Vom alpinen Sonnenaufgang über einem kapitalen Sechstausender (Trenker) bis zur ewigen Dämmerung in "Berlin Alexanderplatz" (Fassbinder) reicht die Bandbreite des deutschen Films, zwischen Helge Schneider und Werner Herzog, zwischen Komödie und Melodram ist alles drin. Am 9. Juni jedoch könnte das Kino hierzulande um etwas bereichert werden, das bisher eher MTV zu eigen war: Rasende Geschwindigkeit durch rasante Schnitte.Für die 2 000 Gäste der Filmpreisverleihung im Friedrichstadtpalast hat sich Produzentin Regina Ziegler einen Wachmacher ausgedacht, der zum diesjährigen Motto "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da" paßt: 150 Filme aus 100 Jahren Kino werden zu sehen sein - in einer Gesamtzeit von anderthalb Minuten! Das macht rein rechnerisch etwas mehr als eine halbe Sekunde pro Werk 90 Sekunden Leistungsschau des deutschen Films von "Metropolis" bis zum "Bewegten Mann" - ein Unternehmen, das fast fünf Monate in Anspruch nahm. Zunächst wurde das "Wer" bestimmt, danach das "Woher", wobei oft die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden helfen konnte. Nach Durchsicht der Sendebänder mußten erst einmal die Hürden der Bürokratie überwunden werden: Über 60 verschiedene Rechte-Inhaber wurden ausfindig gemacht und um Erlaubnis für den kurzen Schnitt gebeten. Überraschend für Regina Ziegler: "Alle wollten mitmachen - und zwar kostenlos. Es gab zum allerersten Mal ein agreement zwischen allen Verleihern!"Von den Anfängen 1895 bis zum Jahr 1995 die absoluten "Topszenen" - die, bei denen ein Augenzwinkern ausreicht, um das Werk zu erkennen: Sie wurden "abgeklammert", wie es der Filmschaffende nennt, und dann via Schnittcomputer zur musikclipschnellen Abfolge zusammengefügt - dem "Filmritt". Eine Reise, bei der man der "Blechtrommel" begegnen könnte oder Heinz Rühmann, wo Marlene ihre Beine zeigen oder eine Stadt einen Mörder suchen könnte die großen Momente eines Jahrhunderts Kino, ein 90-Sekunden-Werbespot als überwältigender Beweis dafür, daß " das deutsche Kino repräsentativ ist!"Was genau Regina Ziegler als Höhepunkte auserkoren hat, das bleibt bis zum 9. Juni ein streng gehütetes Geheimnis - und noch geheimer ist, daß es einen zweiten "Filmritt" geben wird, mit einem Sujet, ohne das das Kino gleich viel trostloser wäre
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