Reistester Fak

Der Kenner des Korns

Stefan Fak hat seine recht ungewöhnliche Leidenschaft zum Beruf gemacht: Er ist Reistester. Immerhin gibt es weltweit rund 120.000 Sorten.

Benedikt Paetzholdt
4 Min
Der Preis ist Reis: Stefan Fak testet die Qualität des Korns.

Der Preis ist Reis: Stefan Fak testet die Qualität des Korns.

© lotao.com Lizenz

Einen wie ihn gibt es nur ein Mal. Das sagt zumindest Stefan Fak, der sich als Erfinder einer ausgefallenen Profession rühmt. Seit 2010 nennt er sich Risolier. Die Ähnlichkeit seiner Wortschöpfung zu der des Sommeliers, des Weinkenners, ist wohl gewählt. Bloß dass sich das Leben des 39-jährigen Wahlberliners eben nicht um Wein dreht, sondern um das Reiskorn. Fak testet ständig neue Sorten, berät Kunden und versteht sich als wandelndes Lexikon. Aber er ist auch Geschäftsmann, der ausgefallene Sorten Reis vertreibt.

Angefangen hat alles vor drei Jahren. Der gelernte Betriebswirt machte in Deutschland Werbung für Reisen in sein Heimatland Österreich. Als ihn das nicht mehr erfüllte, ging er in Südostasien auf Sinnsuche. Im Süden Vietnams, im Mekong-Delta, lernte er eine Frau kennen, die in ihm die Reis-Leidenschaft weckte. Sie erzählte, wie sehr der unscheinbare Rohstoff das Leben der Menschen in diesen Ländern prägt.

Als Schnapsidee begonnen

In dem Aussteiger reifte die Gewissheit: „Ich muss irgendwas mit Reis machen.“ Was als Schnapsidee begann, wurde, kaum zurück in Berlin, zum Geschäftsmodell entwickelt. Er machte sich selbstständig und taufte sein junges Unternehmen auf den Namen Lotao, zu Deutsch: das Gold der Völker.

„Ich wollte auf jeden Fall dazu beitragen, dass sich in der Art und Weise, wie wir den Reis wahrnehmen, etwas verändert“, sagt er. Für viele Leute sei das Produkt uninteressant. Es gehe meist nur darum, was es als Beilage zum Essen gibt: Nudeln, Kartoffeln oder eben Reis. So sei den meisten auch gar nicht klar, wie vielseitig das Korn ist. Immerhin gibt es weltweit rund 120.000 Sorten „Für jeden Anlass ist das Passende dabei“, so Fak. „Manchmal passt ein Klebreis besser, manchmal ist ein Reis aus Sri Lanka mit einer linsenähnlichen Konsistenz eher geeignet. Das kann man beliebig lange fortführen.“

Los ging die Unternehmung in Deutschland mit einer Sammelbestellung: Reisbauern aus aller Herren Länder wurden gebeten, ihre Saat nach Berlin zu schicken. Was folgte, war ein großes Geschmacks-Casting. Mehr als hundert Proben landeten in Faks Büro in Prenzlauer Berg. Aus dem Sammelsurium wählte er schließlich die Sorten aus, die besonders überzeugten.

In der heimischen Küche begutachtete der Reistester dafür zunächst Körnung und Farbe. So gibt es zum Beispiel grünen Reis, der nicht nur farblich ansprechend ist, sondern auch ein interessantes Minz-Aroma hat. Der Fachmann probierte den gekochten Reis zunächst pur und überlegte sich dann, was dazu passen könnte. Denn der Reis ist für Stefan Fak nicht Beilage eines Essens, sondern die Basis.

Nach der Verkostung ging die Arbeit erst richtig los. Kein noch so gutes Produkt lässt sich vermarkten, wenn die Außendarstellung nicht stimmt. Zusammen mit Studenten der privaten Hochschule für Design und Informatik entstanden Verpackungen, die Interesse an dem unscheinbaren Getreide wecken sollen – diese werden inzwischen in der Mosaik-Behindertenwerkstatt in Spandau gefertigt.

Edel und nicht ganz billig

Ebenso wichtig war es, ansprechende Namen zu finden. Heute finden sich im Sortiment pathetische, doch wohlklingende Titel wie „Sparkling volcano terra“, „Rising Sun“ oder „Wizard of Laos“. Damit ging der Werbefachmann auf Akquise fürs geliebte Korn. Das Feinschmecker-Unternehmen Käfer aus München hatte als erstes Interesse daran, das gängige Reissortiment zu erweitern. Nach und nach wuchs dann der Kreis der Interessenten: Über 80 Händler haben Faks Reisauswahl mittlerweile im Sortiment.

Supermärkte stehen auf der Liste, aber auch Kaufhäuser mit exquisitem Angebot wollen auf die edlen Körner nicht mehr verzichten. Ganz billig sind die schicken Päckchen mit den Körnern allerdings nicht zu haben. Knapp zehn Euro sind für das 400-Gramm-Päckchen zu berappen. Fragen, ob diese Summen gerechtfertigt sind, grenzen für Fak schon fast an Beleidigung. „Klar essen viele lieber billigen Kram. Aber was den Kunden in den Läden angeboten wird, ist doch langweilig. Vielen Leuten ist Qualität zum Glück auch was wert.“

Dem Risolier geht es um mehr als die bloße Vermarktung eines Produkts. Er möchte die Wissenschaft eines vernachlässigten Kulturguts verbreiten und irgendwann selber neue Risoliers ausbilden. Interessenten können sich schon mal auf ein straffes Programm einrichten. Reis- und Rezeptlehre müssten dann genauso auf dem Lehrplan stehen wie Marketing oder kulturpolitische Aspekte, so Fak.

Doch erstmal muss das junge Unternehmen reifen. Noch stecken vor allem private Ersparnisse in der Herzensangelegenheit. Deshalb werden auch stetig neue Betätigungsfelder gesucht. Derzeit wird am Zucker getüftelt. Entsprechende Probierpäckchen stehen schon auf dem Schreibtisch. An eine Namensänderung ist derzeit aber noch nicht gedacht. Aber wer weiß. Zuccherolier klingt ja auch ganz spannend.

Weitere Informationen unter lotao.com

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