormen Kontrollverlust, der für Betroffene schwer zu ertragen ist“, erklärt die Psychologin.

Zudem können soziale Ängste die Reise- und Flugangst befeuern. Gemeint ist die Angst, unter Beobachtung zu stehen, mit zu vielen Menschen gleichzeitig zusammen sein zu müssen. Das allein ist für manche Menschen schon schwierig. Hinzu kommt, „dass der Druck, jetzt bloß keine Panikattacke zu kriegen, genau dazu führt und das Reisen umso mehr erschwert“, sagt Schürmann.

Wie kann man Reise- und Flugangst besiegen?

„Es gibt eine Reihe von Strategien, mit denen sich Ängste in den Griff kriegen lassen“, sagt die Peers-Expertin. „Dazu zählen vor allem Entspannungstechniken, Atemübungen, progressive Muskelrelaxation und Meditation. Das beruhigt nachweislich und kann dazu beitragen, dass man kritische Situationen besser meistert.“

Diese Techniken übt man idealerweise lange vor der Reise und eignet sie sich so an, dass das Procedere im richtigen Moment abgerufen werden kann. Ratsam ist es auch, sich gedanklich auf eine (bevorstehende) Reise zu begeben, sich das Transportmittel vorzustellen und dann mithilfe der gewählten Strategie Ruhe zu bewahren.

Das Vorgehen ist Teil einer Expositionsstrategie, die von Fachleuten empfohlen wird: „Um Ängste zu besiegen, muss man sich ihnen stellen. Üblicherweise geschieht das schrittweise: Anfangs stellt man sich das nur vor, und dann tastet man sich Schritt für Schritt heran“, so Sophie Schürmann.

Im konkreten Fall bedeutet das, dass Sie mit dem zuvor geschilderten Gedankenexperiment beginnen. Wenn Ihnen das keine großen Probleme mehr bereitet, fahren Sie eine kurze Strecke mit einem bestimmten, eigentlich angstmachenden Transportmittel beziehungsweise zum Flughafen und gucken sich dort um.

In einem weiteren Schritt können Sie die Fahrten oder die Aufenthaltsdauer ausdehnen, bis Sie so weit sind, tatsächlich eine Reise anzutreten. Immer mit im Gepäck: Entspannungsübungen. Nehmen Sie bei Ihren Expeditionen auch immer einen lieben Menschen mit, der Sie unterstützen kann.

Bei Flugangst gibt es spezielle Seminare und Anbieter, die beim Besiegen der Phobie helfen. Teil dessen ist es oft, auch in einem Flugsimulator Platz zu nehmen. Falls Sie sich stark genug fühlen und es selbst mal probieren möchten: Beim Weddinger Flugsimulator dürfen Sie im Cockpit einer Boeing 737 Platz nehmen (Kosten: ab 89 Euro).

„Bei solchen Seminaren geht es hauptsächlich um Wissensvermittlung, sodass Betroffene das Gefühl der Kontrolle wiedererlangen“, so Schürmann. Schlussendlich können Ängste aber auch im Rahmen einer Psychotherapie analysiert und bearbeitet werden.

Sind Medikamente sinnvoll bei Reise- und Flugangst?

Natürlich kann man Beruhigungsmittel einnehmen, wenn man sich auf Reise begibt und die Angst eindämmen möchte. Allerdings, so die Expertin, behandele man damit lediglich das Symptom, nicht die Ursache, was letztlich zielführender ist.

Ob und welches Medikament im Einzelfall geeignet ist, sollte man mit einem Arzt oder einer Ärztin besprechen, weil die Gefahr der Abhängigkeit besteht. „Es kann aber schon helfen, wenn man sich während der Reise ablenkt, beispielsweise durch einen schönen Podcast, sodass die Gedankenspiralen gar nicht erst beginnen“, so die Psychologin.

Kluge Ratgeber: Diese Bücher können bei Flugangst helfen

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