Remake von „Ein Fall für zwei“

Es waren einmal ein Anwalt und ein Detektiv

Alter Titel, neues Personal: Der ZDF-Klassiker „Ein Fall für zwei“ kehrt als Remake zurück und wartet mit Provokation und Konflikten zwischen den Hauptfiguren auf. Leider bleibt die Einteilung der Welt in Gut und Böse recht pubertär und selbstgerecht.

Torsten Wahl
4 Min
Antoine Monot, Jr. (l.) und Wanja Mues.

Antoine Monot, Jr. (l.) und Wanja Mues.

© ZDF Lizenz

Der Vorspann zeigt die beiden in typischer Arbeitsteilung: Der eine sitzt mit einem Gesetzbuch im Auto, der andere hält Kamera und Pistole im Anschlag. Die Startfolge „Verhängnisvolle Freundschaft“ führt dann vor, wie der Anwalt (Antoine Monot, Jr.) und der Detektiv (Wanja Mues) zusammenfinden: Anwalt Benni soll seinen Schulfreund Leo gegen einen Mordverdacht verteidigen. Doch die eigentliche Frage ist nicht das Wie, sondern das Warum. Warum musste die Krimiserie „Ein Fall für zwei“, die im vorigen Frühjahr nach über 30 Jahren und genau 300 Folgen vom ZDF groß verabschiedet worden war, nun mit neuem Duo unter dem Traditionstitel weitergeführt werden?

Die verantwortlichen ZDF-Redakteurinnen Sabine Groß und Nadja Grünwald-Kalkofen bemühen für ihre Kehrtwende den Begriff vom „singulären Markenkern“: Die Grundidee - ein Ermittlerduo aus Anwalt und Detektiv klärt Verbrechen fern der klassischen Polizeiarbeit auf – habe bis heute nichts von ihrem Reiz verloren. Antoine Monot, Jr., der auch als Werbefigur namens Technik-Nick für eine Elektro-Kette auftritt und hier den Anwalt Benni Homberg spielt, berichtet, dass der Name durchaus zur Diskussion stand. Der Schauspieler setzte sich dafür ein, den alten Titel zu nutzen, und keine Abwandlungen wie „Zwei für einen Fall“.

Monot betont aber, die neuen Folgen seien keine Fortführung, sondern ein Remake des Originals. Der Schauspieler, der als Kind vor allem die Erstbesetzung mit Claus-Theo Gärtner und Günter Strack mochte, erklärt den wichtigsten Unterschied zur letzten Konstellation: „Die Trennung – der Anwalt oben im Turm, der Detektiv unten auf der Straße – wird aufgebrochen.“

Drastische Provokation und Konflikte

Das neue Duo setzt sich viel stärker miteinander auseinander: Einst gingen Benni und Leo zusammen zur Schule, doch ein ominöses „Verhängnis“, das in den kommenden Folgen weiter aufgearbeitet werden soll, brachte die beiden auseinander. Benni, Sohn eines renommierten Jura-Professors, stieg in einer großen Kanzlei als Spezialist für Versicherungen auf. Leo verschlug es nach Südamerika, bis er nach Frankfurt am Main zurückkehrte und bei seinen Recherchen gegen sexsüchtige Versicherungsbosse unter Mordverdacht geriet.

Sehr drastisch provoziert der Detektiv seinen alten Kumpel: Der sei ein Anwalt geworden, der seine Seele verkauft habe für ein geiles Auto und ein tolles Haus, der alles verraten habe, wofür er einst gestanden habe und der den echten Verbrechern in den Arsch krieche. Monot findet die Vorwürfe gegen seine Figur nicht übertrieben hart: „Die Zuschauer wollen doch Konflikte sehen.“

Doch leider bleibt die Einteilung der Welt in Gut und Böse durch den drahtigen Leo recht pubertär und selbstgerecht. Die Rolle von Wanja Mues wirkt bislang weit weniger spannend als die durchaus zerrissene und mitunter komische Figur des Anwalts, der sich aus seinem saturierten Leben lösen muss. Unter dem Motto „Wir zwei Gangster gegen die richtigen Schweine“ zieht Leo den Schulkumpel schließlich auf seine Seite.

Ebenso simpel gestrickt bliebt der Auftaktfall: Hier darf sich Jürgen Tarrach als feister Anführer einer Bande in Nadelstreifen hervortun, die nicht nur zwielichtige Versicherungsdeals einfädelt, sondern auch ausufernde Callgirl-Parties veranstaltet und obendrein schnell zur Pistole greift. Die Inszenierung der Sexorgie soll wohl auf die legendäre Sause einer deutschen Versicherung anspielen. Doch wie die Serie hier mit blanken Busen den Zuschauer ködern will, ist im Grunde ebenso ungeniert.

Ein Fall für zwei,

vier Folgen, freitags, 20.15 Uhr, ZDF.

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