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Die einen tun es aus religiösen Gründen, die anderen aus hygienischen, wobei beides zusammenhängt, denn die Beschneidung von Jungs ist historisch vor allem aus dem nahöstlichen Bereich bekannt. Dort, wo Wüste herrscht und wo Christen, Moslems und Juden ihren Ursprung haben, war die Beschneidung einst eine hygienische Maßnahme.
Einige muslimische Gelehrte verstehen die Entfernung der Vorhaut als rituelle Reinigung, vor allem aber als Handlung, um dem Propheten Mohammed zu folgen. Meist betrifft es die kleinen Jungs, die in der Regel nicht gefragt werden. Im Alten Testament und in der Thora steht: „Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden; eure Vorhaut sollt ihr beschneiden. Das soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und euch.“
All diese Gedanken und Gebote spielten in meinem Fall keine Rolle. Bei mir, der ich bereits einige Jahrzehnte mit Vorhaut hinter mir hatte, waren die Gründe andere. Ich leide seit Jahren unter Diabetes, und diese Krankheit bringt manchmal eine Vorhautverengung mit sich. Man konnte es zeitweise mit Medikamenten behandeln, aber auf Dauer funktionierte das nicht. Die verschiedenen Salben brachten stets nur kurzen Erfolg, aber immer kürzer und seltener.
Mit der Diagnose Phimose sind vor allem das Pinkeln und der Geschlechtsverkehr behindert. Auf der Toilette zieht man in der Regel seine Vorhaut zurück, damit nicht alles in alle Richtungen herumspritzt. Schlimmer ist es aber beim Sex, der funktioniert dann gar nicht mehr, jedenfalls nicht, solange der Penis eine Rolle spielt. Wenn die Vorhaut so eng ist und nicht mehr zurückgezogen werden kann, ist auch nicht mehr an das Überziehen eines Kondoms zu denken. Nur einmal habe ich es trotzdem versucht – der Schmerz war unerträglich.
Letztendlich hat mich meine Urologin davon überzeugt, einer Beschneidung zuzustimmen. Ein Jahr lang hatte ich zuvor noch Hoffnung, ohne eine Operation davonzukommen – vergeblich, es wurde ja nicht mehr besser. Und eine Alternative gab es nicht.
So saß ich leicht verzweifelt vor dem mehrseitigen Infoblatt mit den Zeichnungen, die mir die Durchführung der Vorhautentfernung in anschaulichen Bildern erklären wollten. Ich hatte Angst und konnte mich kaum konzentrieren. Was angekommen ist: Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Beschneidung, sowohl im Hinblick auf die Methode als auch darauf, wie viel abgeschnitten wird.
Chirurgische Instrumente für eine jüdische Beschneidungszeremonie
© Bea Kallos/dpa
Nach der Operation: Noch alles da?
Drei Monate später war es so weit. Vor der Operation sollte ich mich entscheiden: örtliche Betäubung oder Vollnarkose. Die Vorstellung, dass ich die Gespräche während der OP mithören sollte, machte mir wieder Angst. Dann lieber einschlafen und ein paar Gramm leichter wieder aufwachen. Die Urologin war sehr mitfühlend, versicherte mir, dass sie das schon etliche Male gemacht habe und es nie Komplikationen gab. Ich müsste keine Bedenken haben. Aber was weiß sie schon von Kastrationsängsten, die selbst nie einen Penis hatte?
Als ich nach der Operation in einem Extraraum erwachte, fühlte ich erst mal, ob noch alles da war. Ein dicker Verband war um meinen Penis geschnürt, nur vorn hatten sie ein kleines Loch gelassen, damit ich pinkeln konnte. Eine Stunde später durfte ich die Ambulanz verlassen: Zwei Wochen keine sexuellen Aktivitäten, stand in der Beschreibung. Als ob daran zu denken gewesen wäre.
In den folgenden Tagen hatte ich mit den Schmerzen und der offenbar nicht dichten Wunde genug zu tun, ich war froh, dass ich wenigstens relativ einfach auf die Toilette konnte. Der Verband hatte sich schon am nächsten Tag verabschiedet, ich machte mir provisorisch einen eigenen, den ich zweimal täglich erneuern musste. Nach knapp einer Woche war das dann nicht mehr nötig, aber es dauerte insgesamt noch vier Wochen, bis ich keine Schmerzen mehr an der Narbe hatte.
Dafür gab es ein neues Gefühl, an das ich mich nun gewöhnen musste: Jahrzehntelang war die Eichel im Normalzustand innerhalb der Vorhaut geschützt. Nur wenn diese zurückgezogen wurde, lag sie frei und war entsprechend empfindlich. Diese Empfindlichkeit war durchaus auch ein sexueller Vorteil. Das war nun anders. Ständig drückte die Eichel auf den Stoff der Unterhose, sie rieb daran, was neue Schmerzen verursachte.
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Die Beschneidung und der Sex
Wer schon als Kind beschnitten wurde, kennt es ja nicht anders. Bei ihm braucht es einen Moment, bis die Eichel beim Sex so sensibel reagiert. Für mich war es nicht nur ungewohnt, sondern ich hatte viele Wochen Angst, dass es gar nicht mehr so wird, dass mein Penis völlig unsensibel wird.
Glücklicherweise ist das aber nicht passiert. Manche Männer lassen sich wohl aus sexuellen Gründen beschneiden, weil sie dann angeblich länger durchhalten. Ich bin froh, dass ich es so gut überstanden habe. Dass sich jemand freiwillig, ohne medizinische Not der Prozedur unterzieht, erstaunt mich sehr. Für mich brachte die Beschneidung eher eine Einschränkung im Vergleich zum Normalzustand. Aber man muss ja nicht alles verstehen.
Aro Kuhrt ist freier Journalist und Autor stadtgeschichtlicher Bücher.
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